Ein Wegweiser für Anleger.
Die Qual der Zahl

Wo finden sich wichtige Zahlen und Fakten zu den Aktien am Neuen Markt?

FRANKFURT. Wer suchet, der findet. Stimmt, aber im Informationszeitalter meistens mehr, als dem Anleger lieb sein kann. Auf den Begriff "Neuer Markt" meldet eine Internetsuchmaschine gut 60 000 Treffer - der Info- Overkill ist im World Wide Web vor allem im Finanzsektor ausgeprägt. "Früher hatte man keine Informationen, heute wird der Anleger damit zugeworfen", umschreibt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), das Dilemma für den Aktionär.

Das trifft insbesondere auf den Neuen Markt zu. Bei erst wenige Jahre alten Unternehmen und einem steten Zufluss an Neuemissionen ist die Neugier besonders groß - und die Medien haben dies als ihren eigenen Wachstumsmarkt erkannt. Mit neuen Fernsehkanälen, zusätzlichen Internetangeboten und ausgeweiteten Finanznachrichten in den Printmedien schwillt die Informationsflut weiter an.

Auf der anderen Seite hat der private Anleger aber nur ein begrenztes Zeitbudget für seine Finanzen, weshalb er sich auf die wesentlichen Informationsquellen konzentrieren muss.

Grundsätzlich gibt es zwei Börsenphasen, für die sich der private Investor eine Informationsstrategie zurechtlegen muss. Einmal vor dem Börsengang und für die Zeit danach. Wer sich am Zeichnen von Neuemissionen beteiligen will, dem schallt gleichsam gebetsmühlenhaft der immer gleiche Expertenrat entgegen: den Emissionsprospekt lesen! "Erste Quelle für den Privatanleger, sich über Neuemissionen zu informieren, sollte der Prospekt sein. Dort findet er alle relevanten Informationen", erklärt Markus Herdina vom Deutschen Aktieninstitut (DAI). Vor allem stellt der Prospekt auch die Risiken der jeweiligen Aktie heraus.

Der Aktionär in spe erfährt etwas über die Abhängigkeit des Unternehmenserfolgs von wichtigen Mitarbeitern, Gefahren durch den technologischen Wandel oder die Intensität des Wettbewerbs. Weil bei absichtlich oder fahrlässig unrichtigen Angaben in Prospekten die Emittenten und Konsortialbanken haftbar gemacht werden können, sind die Angaben in der Regel realistisch. Der Investor sollte dabei auch die Info-Angebote der emissionsführenden Banken annehmen, erklärt Uwe Wulf, Sprecher der DG Bank. Deshalb stelle sein Institut die Börsenprospekte ins Netz. In schlechten Zeiten zeichneten nur die "hochinformierten Anleger", das Phänomen des "blinden Zeichnens" ohne Kenntnisse der Unternehmen sei eher in Hausse-Zeiten verbreitet.

In der heißen Phase eines Börsengangs zirkulieren auch die Research- Studien der Emissionsbanken in den Redaktionsräumen. Aus Gewinnschätzungen, Vergleichen mit Wettbewerbern und der Einschätzung des Managements leiten die Anlegermagazine dann Zeichnungsempfehlungen ab. DSW-Sprecher Kurz rät, höchstens zwei Anlegerzeitschriften zu abonnieren. Die Auswahl ist Geschmackssache, wer will, kann die Tipps in einem virtuellen Depot eine Zeitlang verfolgen und sich dann entscheiden.

Steht dann der Bookbuilding-Preis für die Aktien fest, lohnt sich bis zur ersten offiziellen Notiz das Verfolgen der Graumarktkurse, die im Internet beispielsweise bei Lang & Schwarz und Schnigge einzusehen sind. Reichen die Graumarktkurse bis zum oberen Ende der Preisfindungsspanne oder liegen sie innerhalb des Rahmens, sind allenfalls kleine Zeichnungsgewinne zu erwarten.

Ist ein Unternehmen einmal am Neuen Markt notiert, kann sich der Anleger via Internet und E-Mail-Newsletter über die Quartalsergebnisse auf dem Laufenden halten. Eine ganze Reihe von Informationsdiensten im Internet bieten darüber hinaus Kurse, Charts, Analystenempfehlungen, Branchenvergleiche und Nachrichten zu den Wachstumswerten (siehe Auswahl am Ende dieser Seite). Dank der Ad-hoc-Publizität erreichen kursrelevante Informationen den heimischen PC genauso schnell wie die Bildschirme der Profis. Eine weitere Quelle sind die Investor-Relations-Abteilungen der Unternehmen. "Die Art und Weise, wie E-Mail-Anfragen beantwortet werden, sagt auch etwas aus darüber, wie ernst die Aktionärsanliegen genommen werden", meint Kurz.

Hauptversammlungen sind out

Hauptversammlungen sind in den Zeiten des Videoabrufs im Internet nicht mehr unbedingt ein Pflichttermin für den Anleger. Trotzdem raten selbst Analysten, mindestens einmal eine solche Veranstaltung zu besuchen, um sich ein persönliches Bild vom Vorstand zu machen. Gerade bei Neuer- Markt-Unternehmen stehen oft charismatische Gründer an der Spitze. Eine HV kann Aufschluss darüber geben, ob auch die zweite Reihe des Vorstands Überzeugungskraft besitzt.

Wer eine Informationsstrategie testen will, dem empfehlen die Aktionärsschützer die Teilnahme an einem Börsenspiel. So könne der Anleger den "Führerschein für?s Börsenparkett" machen - und danach Gas geben.

Weiterführende Links:

www.neuer-markt.de

Unter dieser Adresse, die Teil des Informationsangebots der Deutsche Börse AG ist, finden sich im Internet alle offiziellen Zahlen zur Wachstumsbörse. Der Kursbereich ist unterteilt in Neuer Markt und Nemax 50, ferner werden die Zahlen zu den Gewinner-/Verliererlisten, den umsatzstärksten Werten und zu den Neuemissionen präsentiert. Unter der Rubrik "Statistik" werden außerdem Informationen zum Primärmarkt (erster Handelstag, Bookbuilding-Spannen, Emissionspreise und Platzierungsvolumen etc.) gesammelt, unter Sekundärmarkt werden auf Tages-, Monats- und Jahresbasis die wesentlichen Informationen über den Handel in den Neuer-Markt-Werten veröffentlicht. In der Unternehmensrubrik sind Steckbriefe zur Gesellschaft und zum Börsengang untergebracht, in denen auch die Aktionärsstruktur nach dem Initial Public Offering (IPO; = Börsengang) dargelegt wird. Außerdem ist eine Sortierung nach Branchen möglich.

www.wallstreetonline.de

Die Web-Site gehört bei den Finanzsurfern zu den Fixpunkten in der unübersichtlichen Internetwelt. Wer neu ist, braucht allerdings auf der Site selbst eine gute Weile, bis er sich in diesem Supermarkt zurechtgefunden hat. Wer in der linken Navigationsleiste auf "Neuemissionen" klickt, findet eine Übersicht der nächsten Börsenaspiranten. Richtig zur Sache geht?s dann bei den unter "Diskussionen" hinterlegten Brokerboards. Die redaktionellen Beiträge sind gekennzeichnet und informativ, die Kommentare zu den Börsenneulingen sind sehr brauchbar. In den Diskussionsforen über die Top-Stocks der vergangenen 24 Stunden finden sich viele Neuer-Markt-Werte, aber viele Beiträge und Gerüchte haben eher Unterhaltungscharakter und bringen Anfängern kaum verwertbare Erkenntnisse. Im Nachrichtenbereich werden Meldungen der Nachrichtenagenturen dpa-AFX und vwd eingespeist plus eigener redaktioneller Beiträge.

www.onvista.de

Der Internetauftritt der börsennotierten Onvista AG wird auch wegen seiner zahlreichen Analysewerkzeuge besucht. Wer in der Suchmaske Unternehmensnamen oder Wertpapierkennnummer einträgt, erhält als Ergebnis eine Mischung aus Stammdaten, Kursinformationen, Charts und Aktienkennzahlen. Clever gemacht ist unter der Rubrik Analystenempfehlungen die grafische Aufbereitung der Einschätzungen von "Sell" bis "Strong Buy". Dazu werden die jeweils jüngsten Research-Berichte aus den Banken gestellt. Unter den Analystenschätzungen sind die Prognosen der Profis zu Gewinn, Cash-Flow und Dividende je Aktie auf einen Blick zu sehen. Gelegentlich würde es nicht schaden, die so genannten Tools ausführlicher zu erläutern, ein gutes Beispiel für solchen Bedarf ist die "Risk Return Map". Der Button "Erklärung" ist fast mikroskopisch klein.

www.dgbank.de

Die DG Bank gehört zu den emsigsten Konsortialbanken am Neuen Markt. Noch nicht allzu lange spiegelt sich dies auch auf den Internetseiten wider. Wer von der Homepage aus über "Zeichnung online" geht, dem werden unter "Aktuelle Kaufempfehlungen" für den Neuen Markt auf Wochenbasis eine Reihe von Titeln genannt, bei denen die Bank ein erhöhtes Kurspotenzial sieht. Außerdem werden die Titel in Risikoklassen eingeteilt, von 1 = geringes Verlustrisiko bis 5 = sehr hohes Verlustrisiko. Unter "Video Event" finden sich Selbstdarstellungen von Neuer-Markt-Unternehmen und Audio-/Video-Präsentationen von Analysten der DG Bank, etwa zu UMTS-Bietern oder auch zur "Erfolgsstory Neuer Markt". Unter "Emissionen" sind auch die Verkaufsprospekte abrufbar.

www.ipo-gate.de

Die laufenden Neuemissionen und die Zeichnungsgewinne der jüngsten zehn Börsengänge erwarten den Surfer schon auf der Homepage. Das Ratingsystem mit Sternen wird nicht sofort ersichtlich, dafür sind die Auflistungen der Empfehlungen der Anlegermagazine nützlich. Auch die grafische Darstellung der Kursentwicklung vom Grauen Markt in den Neuen Markt ist recht anschaulich. Der IPO-Planer zeigt die Zeichnungsmöglichkeiten bei den Direktbanken und virtuellen Emissionshäusern. Die IPO-Pipeline entspricht einem Emissionskalender, im IPO-Forum ist im Vergleich zu anderen Internetangeboten eher wenig los. Redaktionell ist hier nichts zu holen, die Unternehmensbeschreibungen sind von den Web-Seiten der Firmen abgeschrieben.

www.goingpublic-online.de

Internetableger des auf Emissionen spezialisierten Magazins. Neben Marktberichten, Kurslisten, Ad-hoc-Mitteilungen und Kolumnen sind zahllose Analysemöglichkeiten nach Branchen und auch Einzelwerten eingebaut. Zeitnah aktualisiert werden auch die technischen Betrachtungen zu Werten am Neuen Markt. Specials befassen sich mit Biotechnologie-, Internet- und Medienaktien, ferner sind Interviews mit Vorständen archiviert. Eine Vorschau auf Aktiensplits/Kapitalmaßnahmen gehört ebenso zum Angebot wie der IPO-Rückblick auf die Kursveränderungen der bisherigen Börsengänge gegenüber dem Emissionskurs beziehungsweise dem ersten Kurs im Handel. Die Top-/Flop-Listen zeigen die beste oder schlechteste Performance der Wachstumswerte auf Tagesbasis und im bisherigen Jahresverlauf.

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