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Eindrucksvolle Tell-Premiere am Schweizer Originalschauplatz

Rütli (dpa) - Mit einer eindrucksvollen Inszenierung am Originalschauplatz haben Weimar und die Schweiz gemeinsam das 200-jährige Jubiläum der Uraufführung von Friedrich Schillers Freiheitsdrama «Wilhelm Tell» gefeiert.

Rütli (dpa) - Mit einer eindrucksvollen Inszenierung am Originalschauplatz haben Weimar und die Schweiz gemeinsam das 200-jährige Jubiläum der Uraufführung von Friedrich Schillers Freiheitsdrama «Wilhelm Tell» gefeiert.

Auf der Sagen umwobenen Rütli-Wiese, dem Ort des Gründungsmythos der Eidgenossenschaft, ging am Freitagabend (23. Juli) zum ersten Mal die Geschichte des legendären Armbrustschützen über die Naturbühne. Die rund 2500 Premierengäste bedankten sich für den einzigartigen Brückenschlag zwischen Deutschland und der Schweiz mit anhaltendem Applaus.

Die Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur beider Länder zeigte sich überwiegend angetan von der modernen Interpretation. Unter anderem waren der Schweizer Bundespräsident Joseph Deiss und Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus gekommen. In seiner Begrüßungsansprache verwies Deiss auf die weiter geltenden Werte Tells wie Freiheit, Solidarität und Mut zur Erneuerung, die er sich auch heute von Politikern und Bürgern wünsche.

Die Zuschauer erlebten ein doppeltes Schauspiel. Die grandiose Naturkulisse mit dem See, den Berggipfeln, den schroffen Felswänden und dem Wolkenspiel am Himmel ist schon für sich allein großes Theater. Daher standen der Generalintendant der Weimarer Bühne, der Schweizer Stephan Märki, und sein Dramaturg Felix Ensslin vor einer enormen Herausforderung. Sie zeigen in einer zweistündigen Version einen Tell im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. In bunte Fantasie-Kostüme mit historischen Anklängen gewandet wird dem mit Gastdarstellern verstärkten Ensemble sehr viel abverlangt.

Sie liegen nicht nur im Wettstreit mit der besonderen Atmosphäre des Ortes, an dem der Legende nach 1291 die Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden ein «ewiges Bündnis» geschlossen haben sollen. Sie müssen auf dem grünen Rasen von der Größe eines Fußballfeldes auch ihr Können als Tänzer und Akrobaten zeigen. Denn aufgelockert wird das Stück durch Ballett, Pantomime und Musik, die von sphärischen Klängen bis zum harten Beat reicht (Musik: Christian Brandauer). Auch Mut wird ihnen abverlangt, wenn sie auf den wuchtigen 26 Skulpturen herumklettern, die Bühnenbildner Günther Uecker aus angespitzten, mit Felsbrocken behängten Baumstämmen auf der Wiese ausgebreitet hat.

Märki berücksichtigt trotz Textstreichungen alle Handlungsstränge, auch wenn ironische wie hochdramatische Momente manchmal in der Eile untergehen zu drohen. Nicht einmal die berühmte Szene des Rütli- Schwurs («Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr«) scheint die Zuschauer sonderlich zu packen. Trotz großer Spielfreude agieren selbst die Stars leicht gedämpft.

In den Titelrolle des Tell ist der Burgschauspieler Roland Koch zu sehen. Unbefangen spielt der achtjährige Johannes Martin dessen Sohn Walter, der keine Furcht vorm Apfelschuss zeigt. Den verhassten Reichsvogt Geßler gibt der aus Weimar stammende Schauspieler Thomas Thieme. Attinghausen, der auf einer der Baumskulpturen thront, wird vom Schweizer Schauspieler Walo Lüönd dargestellt.

Möglich gemacht hat das einmalige Kulturereignis die Schweizer Gemeinnützige Gesellschaft (SGG), seit 1859 Eigentümerin der Waldlichtung. Sie erteilte dem Projekt des rührigen Initiators und Produzenten Lukas Leuenberger eine Ausnahmegenehmigung. Denn der geschichtsträchtige Ort soll auch künftig vor Kommerzialisierung bewahrt werden. Noch aber kann die Freiluft- Aufführung bis zum 29. August weitere 32 Mal auf dem Rütli zu sehen sein.

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