Einbruch der Nasdaq noch ausgeblieben
Schlechte US-Zahlen erhöhen Zinsdruck

Das Verbrauchervertrauen in Amerika bricht unerwartet stark ein. Neue Konjunkturdaten aus den USA haben die Erwartungen auf eine baldige weitere Leitzinssenkung verstärkt. So sank der an den Finanzmärkten viel beachtete US-Index des Verbrauchervertrauens im Februar unerwartet stark auf 106,8 Punkte

hus/som/HB DÜSSELDORF. Volkswirte hatten mit einem halb so starken Rückgang gerechnet. Der vom Forschungsinstitut Conference Board ermittelte Index notiert auf dem niedrigsten Niveau seit 1996 und verlor seit September rund 25 %. In Europa und in den USA gaben vor allem die Technologie-Aktien nach. Der befürchtete Einbruch an der Nasdaq und am Neuen Markt blieb jedoch aus.

Nach Einschätzung des Conference Board deuten die Daten auf eine deutliche Verlangsamung der US-Konjunktur, nicht aber auf eine Rezession hin. Der dramatische Einbruch sei vor allem auf die jüngsten Entlassungswellen in der Industrie zurückzuführen. Parallelen zu dieser Entwicklung gebe es nur in "Schock-Situationen" wie während der Ölkrise in den 70er Jahren.

Auch die Neubauverkäufe in den USA und die Auftragseingänge für langlebige Güter gingen stärker zurück als von Bankvolkswirten erwartet. Die Neubauverkäufe sanken um fast 11 %, die Aufträge fielen um 6 %. Die Entwicklung erhöht nach Ansicht von Volkswirten und Analysten den Druck auf die US-Notenbank Fed, spätestens beim kommenden Treffen am 20. März die Zinsen zu senken.

Der ehemalige Notenbank-Gouverneur Wayne Angell von der Investmentbank Bear Stearns prognostizierte nach Veröffentlichung der Daten, dass die US-Notenbank noch in dieser Woche die Zinsen senkt. Die Fed müsse jetzt schnell und intensiv reagieren. Zurzeit sei die Geldpolitik noch zu straff, erklärte Angell im US-Fernsehen.

Der Chefstratege der Wells Capital Vermögensverwaltung in Minneapolis, James Paulsen, erhofft sich eine heilsame Wirkung. "Jetzt sitzt für Politiker und Notenbanker der Schreck so tief, dass sie sich zu dramatischen Schritten veranlasst sehen könnten", sagte er dem Handelsblatt. Er denkt dabei an den Schock nach dem Börsencrash von 1987: "Damals hat sich die Wirtschaft viel rascher wieder erholt als in der Rezession von 1990/91, weil der Schreck viel tiefer saß und alle rasch gehandelt haben." Auch Paulsen kann sich vorstellen, dass die Notenbank noch vor ihrer Sitzung die Zinsen senkt.

Die Aktienstrategin Gertrud Traud von der Bankgesellschaft Berlin erwartet dagegen erst am 20. März einen Zinsschritt um einen halben Prozentpunkt: "Die Fed darf ihr Pulver nicht zu schnell verschießen. Damit die Geldpolitik viel bewirkt, müssen die Erwartungen auf Zinssenkungen noch länger im Markt bleiben".

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