Eindringlicher Appell des südafrikanischen Präsidenten
Eröffnung des Uno-Weltgipfels in Johannesburg

Mit einem eindringlichen Appell, die Armut zu bekämpfen und mit der Umwelt schonender umzugehen, hat der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki gestern zum Auftakt des Uno-Gipfels in Johannesburg Delegierte aus fast 200 Ländern dazu aufgerufen, weltweit für mehr Gerechtigkeit zu sorgen.

HB JOHANNESBURG. Mit einem eindringlichen Appell, die Armut zu bekämpfen und mit der Umwelt schonender umzugehen, hat der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki gestern zum Auftakt des Uno-Gipfels in Johannesburg Delegierte aus fast 200 Ländern dazu aufgerufen, weltweit für mehr Gerechtigkeit zu sorgen. Eine Gesellschaft, die auf Armut für viele und Wohlstand für wenig fuße, sei zum Scheitern verurteilt und werde in einem Desaster enden, sagte er.

Mit Blick auf die schwierigen Vorverhandlungen über ein Abschlusskommuniqué erklärte Mbeki: "Die Völker der Welt erwarten, dass dieser Gipfel die Hoffnungen erfüllt, die vor zehn Jahren in Rio geweckt wurden." Aus Johannesburg und aus Afrika müssten Signale für einen Aufbruch kommen, der die Welt voranbringe. Gleichzeitig wandte er sich gegen Befürchtungen, die Konferenz könne scheitern. "Es gibt Grund zur Hoffnung, nicht zur Verzweiflung", sagte Mbeki.

Bereits am Vorabend hatte Mbeki, der gestern zum Präsidenten des Uno-Gipfels gewählt wurde, die gegenwärtige Zweiteilung der Welt mit der Geschichte seines eigenen Landes verglichen und vor einer "globalen Apartheid" zwischen Arm und Reich gewarnt. Trotz der Übereinkunft von Rio leide die Welt noch immer unter Armut, Ungleichheit und einer anhaltenden Zerstörung der Umwelt. Der Gipfel wird sich in den nächsten zehn Tagen mit fünf Kernthemen befassen: Trinkwasser, Gesundheit umweltschonende Energien, Landwirtschaft und Schutz der Artenvielfalt.

Auch eine faire Gestaltung des Welthandels gehört zu den Themen. Anders als bei vorangegangenen Gipfeln ist die Verhandlungslage in Johannesburg allerdings besonders schwierig. In die Kritik geraten sind vor allem die USA, die ihre Umweltstrategie seit Rio grundsätzlich verändert haben und sich gegen verbindliche internationale Abkommen sträuben. Erst im vergangenen Jahr hatte US-Präsident George W. Bush den Ausstieg seines Landes aus dem Klimaabkommen von Kyoto verkündet.

Darin hatten sich die Staaten verpflichtet, den Ausstoß von Treibhausgasen zwischen 2008 und 2012 um weltweit 5,2% zu reduzieren. Die USA befürworten ihrerseits so genannte Entwicklungspartnerschaften, die freiwillig sind und nur von einer begrenzten Zahl an Partnern eingegangen werden. Dies können zwei Staaten sein aber auch zwei private Vertragspartner. US-Unterstaatsekretär John Turner, der die US-Delegation leitet, spielte gestern die Bedeutung konkreter Gipfelentscheidungen herunter.

Wichtiger seien ergebnisorientierte Projekte vor Ort. Im Gegensatz zu den USA befürworten die Europäer in Umweltfragen die Verabschiedung eines international verbindlichen Arbeitsprogramms. Allerdings wehren auch sie sich gegen ein von der Dritten Welt gefordertes Reglementierungskorsett, dessen Auflagen weder finanziell noch praktisch erfüllbar sind.

In den außerplanmäßigen Vorverhandlungen war bis zum Montag Mittag keine Annährung in zentralen Themen erreicht worden. Der Generaldirektor des World Wildlife Fund (WWF), Claude Martin sprach von "sehr enttäuschend verlaufenden" Verhandlungen. "Die Regierungen müssen mehr Verantwortung übernehmen, um das Treffen in Johannesburg zu einem Erfolg für die Menschen und den Planeten zu machen", sagte Martin.

Insgesamt sind rund 40 000 Konferenzteilnehmer zum Uno-Gipfel nach Johannesburg gereist. Daneben werden knapp 100 Staats- und Regierungschefs erwartet. Doch die meisten von ihnen werden wie Bundeskanzler Gerhard Schröder erst gegen Ende der Tagung anreisen. US-Präsident Bush lässt sich durch seinen Außenminister Colin Powell vertreten. Bushs Absage war auf Kritik gestoßen, da die USA der weltweit größte Energiekonsument sind und die Erde stärker als jede andere Nation verschmutzen. Auch Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul kritisierte, dass sich die USA ihrer Verantwortung entzögen.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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