Eine Chronologie
Drei Monate Haft in der Rückschau

Nach mehr als drei Monaten Haft in Afghanistan sind die acht westlichen Mitarbeiter der christlichen Hilfsorganisation "Shelter Now" wieder frei. Nach Angaben eines US-Regierungsvertreters ließen die Taliban die Gefangenen laufen.

afp BERLIN. AFP hat den Ablauf der Ereignisse von der Festnahme bis zur Freilassung zusammengestellt:

3. bzw. 5. August: Die in Afghanistan regierende Taliban-Miliz nimmt insgesamt 24 Mitarbeiter der christlichen Hilfsorganisation "Shelter Now International" (SNI) fest. Den acht ausländischen Mitarbeitern, vier Deutschen, zwei US-Bürgerinnen und zwei Australiern, wird unerlaubte Missionierung vorgeworfen.

2. September: Die Taliban kündigen an, dass die acht Ausländer in einem öffentlichen Prozess abgeurteilt werden sollen. Die Festgenommenen werden aus dem Kabuler Jugendgefängnis an einen unbekannten Ort gebracht.

4. September: Der Prozess gegen die acht Angeklagten wegen des Vorwurfs der christlichen Missionierung wird vor dem Obersten Gericht der Taliban eröffnet. Richter Mawlawi Nur Mohammed Sakib verspricht ein "gerechtes Verfahren".

5. September: Den Angeklagten droht offiziell die Todesstrafe. Im Fall ihrer Verurteilung könnten die acht gehenkt werden, sagt Richter Sakib.

8. September: Die Angeklagten erscheinen erstmals seit ihrer Festnahme öffentlich vor Gericht. Ein Deutscher unter ihnen kritisiert scharf das Vorgehen der afghanischen Justiz und die Haftbedingungen. Die Inhaftierten wüssten noch immer nicht, was ihnen vorgeworfen werde. Nach viertägigen Verhandlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit werden erstmals Diplomaten, Journalisten und Angehörige zum Prozess zugelassen.

6. Oktober: Die Taliban bieten die Freilassung der acht Ausländer an, wenn die USA ihre Drohung eines Militärschlages gegen Afghanistan zurückziehen.

7. Oktober: US-Präsident George W. Bush lehnt das Angebot der Taliban ab. Auch die Regierungen Deutschlands und Australiens verlangen die bedingungslose Freilassung der Gefangenen.

13. Oktober: Der Prozess wird trotz der US-Angriffe auf Afghanistan fortgesetzt und kommt mit dem Plädoyer des pakistanischen Anwalts Atis Ali Khan in die entscheidende Phase.

1. November: Wegen der Militärschläge der USA sind alle Telefonleitungen in Afghanistan unterbrochen. Die Hilfsorganisation "Shelter Now" hat seit einer Woche keinen Kontakt mehr zu den Häftlingen. Zuvor ist das Verfahren vom Gericht auf unbestimmte Zeit ausgesetzt worden.

7. November: Libyen verhandelt nach den Worten eines Sohnes von Revolutionsführer Muammar el Gaddafi mit den Taliban über die Freilassung der acht. Die Taliban hätten Libyen bereits vor den Terroranschlägen vom 11. September um Vermittlung gebeten und erwarteten "bestimmte politische Zugeständnisse", sagt Saif Gaddafi.

13. November: Die Gefangenen werden von den Taliban während der Einnahme von Kabul durch die Nordallianz in die Taliban-Hochburg Kandahar im Süden des Landes gebracht.

14. November: Die Zeitung "Frankfurter Rundschau" berichtet vorab, die acht seien auf dem Rückweg nach Kabul. Entsprechende Berichte ausländischer Geheimdienste lägen der Bundesregierung vor. Die Bundesregierung bestätigt die Meldungen nicht.

15. November: Ein Vertreter der US-Regierung bestätigt die Freilassung der acht Gefangenen durch die Taliban. Demnach sind die westlichen "Shelter Now"-Mitglieder in Sicherheit und auf dem Weg nach Pakistan.

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