Eindeckungskäufe beim Dollar
Euro von Gewinnmitnahmen belastet

Nach dem kräftigen Kursanstieg vom Vortag ist der Euro am Freitag unter Verkaufsdruck geraten. Daneben verhinderten Spekulationen auf eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) in der kommenden Woche weitere Euro-Kursgewinne.

Reuters LONDON. "Es ist ganz einfach: Die Leute nehmen Gewinne mit", sagte ein Händler mit Blick auf den Kursanstieg des Euro um mehr als einen US-Cent am Donnerstag. Koichi Abe, Forex Section Manager der Aozora Bank, verwies auf die Nervosität der Anleger vor der EZB-Entscheidung. Daher zögerten viele mit weiteren Euro-Käufen. "Der Markt erinnert sich offenbar immer noch daran, dass der Euro nach der Zinssenkung im Mai eine Weile unter Druck geraten ist", sagte Abe weiter. Allerdings sei eine mögliche Zinssenkung bereits in den Kursen enthalten.

Von Reuters befragte Analysten rechnen mehrheitlich mit einer Senkung der europäischen Leitzinsen um 50 Basispunkte auf 2,0 %. Weniger wäre eine Enttäuschung, hieß es unter Börsianern. Eine Zinssenkung gilt als ein Mittel zur Ankurbelung der Konjunktur, da sich Unternehmen dann billiger mit Kapital für Investitionen eindecken können.

Am Vormittag lag der Euro bei 1,1842/48 Dollar, nach einem Stand von 1,1900/04 Dollar bei Handelsschluss in New York am Vortag. Parallel dazu verteuerte sich die US-Währung auf 118,68/73 Yen. Unterstützung erhielt sie dabei von den anhaltenden Spekulationen um Interventionen der Bank von Japan zu Gunsten des Dollar. Nach Einschätzung von Marktteilnehmern hat die japanische Notenbank in den vergangenen beiden Wochen massiv am Devisenmarkt Dollar gekauft, um den Kurs des Yen zu drücken und damit der seit Jahren stark angeschlagenen japanischen Konjunktur zu helfen. Ein fallender Yen-Kurs verbilligt japanische Ausfuhren.

Vom Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8) erwarteten Börsianer keine Impulse für den Devisenmarkt. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Politiker sich derzeit um die Wechselkurse Sorgen machen. Sie werden über Irak und die Nato sprechen", sagte Julian Jessop, Chefökonom bei Standard Chartered in London.

Trotz gegenteiliger Äußerungen des US-Präsidenten George W. Bush hielten sich unter Börsianern die seit Wochen anhaltenden Spekulationen auf eine mögliche Abkehr der US-Regierung von ihrer Politik eines starken Dollar. Bush hatte in einem Interview der französischen Zeitung "Le Figaro" (Freitagausgabe) das Festhalten an diesem Grundsatz bekräftigt. Allerdings hatte der Gouverneur der Federal Reserve Bank von San Francisco, Robert Parry, zuvor gesagt, ein schwächerer Dollar helfe der US-Wirtschaft. Parrys Aussagen und ähnliche Äußerungen des US-Finanzministers John Snow wurden am Markt als Zeichen für eine Abkehr von einer Politik eines starken Dollar gewertet.

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