Einbußen an der Wall Street, aber kein großer Rückschlag
Rückschlag an der Wall Street ist ausgeblieben

Der große Rückschlag, auf den so viele warten, ist ausgeblieben. Trotzdem zeigten sich die New Yorker Börsen in angeknackster Stimmung. Dafür ging es ja in der Vorwoche ansehnlich nach oben. Und davor, und davor, und davor...

WSC NEW YORK. Das heißt: Insgesamt betrachtet verlassen Dow, Nasdaq und S&P 500 ihren Aufwärtskurs nicht. Die Nervosität nimmt allerdings in Erwartung eines Rückschlags zu. Das ist auch nicht unwahrscheinlich. Immerhin geht es so langsam mit den Gewinnwarnungen los. Die Unternehmen schauen in ihre Bilanzen und errechnen Pi mal Daumen, was am Ende des Quartals herauskommen wird. Weicht die Schätzung zu sehr von den bisherigen Prognosen nach unten ab, werden die Anleger gewarnt.

Merck beispielsweise war so ein Kandidat und lastete auf der Pharmabranche. Das Unternehmen erwartet für das Jahr 2002 ein Nullwachstum. Analysten nahmen nun auch die übrigen Unternehmen des Sektors unter die Lupe. In den nächsten fünf Jahren, so ihr Ergebnis, laufen Patente für Medikamente mit einem Jahresumsatz von insgesamt 34 Mrd. $ aus. Merck ist mit einem dabei am stärksten betroffen. Auch Bristol-Myers Squibb veröffentlichte erwartungsgemäß eine Gewinnwarnung. Aus dem Schneider aber scheint Pfizer zu sein. Dem Viagra-Hersteller laufen bis 2005 gar keine Patente aus, an der Wall Street gilt das Unternehmen als das bestpositionierte.

Auch an der Nasdaq drehte sich alles um Medizin. Das weltgrößte Biotechnologieunternehmen, Amgen, ist Spekulationen zufolge an einer Übernahme von Immunex interessiert. Der Deal soll 18 Mrd. $ schwer sein, was Analysten für ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von nur 1 Mrd. $zu viel erscheint. Die Deutsche Banc Alex Brown hält die Übernahme für "unwahrscheinlich".

Das Fernglas ist zwar noch vonnöten, aber immerhin: Oracle deutet eine Erholung an. Im Frühjahr 2002 könnte das Gewinnwachstum wieder angefacht werden, sagte Oracle-Chef Larry Ellison. Im laufenden Quartal jedoch werde der Gewinn noch unverändert ausfallen. "Es war das härteste Quartal seit einem Jahrzehnt", so der Firmenboss bei der Präsentation der letzten Vierteljahresbilanz. Demnach musste der zweitgrößte Softwarehersteller der Welt im abgelaufenen Quartal ein Umsatz- und Gewinnminus von elf Prozent hinnehmen.

Für Enron interessieren sich Citigroup und UBS Warburg. Beide wollen den Energie-Pleitekandidaten übernehmen. J.P. Morgan Chase hingegen, der ähnliche Ambitionen nachgesagt wurden, geht nun andere Wege. Der Großgläubiger möchte Enron zurzeit nicht übernehmen, dafür wurde eine Klage in Höhe von 2,1 Mrd. $ eingereicht.

Wenige Analysten trauen sich zurzeit mit Prognosen für das kommende Jahr in die Öffentlichkeit. Tom van Leuven von J. P. Morgan Securities ist eine Ausnahme, doch die Aussagen sind eher pessimistisch. "Unsere offizielle Vorhersage für den S&P 500 für Ende 2002 ist 950 (jetzt bei 1120). Das bedeutet, dass der Index für den breiten Markt noch zwischen 15 und 20 % verlieren wird. Auch der Dow Jones-Index wird nach unseren Schätzungen niedriger notieren, aber vermutlich nicht ganz so viel gegenüber heute einbüßen. Das liegt daran, dass der Dow weniger Technologietitel enthält."

Die Nasdaq hingegen werde sich sogar schwächer entwickeln als der breite Markt, und somit vielleicht mehr als 20 % verlieren, sagt Van Leuven. "Wir gehen immer noch davon aus, dass Technologie-Aktien gut bewertet sind und die Unternehmen Schwierigkeiten mit ihren Gewinnen haben werden."

Die Wirtschaftsdaten der Woche waren im Grunde positiv. Die Produzentenpreise sind stärker als erwartet gefallen. Dies führte dazu, dass im November die Konsumentenpreise stabil blieben. Zwar mussten die Verbraucher für Autos und Tabak etwas tiefer in die Tasche greifen, dafür aber hat sich Energie, also Benzin deutlich verbilligt. Die Notenbanksitzung brachte die erwartete Zinssenkung um 25 Basispunkte mit sich und war keine Überraschung für die Märkte.

Der Dow Jones-Index verlor im Wochenvergleich 2,4 % auf 9 811 Punkte. Die Nasdaq büßte 3,4 % ein und notiert nun bei 1 953 Punkten.

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