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Eine Freundschaft, die im Verborgenen blüht

Europäisch-kanadische Gipfeltreffen sind nicht gerade Ereignisse, die nach exzessiver Berichterstattung schreien. Aber hin und wieder produzieren sie doch meldenswerte Ergebnisse. Einmal, meist im Sommer, traf man sich in Europa, und im Dezember war Ottawa Veranstaltungsort.

Europäisch-kanadische Gipfeltreffen sind nicht gerade Ereignisse, die nach exzessiver Berichterstattung schreien. Aber hin und wieder produzieren sie doch meldenswerte Ergebnisse. Einmal, meist im Sommer, traf man sich in Europa, und im Dezember war Ottawa Veranstaltungsort. Sie waren ein Fixum im politischem Kalendar der kanadischen Hauptstadt. Die Granden der EU, also der amtierende Ratspräsident, der Beauftragte für Außenpolitik und Sicherheit Solana und der für Außenbeziehungen zuständige Kommissar, manchmal auch der Handelskommissar flogen zu einem Gipfeltreffen mit Kanadas Premierminister nach Ottawa. Ein paar Stunden Zeit hatte man füreinander. Und wenn der Gipfel abgehakt und die Europäer verschwunden waren (meist Richtung Washington zu einem EU/USA-Gipfel), dann wusste man in Ottawa: Jetzt ist Weihnachten.

Der eingespielte Rhythmus wurde unterbrochen, als im Sommer dieses Jahres ein EU-Kanada-Gipfel in Kanada stattfand, und zwar in Niagara-on-the-Lake, ein paar Kilometer von den berühmten Wasserfällen entfernt. Man traf sich an einem Sonntag morgen, speiste dann zusammen mit ein paar Gläsern des hervorragenden Weins der Niagara-Region, und dann war´s schon wieder vorbei. Der Veranstaltungsort abseits von Toronto und Ottawa und der Zeitpunkt garantierten, dass die kanadischen Medien kaum Notiz nahmen.

Aber ein bisschen wurde doch berichtet, und so strengten sich die Organisatoren des Winter-Gipfels offensichtlich an, diesmal ganz im Verborgenen zu konferieren - via Video-Konferenz. Am Donnerstag morgen wurde die Leitung zwischen Brüssel (Barroso und Solana), London (Tony Blair) und Kelowna (das liegt in der schönen Pazifikprovinz British Columbia, wo sich Premierminister Martin zu einem Gipfel mit den Provinz-Premiers und den Führern der Ureinwohner aufhielt) geschaltet, man sprach eine halbe bis dreiviertel Stunde miteinander, segnete das vorbereitete Communique ab, und das war´s. Die europäisch-kanadischen Beziehungen würden immer stärker und dies werde zur Förderung von Frieden, Stabilität und Wohlstand in der ganzen Welt beitragen, liess Paul Martin anschließend schriftlich verlauten.

Vor ein paar Jahren hatte der damalige deutsche Außenminister Klaus Kinkel den bemerkenswerten Satz gesprochen, die europäisch/deutsch-kanadischen Beziehungen seien zu gut und zu reibungslos. Was die Bürokraten auf beiden Seiten natürlich bezüglich der daraus resulierenden Schlussfolgerung, sie seien zu langweilig, vehement zurückweisen. Und dass der Gipfel jetzt als Video-Konferenz gestaltet wird, sei mitnichten ein Zeichen, dass es für beide Seiten die Mühe nicht wert sei, sich ins Flugzeug zu setzen und von Angesicht zu Angesicht zu konferieren. Diese Art der Kommunikation mittels Video-Konferenz spreche für die "enge und reife Partnerschaft". In Beziehungen mit Spannungen sei das nicht möglich.

Da sehnt man sich zurück in Zeiten, in denen wenigstens der Streit um kanadische Eisweinexporte nach Europa eine vage Form von "Konflikt" waren. So aber bleibt nur zu berichten, dass es eine Vereinbarung über die Kooperation der Kanadier mit Europol, über den Austausch von Passagierdaten im Luftverkehr und über die Teilnahme der Kanadier an der Schnellen Eingreiftruppe der EU gibt, dass man im Klimaschutz und bei den Doha-Verhandlungen zusammenarbeiten wird und vieles mehr. Das ist wichtig, aber nicht so "sexy" wie Eiswein.

Aber das Vorbild der Video-Konferenz sollte Schule machen - für die G8-Treffen. Dann könnte man sich den Polizeieinsatz ersparen und all die schrecklichen Bilder von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Und die Journalisten könnten zu Hause bleiben.

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