Eine Absicherung kostet die Anleger Renditeabschläge
Nicht alle Garantiefonds schützen vor Verlusten

Die Anleger reißen den Fondshäusern Produkte aus der Hand, die mehr Sicherheit in Form von Kapitalgarantie bieten. Dabei sind viele Fonds teuer; und nicht alle bieten 100 Prozent Garantie.

Die Baisse hat lange an den Nerven der Anleger gezerrt. Kein Wunder, dass sie da nach allem greifen, was ihnen Gewähr - oder zumindest einen Puffer - gegen Kursverluste zu bieten scheint.

Und in der Tat haben einige Garantiefonds in schlechten Börsenzeiten gut abgeschnitten: So berichtet Monya Janssen, Produktmanagerin bei der SEB Invest, der am 9. August fällig gewordene Eurotop 100, der bis vor kurzem noch den dritten Rang unter den Garantiefonds im Einjahresvergleich belegte, habe seit Auflegung am 9. Februar 1998 einen Gewinn von 22,7 Prozent erzielt; währenddessen sei der Vergleichsindex - der FTSE Eurotop 100 - auf Eurobasis um 13,28 Prozent gefallen ist. Solche Nachrichten kommen bei Anlegern, die hohe Verluste erlitten haben und nun vorsichtig geworden sind, gut an. So haben denn die Fondsgesellschaften beim Vertrieb ihrer Produkte auch "risikobewusste Anleger" im Auge, wie Janssen sagt.

Doch Experten warnen Anleger davor, blind nach Garantiefonds zu greifen - zumal viele gar nicht wissen, um welche Produkte es sich hierbei handelt beziehungsweise welche Nachteile die Fonds haben. Für Anleger ist es schwierig, Preise und Garantiefonds zu vergleichen. Jeder ist anders gestrickt. Zwar handelt es sich häufig um Fonds mit einem großen Anleihenanteil - der übrigens die versprochene Kapitalgarantie sicherstellt - und mit einem Anteil an Kaufoptionen. Doch diese Optionen beziehen sich auf die unterschiedlichsten Basiswerte, etwa Aktien- oder Indexkörbe. Auch garantierten manche Fonds nur eine Rückzahlung von 90 Prozent des Kapitals, andere dagegen 100 Prozent, sagt Janssen. Zudem erschwerten unterschiedliche Laufzeiten die Vergleichbarkeit.

Und Oliver Fischer, Analyst bei Fonds-Consult Research in München, ergänzt: Wichtig zu wissen sei auch, dass es sich meist um geschlossene Fonds handele. Anteile daran könnten also meist nur während der Zeichnungsfrist erworben werden. Außerdem profitiere der Anleger nur von der Garantie, wenn er die Papiere bis zum Ende der Laufzeit halte. Allerdings können Anleger auch bei geschlossenen Fonds ihre Anteile vorzeitig an den Emittenten zurückgeben.

Partizipationsrate begrenzt den Zuwachs

Der Hauptclou - und ein weiterer Kritikpunkt Fischers - ist aber: Der Anleger profitiert nicht in vollem Umfang an Kurssteigerungen, sondern in der Regel nur zwischen 50 und 70 Prozent, je nachdem, wie hoch die so genannte Partizipationsrate ist. Hierfür liefert Michael Hölscher, Fondsmanager des Activest Lux-Top-Welt-Garantiefonds, ein Beispiel: Bei seinem Fonds liegt die Partizipationsrate bei rund 68 Prozent. Das heißt: Zieht der Basiswert - hier geht es um einen Aktienkorb aus Titeln des MSCI World - bis zum Laufzeitende um zehn Prozent an, steigt der Fondswert um rund 6,8 Prozent.

Zu der Begrenzung des Gewinns kommt oft noch ein Problem dazu, weiß Fischer: "Die Formulierungen, mit denen die Partizipationsquote in den Prospekten beschrieben wird, sind oft schwer verständlich." Daneben betont der Münchener Fondsexperte, die Gebühren der Garantiefonds seien hoch. Aufgrund der kurzen Laufzeit fielen die Ausgabeaufschläge stark ins Gewicht.

So kommt die Absicherung den Anleger oft teuer zu stehen, kostet sie ihn doch Renditepunkte. Carsten Heise von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf zieht daher die Bilanz: "In einer Seitwärtsbewegung oder bei steigenden Kursen schlagen die Absicherungskosten stark zu Buche und schmälern die Gewinne deutlich." Allerdings betonen sowohl Fischer als auch Heise, bei stark sinkenden Kursen könnte sich so ein Garantiefonds besser halten als ein nicht gesichertes Produkt.

Auf jeden Fall sollten sich Anleger genau informieren, was sie kaufen - und nicht blind zugreifen. Dann müssen sie sich auch nicht mehr wundern, dass manch ein Garantiefonds nicht vor Verlusten schützt; wenn zum Beispiel im Verkaufsprospekt zu lesen ist, die Garantie gelte nur für 90 Prozent des eingesetzten Kapitals.

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