Eine Deutsche unter den Todesopfern
Über 180 Tote bei Bombenanschlägen auf Bali

Bei den schlimmsten Terrorakten seit den Anschlägen in den USA am 11. September 2001 sind in der Nacht zum Sonntag auf der indonesischen Ferieninsel Bali über 180 Menschen getötet worden. Unter den Opfern war mindestens eine deutsche Frau.

HB/dpa KUTA/BERLIN. Die indonesische Präsidentin Megawati Sukarnoputri sagte, bei dem "schändlichen Anschlag" seien mindestens 182 Menschen ums Leben gekommen und 332 verletzt worden. Bei den meisten Toten handelt es sich um junge Australier und andere westliche Touristen.

Die deutsche Frau, die bei den Anschlägen starb, habe auf Bali gelebt, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Sonntagabend in Berlin. Zudem würden 10 weitere Deutsche vermisst. Es müsse davon ausgegangen werden, dass noch mehr Deutsche unter den Todesopfern sind. Bundesaußenminister Fischer sprach den Opfern und ihren Familien sein Mitgefühl aus. "Ich bin erschüttert und schockiert über die schrecklichen Terroranschläge."

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind mindestens 8 Deutsche in Krankenhäuser gebracht worden. Darunter waren 6 Schwerverletzte, von denen 3 schon nach Australien ausgeflogen worden seien. Zwei Verletzte aus Deutschland seien schon aus den Kliniken entlassen worden. Kurz nach 23 Uhr Ortszeit waren am Samstag in dem beliebten Urlaubsort Kuta Sprengsätze vor zwei gut besuchten Discotheken explodiert. Zumindest eine der Bomben war in einem Auto versteckt, das vor einem der Clubs geparkt war. Bundesaußenminister Joschka Fischer und Vertreter anderer westlicher Regierungen zeigten sich bestürzt über die Attentate.

Die australische Regierung sprach von einem gezielten Terroranschlag gegen westliche Urlauber. Die Drahtzieher hätten möglicherweise Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida, sagte Außenminister Alexander Downer. Hinter den Anschlägen könnte die militante indonesische Moslemorganisation Jemaah Islamiah stecken. Fischer bezeichnete die Vermutung, dass das El-Kaida-Netzwerk dafür verantwortlich sei als Spekulation, "die ich nicht bestätigen kann".

Augenzeugen berichteten von völligem Chaos nach den Anschlägen in Kuta, einem Stadtteil von Balis Hauptstadt Denpasar. Die Detonation habe ein mehr als fünf Meter großes Loch in die Straße gerissen, rundherum hätten Leichen und Körperteile gelegen. An vielen Gebäuden entstand erheblicher Schaden. Rund 20 Autos gingen in Flammen auf. In einem benachbarten Geschäftshaus brach Feuer aus, das auf einen ganzen Straßenzug übergriff. Eine weitere Explosion ereignete sich vor dem US-Konsulat in der Stadt.

Nach offiziellen Angaben aus London und Stockholm sind unter den Toten mindestens 2 Briten und 2 bis 4 Schweden. Mindestens 15 Briten, 3 Schweden, 7 bis 8 Dänen, vier Norweger, 1 Grieche und möglicherweise 5 Franzosen wurden nach Informationen der jeweiligen Regierungen verletzt. Australien schickte Militärflugzeuge mit medizinischer Ausrüstung, um die Verletzten in australische Krankenhäuser zu bringen. Vermisst wurden 15 Briten, 1 Grieche und 11 Mitglieder eines Rugby-Teams aus Hongkong. Nach den Anschlägen versuchten zahlreiche Urlauber, die Insel mit dem nächsten Flug zu verlassen.

Die indonesische Präsidentin Megawati versprach, dass die Behörden des südostasiatischen Inselstaats hart daran arbeiten würden, die Täter zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen. Der indonesische Sicherheitsminister Bambang Susilo Yudhoyono sagte: "Terroristen sind unter uns, und jetzt direkt vor unseren Augen." US-Präsident George W. Bush verurteilte den Terroranschlag scharf. "Die Welt muss die globale Terror-Bedrohung konfrontieren", hieß es in einer vom Weißen Haus veröffentlichten Stellungnahme. Die US- Regierung sprach von einem "verabscheuungswürdigen Terrorakt". Washington habe Indonesien jede erforderliche Hilfe angeboten, um die Hintermänner des Anschlags zur Rechenschaft zu ziehen.

Der britische Premierminister Tony Blair zeigte sich "entsetzt". Ein Sprecher Blairs sagte: "Er verurteilt diesen schändlichen terroristischen Akt zutiefst." Auch das französische Außenministerium verurteilte die "abscheuliche" Anschläge.

Die britische Regierung warnte ihre Bürger vor Reisen nach Indonesien. Die US-Botschaft in Jakarta legte Amerikanern nahe, das Land entweder zu verlassen oder sich nur unauffällig zu bewegen. Das Auswärtige Amt riet in Absprache mit den EU-Partnerländern von Aufenthalten auf der indonesischen Ferieninsel ab. Folgeanschläge seien nicht auszuschließen, sagte ein Sprecher in Berlin. Das Ministerium richtete einen Krisenstab und ein Info-Telefon (01888- 171000) ein. Informationen über die Opfer sind auch über die private Suchhotline (01805-684375112/ www.suchhotline.de) zu erhalten.

Vor den Explosionen auf Bali war am Samstagabend bereits eine Bombe vor dem philippinischen Konsulat in Manado, der Hauptstadt der Provinz Nord-Sulawesi, detoniert. Erst im September war die US- Botschaft in der indonesischen Hauptstadt Jakarta nach Hinweisen auf mögliche geplante Terroranschläge geschlossen worden. Die Regierung in Jakarta war in den vergangenen Monaten wiederholt kritisiert worden, sie unternehme zu wenig gegen den Terrorismus. Indonesien ist nach der Bevölkerungszahl das größte moslemische Land der Erde.

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