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Eine Aktie für die Zeit nach der Krise

Der Online-Datenanbieter Onvista hat vieles richtig gemacht.

DÜSSELDORF. Ein Unternehmen, das auf die Themen "Börse" und "Internet" setzt, ist zurzeit kein Anlegerfavorit. Und der Datenanbieter Onvista ist mit einer Marktkapitalisierung von 25 Mill. Euro und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut 120 auf Basis des Jahres 2002 weder ein Blue Chip noch ein Schnäppchen. Aber er ist vielleicht doch wieder einen genaueren Blick wert.

Die Börse hat ihre Tiefstände hinter sich, die Gefahr, dass sie in einen mehr oder minder leblosen Bärenmarkt abrutscht, scheint vorüber zu sein. Selbst wenn es zwischenzeitlich wieder zu einer deutliche Korrektur kommen sollte: Die Chance, dass der Aktienmarkt einigermaßen lebendig bleibt, bis die Gewinne der Unternehmen wieder üppiger fließen, ist entschieden größer geworden. Die Konjunktur selbst gibt zurzeit noch ein trübes Bild ab. Aber auch das wird sich ändern.

Onvista ist möglicherweise eine gute Aktie, um auf die Zeit nach der Krise zu setzen. Der nächste Aufschwung dürfte anders aussehen als die Boomjahre der Vergangenheit. Beispiel Werbung: In der Krise lernen die Unternehmen - etwa Banken und Fondsgesellschaften, zielgenauer Anzeigen zu schalten. Messbarer Erfolg ist gefragt. Beispiel Technik: Das Internet ist keine Modeerscheinung mehr, sondern für immer mehr Menschen so alltäglich wie das Telefon. Aus diesen beiden Trends ergibt sich eine gute Prognose für die Internet-Werbung. Denn wo sonst lassen sich zielgenauer Kunden ansprechen und direkt zu den eigenen Angebote locken? Und die Produkte der Finanzdienstleister, die man ohnehin nicht "anfassen" kann, eignen sich dafür besonders gut.

Diese Argumente sind nicht neu, werden die Skeptiker sagen - im Internet- und Börsenboom haben wir dasselbe auch schon gehört. Aber damals war die Situation noch anders: Das Internet war noch weniger verbreitet und die Erwartungen daran waren völlig überzogen. Als die Krise begann, zogen sich die Werbekunden, sofern sie nicht ganz absprangen, erst einmal in die traditionellen Bereiche zurück. Doch die Situation hat sich verändert. Bei den Internet-Firmen hat eine heftige Marktbereinigung stattgefunden und die Kunden sind besser erreichbar geworden. Das wird manches Unternehmen dazu verlocken, die Vorteile, die das Internet zweifellos bietet, doch wieder zu nutzen.

Falls dieses Geschäft wieder anspringt, ist Onvista dafür gut gerüstet. Denn die Kölner haben von Anfang eine Menge richtig gemacht, was andere - zum Teil nach ihnen - gründlich falsch gemacht haben: Sie haben eine eingängige Marke, die sogar für mehrere Sprachen tauglich ist. Sie haben sich auf eine Kernkompetenz konzentriert, nämlich benutzerfreundliche Technik zu entwickeln. Sie bieten das an, was man braucht, und verzichten auf vieles, was kaum jemanden interessiert. Sie haben weitgehend ihre Unabhängigkeit gewahrt.

Der Erfolg ist eine sehr gute Position bei den Internet-Nutzern, außerdem konnte Onvista die flaue Werbekonjunktur mit der Lizenzvergabe für seine Technik überbrücken. Wenn die Werbemillionen dann doch wieder fließen, steht das Unternehmen bereit - während viele Konkurrenten sich zurückgezogen haben.

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