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Eine Abstimmung über die Auflösung von Mediantis wird es offenbar nicht geben

Auf der Hauptversammlung des angeschlagenen Online Mediantis AG, -Buchhändlers München, wird nach den Worten von Vorstandssprecher Georg Heusgen nicht, wie von Aktionärsvertretern gefordert, über die Auflösung des Unternehmens abgestimmt. Diese verfügten nicht über die erforderlichen fünf Prozent der Aktionärstimmen, um den Punkt auf die Tagesordnung der Hauptversammlung am 24. Juli zu setzen, sagte Vorstandssprecher Georg Heusgen am Dienstag.

vwd MÜNCHEN. Mit der Ertragsentwicklung in den ersten fünf Monaten zeigte sich der Vorstandssprecher zufrieden. Der Umsatz könnte nach seinen Worten "aber besser sein". Es habe interne Überlegungen des Vorstandes gegeben, den Punkt selbst auf die Tagesordnung zu setzen. Davon habe er aber abgesehen, denn sonst wäre dem Thema wieder "Popularität und Öffentlichkeit" zugekommen. Man wolle diesem "geschäftsschädigenden und unsinnigen Ansinnen" keine weitere Plattform geben. Von den Mehrheitsverhältnissen her hätte der Antrag nach Einschätzung Heusgens "in keinem Fall" eine Chance, angenommen zu werden. Der Unternehmensvorstand hatte sich in der Vergangenheit bereits vehement gegen die Auflösung des Unternehmens ausgesprochen und diese Forderung der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) als "ungerechtfertigt" und "unausgereift" sowie als schädlich für die Aktionäre bezeichnet.

Außerdem stimme es nicht, dass er Aktien veräußert habe, um "eigene Kasse" zu machen oder weil man nicht mehr an den Erfolg des Unternehmens glaube, erklärte Heusgen. Die SdK hatte mediantis vorgeworfen, ihr Geschäftsmodell gehe nicht auf und das Unternehmen könne auch in Zukunft nicht profitabel arbeiten. Vorstand und Aufsichtsrat besitzen nach Angaben von Heusgen noch mehr als 70 % des von ihnen vor dem Börsengang gehaltenen Aktienkapitals. Weder Heusgen noch seine Frau hätten mit Ausnahme von 10 000 Aktien außerhalb des Kreises von Vorstand und Aufsichtsrat Aktien übertragen.

Von "mangelndem Vertrauen" - wie es Aktionärsvertreter vorgeworfen hatten - könne daher wohl nicht die Rede sein. Er selbst halte derzeit 675 252 Aktien. Zum Börsengang am 5. August 1999 seien es 848 859 gewesen. Vorstand Rolf Freiherr von Rheinbaben besitze 584 445 Aktien (Börsengang: 744 445). Die Aufsichtsräte Richard Freiher von Rheinbaben 500 763 (518 083), Oliver Bücken 458 379 (479 028), Michael Urban 233 072 (413 072) und Florian Langenscheidt 79 147 (447 146) Aktien. Heusgen äußerte Verständnis für die Kritik der Aktionäre am Aktienkurs des am Neuen Markt notierten Unternehmens.

Seit dem Höchststand von 55 EUR hat das Papier dramatisch an Wert verloren und notierte am Dienstag bei einem EUR. Um das Vertrauen in die Aktie zurückzugewinnen, die beim Börsengang zu 19 EUR notierte, müsse ein "profitables" Geschäftsmodell nachgewiesen werden. Deshalb sollen die Margen gegenüber dem Vorjahr und die Markting- und Personaleffizienz verbessert werden. Zudem soll das Bestellvolumen und die-frequenz der bereits vorhanden Kunden erhöht werden. Heusgen bekräftigte zudem seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr. Demnach soll der Verlust auf unter 15 (Vorjahr: 25,1) Mio DEM zurückgeführt und der Umsatz auf 57 (37,9) Mio DEM gesteigert werden.

Daneben wird angestrebt, die Marketingkosten auf zehn (19) Mio DEM zu senken. Die Mitarbeiterzahl werde bis Ende des Jahres von derzeit 100 auf 110 erhöht. Die Liquidität betrage derzeit 30 Mio DEM. Der Vorstandssprecher erklärte erneut, die Gewinnzone werde ohne eine Einführung von Versandkosten im Jahre 2003 und bei einem Umsatz von 100 Mio DEM erreicht. Bei Einführung von Versandkosten bereits 2002. Zum Börsengang war nach Unternehmensangaben bereits mit dem Break-even im Gesamtjahr 2002 gerechnet worden. Wann die Versandkosten eingeführt werden, darüber wollte Heusgen keine Angaben machen.

"Alle in der Branche sind sich aber darüber einig, dass Versandkosten aus betriebswirtschaftlichen Gründen notwendig sind. Aber wir sind hier vom "Marktumfeld und unseren Wettbewerbern abhängig", sagte Heusgen. Die Zahlen für das zweite Quartal möchte das Unternehmen teilweise bereits zur Hauptversammlung präsentieren. Dies sei jedoch davon abhängig, inwieweit das zum 1. Mai eingeführte SAP-System greife, sagte Heusgen. Am 28. August sollen die endgültigen Quartalszahlen vorliegen.

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