Einbruch auf dem Anzeigenmarkt
Süddeutscher Verlag schlittert tiefer in der Krise

Der Verlagschef Dirk Refäuter geht. Derweil warnen die Redakteure vor einem "Kaputt-Sparen".

MÜNCHEN. Auf der vorerst letzten Krisensitzung der "Süddeutschen Zeitung" Mitte vergangener Woche ist Dirk Refäuter schon nicht mehr erschienen - obwohl er angekündigt war. Kurz danach wussten die erstaunten Redakteure warum: Der Chef des Süddeutschen Verlag (SV) hat die Brocken hingeworfen. Zum Jahresende scheidet er "auf eigenen Wunsch" aus, wie es heißt. Refäuter sei die zermürbenden Auseinandersetzungen mit den fünf Eigentümerfamilien des SV leid, verlautete aus dem Verlag.

Das Ausscheiden des Konzernchef wirft ein grelles Schlaglicht auf die tiefe Krise beim Süddeutschen Verlag, der einer der größten Verlage in Deutschland (Umsatz: 720 Mill. Euro) ist. Der Einbruch auf dem Anzeigenmarkt, insbesondere bei Stellenanzeigen, sorgt für tiefrote Zahlen bei den Münchenern. Und die wirtschaftliche Lage ist angeblich noch ernster als angenommen.

Offenbar sorgte sich das Unternehmen sogar um die Liquidität. Sanierer Klaus Josef Lutz, der zusammen mit Finanzchef Hanswilli Jenke jetzt die Aufgaben Refäuters übernimmt, soll den SZ-Redakteuren zuletzt berichtet haben, in den vergangenen Wochen seien morgens immer die Konten geprüft worden. Die Angst vor der Insolvenz ging um. Auch die Auszahlung des Weihnachtsgeldes sei wegen der angespannten Lage auf Dezember verschoben worden, heißt es aus dem SV.

Ende November fanden die fünf bisherigen SV-Gesellschafter dann einen Investor, der eine Kapitalspritze in dreistelliger Millionenhöhe mitbringt. Die Südwestdeutsche Medien Holding, die unter anderem die "Stuttgarter Zeitung" und die "Stuttgarter Nachrichten" verlegt, steigt bei Kapitalerhöhung ein und erhält 18,75 % am SV. Entschieden dementiert wird, dass der neue Gesellschaft auf den Abgang Refäuters gedrängt habe.

Gleichzeitig arbeiten die Berater von Roland Berger an einem Sanierungskonzept. Etwa 20 % der einst 5 000 Arbeitsplätze werden bis 2004 gestrichen, darunter sind auch viele Stellen in der Redaktion. Randbereiche, wie die Regionalzeitungen, sollen verkauft werden. Das Ziel: Die Rückkehr in die Gewinnzone.

Refäuter war erst im September 2000 als Hoffnungsträger zum SV gekommen. Der Medienmanager, der davor bei Bertelsmann arbeitete, wollte frischen Wind ins Traditionshaus bringen. Doch er hatte keine glückliche Hand. Die Werbekonjunktur brach zusammen, was auch alle anderen großen Zeitungshäuser schmerzhaft zu spüren bekamen.

Der SV aber steuerte offenbar nicht energisch genug gegen. Überdies scheiterten Refäuters hoch fliegende Pläne für die Sparte Fachinformationen. Die Übernahme der entsprechenden Sparte des Weka-Verlags platzte. Dazu kamen teure Projekte wie der SZ-Regionalteil in Nordrhein-Westfalen. An der Spitze des Verlags soll künftig ein Lenkungsausschuss stehen, den die sechs Gesellschafter einrichten. Sanierer Lutz kann sich jetzt schon auf Gegenwind einstellen. Die SZ-Redaktion warnte davor, dass die Qualität des Traditionsblatts "kaputt gespart" wird. Die Journalisten kündigten Widerstand an und mahnten neue "verlegerische Konzepte" an.

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