Ein Zusammenschluss mit Ashanti würde den Konzern an die Spitze der Goldproduzenten katapultieren
Glänzende Aussichten für Anglogold

Am Goldmarkt geben jetzt wieder die Bullen den Ton an. Der Grund dafür ist weniger der gerade auf 360 $ gekletterte Goldpreis als die Meldung, dass sich das südafrikanische Branchenschwergewicht Anglogold in Fusionsverhandlungen mit dem westafrikanischen Goldkonzern Ashanti befindet.

KAPSTADT. Ein erfolgreicher Zusammenschluss des weltweit zweitgrößten Goldproduzenten mit dem in Ghana ansässigen Unternehmen würde den daraus hervorgehenden pan-afrikanischen Goldriesen an die Spitze der Goldliga katapultieren. Wie sein amerikanischer Erzrivale Newmont, der die Führungsposition Anfang 2002 erklommen hatte, würde Anglogold pro Jahr rund 7,2 Mill. Unzen Gold schürfen.

Strategisch ist der Zusammenschluss sinnvoll: Zum einen sind Ashantis Goldminen von hoher Qualität. Zum anderen hat der Konzern seinen Umbau nach den hohen Verlusten, die er vor drei Jahren im Zuge schlecht kalkulierter Termingeschäfte erlitten hatte, mittlerweile erfolgreich beendet. Auch hat die Regierung von Ghana inzwischen signalisiert, die Fusion trotz ihres Vetorechts befürworten zu wollen. Dadurch kann den Südafrikanern jetzt nur noch das höhere Angebot eines Rivalen einen Strich durch die Rechnung machen.

Schließlich stimmt auch der Preis: Während die Westafrikaner ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 10 aufweisen, sind Anglogolds kanadische Konkurrenten wie Placer Dome derzeit mit einer KGV von 29 und Barrick mit 72 hoch bewertet. Vor allem aber hat die Fusion am Goldmarkt neue Übernahmefantasien geschürt, weil sie beweist, dass die Zeit der Konsolidierung noch nicht vorüber ist: Sporadisch gibt es immer wieder Gerüchte über ein Zusammengehen von Anglogold und seinem kanadischen Rivalen Barrick, der wegen seiner hohen Rentabilität unter Anlegern beliebt ist. Beide kooperieren bereits in Nordamerika und würden gemeinsam die Schlagkraft für die Übernahme von Gold Fields haben, das nach seinen hohen Kursgewinnen für Anglogold allein inzwischen reichlich teuer geworden ist.

Anglogold ist für Anleger auch deshalb attraktiv, weil das Unternehmen mit 5 % eine weit höhere Dividende als seine kanadischen und australischen Konkurrenten zahlt. Konzernchef Bobby Godsell hat Anlegern erst kürzlich versichert, sein Unternehmen werde die Kosten trotz der enormen Tiefe seiner Minen am Kap weiter reduzieren, um auch in schlechten Zeiten eine profitable Anlage zu sein. Nicht ohne Stolz verweist Godsell darauf, dass Anglogold seinen Anlegern im letzten Jahr eine Rendite von fast 100 % beschert habe, einschließlich der gezahlten Dividende.

Anders als seine einheimische Konkurrenz gilt Anglogold als finanziell konservativ. Es gehört zu den wenigen Unternehmen, die zumindest einen Teil ihres Goldes zu einem festen Preis im voraus verkaufen (Hedging), um sich damit gegen mögliche Rückschläge des Goldpreises abzusichern. Gleichzeitig hat das Unternehmen dadurch jedoch etwas weniger stark vom Aufschwung des Goldpreises in den letzten beiden Jahren profitiert als andere Konzerne.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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