Einbruch im Fernverkehr droht

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Einbruch im Fernverkehr droht

Die Lokführer der Deutschen Bahn drohen nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen mit Streik. Am Montag soll eine Mitgliederversammlung der Lokführergewerkschaft GDL in Kassel über das weitere Vorgehen entscheiden. Eine Bahn-Sprecherin ließ auf Anfrage offen, ob es zu Warnstreiks noch vor Ostern kommen könnte.

HB/dpa BERLIN. Der Fernreise-Umsatz der Bahn soll unterdessen einem Zeitungsbericht zufolge im Januar und Februar um fast 15 Prozent eingebrochen sein. Das Unternehmen betonte, dass die Passagierzahlen im Nah- und Fernverkehr nach den ersten drei Monaten insgesamt auf Vorjahreshöhe lägen und lehnte einen weiteren Kommentar zu dem Bericht ab. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete unter Berufung auf ein internes Schreiben an die Bahn-Führungskräfte, der Umsatz mit Fernreisen sei in den ersten beiden Monaten 2003 im Jahresvergleich um 14,9 Prozent auf 433,3 Millionen Euro gefallen. Die Erlöse im Nahverkehr legten zwar leicht zu - um 4,6 Prozent auf knapp 1,33 Milliarden Euro. Damit würde einem Rückgang um knapp 76 Millionen Euro im Fernverkehr allerdings nur ein Plus von rund 58,3 Millionen Euro im Nahverkehr gegenüberstehen.

Der für Personenverkehr zuständige Konzernvorstand Christoph Franz sagte der "Berliner Morgenpost", mit der Stagnation bei den Passagierzahlen habe die Bahn ihre internen Planungen um etwa sieben Prozent verfehlt. Die Entwicklung habe konjunkturelle Gründe. Fahrgastverbände bringen die Entwicklung der Passagierzahlen aber auch mit dem neuen Preissystem der Bahn in Verbindung, das zum Teil heftig kritisiert wird.

Für einen Streik der Lokführer wäre eine Urabstimmung erforderlich. Warnstreiks könnte es allerdings schon früher geben. Die GDL hatte die Verhandlungen am Freitagabend für gescheitert erklärt. Die Gewerkschaft sei nicht mehr in der Friedenspflicht, warnte GDL-Chef Manfred Schell. Die Bahn steuere mit ihrer "Blockadepolitik" auf einen Streik zu.

Die Bahn hatte sich bereits im März mit den beiden anderen Gewerkschaften Transnet und GDBA auf Lohnerhöhungen geeinigt. Der Abschluss sollte laut Schlichterspruch auch für die Lokführer übernommen werden, die GDL lehnt dies jedoch ab und fordert eine "Tarifführerschaft für Lokomotivführer".

Die GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer) hat nach eigenen Angaben 35 000 Mitglieder und organisiert rund 75 Prozent der DB- Lokführer. Damit könnte sie den Betrieb mit einem Streik nahezu komplett lahmlegen. Die restlichen 25 Prozent sind bei Transnet organisiert.

Der Konzern kündigte an, er werde einen Streik der Lokführer als nicht rechtmäßig betrachten. Nach dem so genannten Grundsatz der Tarifeinheit könne bei einem Unternehmen nur ein Tarifvertrag angewendet werden.

Der Einigung mit Transnet und GDBA zufolge sollen die Entgelte in diesem Jahr um durchschnittlich 1,35 Prozent und im kommenden Jahr um weitere 3,2 Prozent erhöht werden. Die Einkommen in Ostdeutschland sollen bis 2006 in drei Stufen voll an das Westniveau angeglichen werden. Die Bahn hat insgesamt rund 210 000 Beschäftigte.

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