Eine 115-jährige Ära geht zu Ende
Mannesmann AG wird aus der Öffentlichkeit verschwinden

Nach der schrittweisen Zerlegung des deutschen Traditionskonzerns Mannesmann AG durch den Mehrheitsaktionär Vodafone wird am Mittwoch auch der Name des Düsseldorfer Unternehmens nach rund 115 Jahren voraussichtlich von der öffentlichen Bildfläche verschwinden. Mit den Stimmen des Mehrheitsaktionärs wird die Hauptversammlung auf Antrag des Vorstandes beschließen, den Namen des Unternehmens in Vodafone AG zu ändern.

rtr DüSSELDORF. Rund eineinhalb Jahre nach der spektakulären Übernahme Mannesmanns durch Vodafone wird die Ära von Mannesmann mit dem zu erwartenden positiven Votum endgültig zu Ende gehen, nachdem bis auf die jüngste Konzernsparte Telekommunikation bereits alle anderen traditionellen Arbeitsgebiete wie Röhren, Maschinenbau, Fahrzeugtechnik und Luxusuhren veräußert wurden.

Die Abstimmung über die Tilgung des Namens Mannesmann AG ist reine Formsache. Die rund 300 auf der Hauptversammlung anwesenden Aktionäre werden lediglich Augenzeugen der Namenstilgung sein und den Untergang des Traditionskonzerns nicht verhindern können. Denn Vodafone hält mehr als 99,5 % des Kapitals und dominiert daher die Hauptversammlung.

"Die Gesellschaft führt die Firma Vodafone AG", lautet lapidar die vom Vorstand gewollte Neufassung der Mannesmann-Satzung. Die Rechtsfolge ist jedoch schwerwiegend, da anschließend eine Namensänderung im Handelsregister erfolgen wird. Nach der in rund vier Wochen zu erwartenden Eintragung in das Register wird die Mannesmann AG dann nicht mehr existent sein, wie ein Firmensprecher sagte.

Das Sterben des Mannesmann-Konzern vollzog sich in Raten. Vodafone hatte Mannesmann im Frühjahr 2000 nach einem bis dahin in Deutschland beispielosen Übernahmekampf erworben, nachdem das Mannesmann-Management seinen anfänglichen Widerstand gegen die Übernahme am 3. Februar aufgegeben hatte. Damit ging Mannesmann in britische Hände über. Seit der Genehmigung der Übernahme durch die Europäische Kommission am 12. April 2000 gehört Mannesmann damit zum weltgrößten Mobilfunk-Konzern Vodafone. Bereits fünf Tage später begann die Zerlegung des Mischkonzerns Mannesmann, da Vodafone lediglich an den Telekommunikationsaktivitäten von Mannesmann und darunter hauptsächlich an dem internationalen Mobilfunkbesitz interessiert war. Die Industriesparte Atecs wurde am 17. April 2000 an Siemens und Bosch veräußert.

Die vom Maschinen- und Fahrzeugbau dominierte Industriesparte war eines der Herzstücke des Mannesmann-Konzerns. Die Ursprünge des Düsseldorfer Konzerns liegen jedoch im Röhrengeschäft. Im Jahr 1886 hatten die Brüder Reinhard und Max Mannesmann ein Verfahren entdeckt und weiterentwickelt, wie nahtlose Stahlrohre hergestellt werden konnten. Um dieses inzwischen von Vodafone an die Salzgitter AG veräußerte Kerngeschäft wuchs Mannesmann zu dem weltweit als Markenprodukt deutscher Industrieproduktion bekannt gewordenen Unternehmen. Als letzte traditionelle Konzernsparte wurde dann am 21. Juli 2000 der Luxusuhrenhersteller LMH an den Wettbewerber Richemont veräußert.

Übrig blieb der in der Sparte Telekommunikation verbliebene Mannesmann-Besitz, zusammengefasst in der Mannesmann Mobilfunk GmbH und der Mannesmann Beteiligungsholding GmbH. Diese Gesellschaften werden künftig Vodafone direkt unterstellt sein. Denn die Hauptversammlung wird mit den Stimmen von Vodafone Gewinnabführungsverträge in mittelbarer Linie an die Vodafone Deutschland GmbH beschließen. In diese GmbH wird die jetzige Mannesmann AG und die künftige Vodafone AG "finanziell, wirtschaftlich und organisatorisch eingegliedert" wird. Damit wird Vodafone faktisch alle Geschäfte künftig führen.

Das letzte Überbleibsel des Traditionskonzerns Mannesmann wird sich künftig eventuell an der Börse finden lassen. Dort werden die Mannesmann-Aktien noch gehandelt, ohne dass bisher eine Streichung vom Kurszettel absehbar ist. "Ob auch bei den Aktien, von denen keine effektiven Stücke mehr ausgegeben werden, die Namensänderung von Mannesmann AG in Vodafone AG vollzogen wird, ist bislang nicht klar", sagte ein Sprecher.

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