Eine erneute Rezession würde besonders die kleinen Unternehmen treffen
US-Nebenwerten geht die Puste aus

Amerikanische Aktienstrategen kehren den Nebenwerten den Rücken. Nachdem die Titel der Technologiefirmen abstürzten, gehörten die so genannten "Small Caps" über zwei Jahre lang zu den Börsenlieblingen. Doch die Gefahr eines "Double Dips" - des erneuten Abtauchens in eine Rezession - lässt die großen Werte wieder attraktiver erscheinen.

NEW YORK. Mehr als zwei Jahre lang waren Nebenwerte die heimlichen Stars an den amerikanischen Aktienmärkten. Ihre Kursentwicklung hat die Wertentwicklung der großen Konzerne deutlich überflügelt. So eine Phase, in welcher kleine Firmen an den Börsen deutlich besser abschneiden als die großen, dauert im Schnitt sechs Jahre, sind sich Experten einig. Allerdings könnte ein abgleiten in eine zweite Rezession - der so genannte Double Dip - die Nebenwerte einbrechen lassen.

Viele Fonds-Manager ziehen bereits Konsequenzen und steigen aus. Andere dagegen halten an den "Small Caps", wie sie auf Englisch heißen, fest. Ihr Argument: Über längere Zeiträume gesehen schneiden sie stets besser ab als die großen Namen.

"Der gegenwärtige Erfolgssträhne der Nebenwerte hat am 9. April 1999 begonnen," sagt Marktanalyst Steven DeSanctis von der Vermögensverwaltung Prudential Securities. Seit damals sei die Kursentwicklung im Schnitt um 11 Prozentpunkte besser gewesen als die der großen Werte. DeSanctis vergleicht dabei die Entwicklung des Russel 2000 Index, der die Firmen mit einem Börsenwert von unter 2 Mrd. $ zusammenfasst, mit den im Standard & Poors 500 vertretenen Titel.

Grund der Erfolgs-Story: Anleger, die zuvor alles kauften, was mit Informationstechnologie zu tun hatte, entdeckten beim Platzen der Blase, dass Nebenwerte krass unterbewertet waren und schenkten ihnen weit mehr Beachtung. Auch in diesem Jahr haben Nebenwerte noch besser abgeschnitten als die im S&P 500 vertretenen 500 größten US-Firmen. Allerdings ist der Punkte-Vorteil bereits zusammengeschmolzen. Während der S&P 500 seit 1. Januar 24,5 % abgegeben hat, verlor der Russell 2000 "nur" 21,5 %. Ein weiterer Nebenwerte-Index, der S&P 600, gab 17 % nach.

In den vergangenen 6 Wochen jedoch haben Nebenwerte stärker verloren als die großen. Trotzdem büßten die Small Caps ihren Preisvorteil ein. Ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis ist inzwischen deutlich höher als bei den Blue Ships. "Wenn Small Caps so teuer sind wie größere Konzerne, kaufen wir lieber die Großen", sagt Fondsmanager John Thompson vom Thompson Plumb Growth Fonds, der noch bis vor kurzem 50 % seiner Positionen in Nebenwerten hielt.

"Das Abfallen der Nebenwerte kommt daher, dass sie konjunkturanfälliger sind", sagt DeSanctis. Die schlechten Wirtschaftsdaten seien derzeit eine Belastung. "Kleine Firmen gehen schneller bankrott als die großen Unternehmen. Sie haben nicht so viele Resourcen und können sich nicht ständig neu anpassen", sagt Fondsmanager John Montgomery von dem Bridgeway Fund. Allerdings hätten Nebenwerte bei einem Aufschwung auch wieder ein wesentlich höheres Wachstumspotenzial.

Mit seinem "Bridgeway Ultra Company-Small Portfolio Fonds" hat Montgomery in den letzten drei Jahren eine Rendite von durchschnittlich 22 % erzielt. In diesem Jahr hat er den Verlust immerhin auf minus 8 % begrenzt. Montgomery, der sich auf technische und an Fundamental-Daten orientierte Analysen beschränkt und auf Management-Kontakte verzichtet, hält es für wahrscheinlich, dass die Nebenwerte mindestens noch ein weiteres Jahr besser abschneiden als die Blue Ships. DeSanctis macht den Erfolg von der weiteren Wirtschaftsentwicklung abhängig: "Wenn wir noch eine Rezession bekommen, dann brechen die Kleinen am stärksten ein."

Bis jetzt haben Nebenwerte allerdings noch ausgezeichnete Zahlen vorgelegt. 430 Firmen des S&P 600, welche bis Ende der letzten Woche ihre Quartalsergebnisse vorlegten, haben im Schnitt die Erwartungen der Analysten um 7 % übertroffen. "Sie haben außerdem Gewinn-Wachstums-Raten von durchschnittlich 7,6 % vorgelegt", berichtet Analyst Ken Perkins vom Finanz-Informationsdienst Thomson First Call. Die großen, im S&P 500 zusammengefassten US-Firmen schafften dagegen nur eine Wachstumsrate von 0,3 %. Sie haben die Erwartungen der Analysten lediglich um 1 % übertroffen.

"Small Caps legen generell bessere Wachstumsraten vor, doch es ist fast unmöglich, die Zeitpunkte zum Ein- und Aussteigen richtig zu treffen", sagt Richard Rosen, der bei der Vermögensverwaltung J&W Seligman einen wertorientierten Small-Cap-Fonds managt. Rosen rät deshalb, dauerhaft einen gewissen Prozentsatz von Aktien in Nebenwerten zu halten. "Sie sind größeren Schwankungen ausgesetzt, aber auf lange Sicht versprechen sie auch eine etwas höhere Rendite." Über Jahre könnten Nebenwerte unbeachtet dahindümpeln, bis plötzlich ihre große Stunde schlägt. Derzeit findet Rosen Fluggesellschaften wie etwa Continental Airlines attraktiv. Der Konzern zählt mit einer Marktkapitalisierung von lediglich 500 Mill. $ eindeutig zu den Nebenwerten. "Wenn die Konjunktur anzieht, wird wieder mehr geflogen." Auch das Biotech-Unternehmen Protein Design Labs habe ausgezeichnete Wachstums-Chancen.

Bridgeway Fondsmanager John Montgomery glaubt, dass ausgewählte Finanzwerte und die Hersteller langlebiger Konsumgüter derzeit die besten Chancen haben. Montgomery hält auch privat an seinen Positionen in Nebenwerten fest: "Ich glaube an sie und gehe mit ihnen durch dick und dünn."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%