Eine alte Weisheit für das 21. Jahrhundert
Stichwort: Nachhaltigkeit

Der Duden führt zur Erklärung des sperrigen Begriffs "Nachhaltigkeit" die Holzwirtschaft an. Danach sei jenes Baumfällen nachhaltig, bei dem höchstens so viel Holz geschlagen werde, wie in der selben Zeit nachwachsen könne.

ddp BERLIN. Tatsache ist, die Wurzeln der heute viel diskutierten Nachhaltigkeit liegen im Jagd- und Forstwesen. Jäger und Sammler waren stets bemüht, ihre Lebensgrundlagen aufrecht zu erhalten und nicht auszurotten. Bereits im 16. Jahrhundert ergingen mehrere Verordnungen, die in Folge eines Holznotstands bei Rodung Neubepflanzung vorschrieben. Die im Duden formulierte Maxime zur Forstwirtschaft geht auf eine Abhandlung zur Waldbewirtschaftung im 18. Jahrhundert zurück.

Berühmt machte den englischen Begriff "sustainabel development" schließlich die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung unter dem Vorsitz der früheren norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland. Die nach ihr benannte Kommission formulierte 1987: "Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen."

Der Weltgipfel in Rio 1992 bekannte sich zu diesem Leitbild. Zugleich verpflichtete er die teilnehmenden Regierungen, bis zur jetzt anstehenden Konferenz in Johannesburg nationale Strategien vorzulegen. Die "Agenda 21" steht unter dem Motto "global denken - lokal handeln" und gilt als "Aktionsprogramm" für eine bessere und zukunftsfähigere Welt im 21. Jahrhundert. In vielen Regionen der Welt entstanden insgesamt über 6000 Projekte, die zum Schutz der Umwelt, des Klimas und der sozialen Gerechtigkeit beitragen.

Die Bundesregierung legte ihre Leitlinie unter dem Titel "Perspektiven für Deutschland" im April dieses Jahres vor. Darin heißt es, nachhaltige Entwicklung bedeute, "mit Visionen, Fantasie und Kreativität die Zukunft zu gestalten und dabei auch Neues zu wagen und unbekannte Wege zu erkunden." In ganz Deutschland laufen Projekte etwa zur Integration Behinderter, zum Bau energiesparender Reihenhäuser oder zur Produktion gesunder Lebensmittel.

Nachhaltige Politik berührt nicht nur den Umwelt-, Arten- und Klimaschutz, sondern das gesamte Lebens-, Produktions- und Konsumverhalten des Menschen. Banken sollen sich ebenso wie Politiker, Ölproduzenten wie Autofahrer, Lehrer wie Schüler um nachhaltiges Handeln bemühen. Zentrales Anliegen ist, die Ressourcen der Erde zu erhalten und die Güter der Welt gerecht zu verteilen. Denn insbesondere die Kluft zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern gilt als Motor für die Ausbeutung natürlicher Ressourcen.

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