Einbruch der T-Aktie
DSW spricht von "mysteriösen Umständen"

Der Aktienkurs der Telekom hat den zweiten Tag in Folge an der Börse kräftig verloren. Das Papier büßte am Mittwoch bis kurz nach 15.00 Uhr 7,23 % ein und war noch 21,68 ? wert. Bereits am Vortag hatte die T-Aktie deutlich verloren, nachdem die Deutsche Bank im Auftrag eines nicht genannten Kunden rund 44 Mill. Aktien verkauft. Aktionärsschützer zeigten sich über die Kursentwicklung empört.

ap BONN/FRANKFURT. Marc Tüngler, Anwalt bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), sagte zu dem Einbruch der T-Aktie: "In dem großen Puzzle der mysteriösen Umstände um die Telekom ist das mal wieder ein weiteres Stück." Die Schutzvereinigung fordere die zuständigen Behörden auf, Prüfungen einzuleiten.

Eine Sprecherin des Bundesaufsichtsamtes für den Wertpapierhandel erklärte, die tatsächlichen Transaktionsdaten lägen dem Amt noch nicht vor. Daher könne auch keinerlei Aussage dazu gemacht werden.

Tüngler sagte auch, falls die Deutsche Bank schon am Montag - als das Institut eine Kaufempfehlung für die T-Aktie abgegeben hatte - gewusst hätte, dass ein Kunde der Deutschen Bank am nächsten Tag ein großes Paket platzieren wolle, wäre das ein Skandal.

Marktüberschwemmung mit 400 Mill. T-Aktien befürchtet

Tüngler betonte auch, er befürchte, dass in den kommenden Wochen noch viel größere Pakete von T-Aktien auf den Markt kämen. Er wies in diesem Zusammenhang auch auf das Ende der so genannten Lock-up-Frist hin. Die Aktionäre des amerikanischen Unternehmens Voicestream, das von der Telekom übernommen wurde, haben bei der Übernahme T-Aktien für ihre Papiere erhalten. Bis Ende August dürfen sie diese Aktien nicht verkaufen, doch dann endet die Frist. Tüngler: "Das wird den Kurs erneut belasten. Dann könnten bis zu 400 Mill. T-Aktien auf den Markt kommen und der Kurs könnte möglicherweise auch unter 20 ? sinken."

Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärte am Mittwoch auf Anfrage, die Bank habe am Montag einen lang vorbereiteten Research-Bericht herausgegeben, der zu keiner Neueinschätzung der Telekom führte, sondern vielmehr die Kaufempfehlung bekräftigt habe. Der Markt habe darauf kaum reagiert, wie man auch im Vergleich zu den Vortagen sehen könne. Insofern gebe es auch kein Problem, wenn am nächsten Tag von der Bank eine größere Verkaufsorder durchgeführt werde.

Sprint-Engagement brachte Telekom zwei Mrd. ?

Dresdner-Bank-Analyst Chris-Oliver Schickentanz bezeichnete die jüngste Entwicklung des Papiers als überraschend. Die Märkte hätten erwartet, dass die T-Aktie verstärkt angeboten werde, wenn die Sperrfrist für die Voicestream-Aktionäre am 1. September ablaufe. Von den fundamentalen Daten her gebe es jedenfalls keinen Grund, warum die T-Aktie nun so einbreche.

Unterdessen gab der Bonner Telefonriese am Mittwoch den Verkauf des überwiegenden Teils der bislang noch von ihm gehaltenen Aktien am US-Mobilfunkunternehmen Sprint PCS bekannt. Ein Telekomsprecher sagte, das Sprint-Engagement habe dem Konzern insgesamt einen Gewinn von rund zwei Mrd. ? (knapp vier Mrd. DM) gebracht.

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