Ein weiterer Schritt auf dem Weg zum therapeutischen Klonen
Deutscher Forscher erzeugt künstliche Eizellen

Der Traum von maßgeschneiderten Ersatzteilen für den kranken oder verschlissenen menschlichen Körper ist ein Stück näher gerückt. Eine Gruppe um den deutschen Entwicklungsbiologen Hans Schöler hat Eizellen im Tierversuch künstlich hergestellt.

dpa/HB New York. Die Forscher um Schöler und seine Kollegin Karin Hübner von der University of Pennsylvania bei Philadelphia legten dichte Kulturen von embryonalen Stammzellen in Petrischalen an. Dann beobachteten sie, wie diese nach etwa acht Tagen das Frühstadium von Keimzellen erreichten, die Vorstufe von Eizellen. Diese Eizellen könnten als Ausgangsmaterial dienen für das therapeutische Klonen, das Patienten in der Zukunft einmal mit neuen Muskeln, Organen oder Hirnzellen versorgen könnte.

Das Team beschreibt die nach Meinung von Biologen und Ethikern umwälzende Arbeit in der aktuellen Online-Ausgabe des Wissenschaftsjournals "Science". Neu ist aber eigentlich nur, dass es gelang, die Eizellen auch als solche zu identifizieren. "Vielen (Forschern) dürfte jetzt klar werden, dass auch sie diese frühen Keimzellen bereits hatten", wird Schöler in einem Begleitartikel in "Science" zitiert.

Schöler untersucht, wie wandlungsfähig Zellen sind. Er hält es nicht für ausgeschlossen, dass differenzierte, erwachsene Körperzellen - zum Beispiel aus der Haut - eines Tages in das Stadium embryonaler Stammzellen zurückgeführt werden können. "In Bezug auf die Abläufe zwischen den Zellen im Körper sind wir noch ganz am Anfang unseres Verständnisses", sagt der Forscher. Er vergleicht den gegenwärtigen Kenntnisstand der Biologen mit dem früheren "Lochkartenstadium" der Computer-Wissenschaft.

Die Aussicht, Eizellen im Labor heranzuziehen, hat für den Deutschen vor allem praktischen Wert. Sollte es möglich sein, das bisher nur bei Mäusen erzielte Ergebnis mit embryonalen Stammzellen des Menschen zu wiederholen, gäbe es künftig keinen Mangel der raren Eizellen. Außerdem würde Frauen der schwierige und unangenehme Prozess der Eizellen-Gewinnung und-Spende erspart.

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