Eine Durchsuchung beweist noch keinen Vorwurf
Mutige wetten auf MLP

Eine Durchsuchung der Staatsanwaltschaft ist das Letzte, was ein Finanzunternehmen, dessen Kurs eingebrochen ist, zurzeit gebrauchen kann. Der Finanzdienstleister MLP könnte für Risikofreudige dennoch ein Investment wert sein.

Bei MLP waren die Behördenvertreter am Dienstag zu Besuch und haben Akten beschlagnahmt. Sie wollen Vorwürfe untersuchen, das Unternehmen habe Rückversicherungsgeschäfte nicht korrekt verbucht und damit seine Gewinne künstlich aufgebläht.

Der Finanzdienstleister selbst streitet alle Vorwürfe ab, rechnet aber mit einer längeren Untersuchung und bedauert, dass ein neues Wirtschaftsprüfergutachten, das zu seinen Gunsten spricht, kaum zur Kenntnis genommen wird.

MLP, der einstige Star, wird seit Monaten geprügelt. Mit dem allgemeinen Desaster der Finanzwerte hat das nichts zu tun, sondern mit Vorwürfen eines Anlegermagazins, die sich auf Bilanzierung des Unternehmens beziehen. Diese Vorwürfe waren zum größten Teil offensichtlicher Unsinn, haben aber dennoch ihre Wirkung nicht verfehlt. Auf diese Angriffe und eine anonyme Anzeige beziehen sich jetzt auch die Behörden.

Anleger können nun von zwei Thesen ausgehen.

These eins: Die Vorwürfe sind letztlich doch berechtigt, wenn auch bisher nicht bewiesen und nicht allzu plausibel vorgetragen. Für diese These spricht die Hartnäckigkeit, mit der immer wieder Angriffe auf MLP gestartet werden. Dafür spricht auch, dass das Heidelberger Unternehmen Geschäftsberichte veröffentlich hat, die kaum zu verstehen sind. Das Geschäftsmodell der Heidelberger ist auch kaum durchschaubar. Und es besteht kaum ein Zweifel, dass die umstrittenen Rückversicherungsgeschäfte gewisse - sagen wir "Gestaltungsmöglichkeiten" eröffnen; wie weit sie genutzt wurden, ist eine andere Frage.

Alternativ die These zwei: Die Vorwürfe sind letztlich haltlos. Dafür spricht, dass sie in sich sehr ungereimt sind und die Art, wie sie vorgebracht wurden, von keinerlei Fachkenntnis getrübt war. Dafür spricht auch, dass es bisher keine handfesten Beweise gibt, obwohl die Vorwürfe schon lange bekannt sind. Nebenbei ist auch das neue Gutachten zu erwähnen - obwohl Gutachter heute nicht mehr viel Glaubwürdigkeit genießen.

Sollte These eins zutreffen, dann sollte man die Finger von der Aktie lassen. Sollte dagegen These zwei zutreffen, dann wäre das Papier heute ein Schnäppchen. Denn dass MLP eine sehr gut funktionierende Vertriebsgesellschaft ist, bestreitet in der Finanzbranche kaum jemand. Beklagt werden höchstens die hohen Provisionen, die die Heidelberger einstreichen - aber das ist ja aus Anlegersicht eher positiv zu sehen.

Weil zurzeit niemand genau weiß, ob These eins oder These zwei stimmt, bietet die Aktie eine Art Wette - nur für spekulative Anleger geeignet. Aber welche Aktie ist zurzeit nicht spekulativ?

Wenn man die beiden Thesen vergleicht, scheint zurzeit mehr für die zweite zu sprechen. Sicher ist es spektakulär, wenn irgendwo Akten beschlagnahmt werden. Aber die Tatsache allein sagt noch nichts aus. Und die bisher vorgebrachten Vorwürfe sind zu verquer, um wirklich Ernst genommen zu werden.

Das größte Risiko für MLP besteht wahrscheinlich darin, dass die Staatsanwälte große Mühe haben werden, die umstrittenen Geschäfte überhaupt zu verstehen.

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