Eine Journalistin schildert Todesfalle ihrer Kollegen
"Wir konnten zu den Taliban-Positionen fahren"

Die französische Journalistin Véronique Rebeyrotte ist dem Hinterhalt entkommen, in dem am Sonntag im Nordosten Afghanistans drei ihrer Kollegen, zwei Franzosen und ein Deutscher, getötet wurden.

afp PARIS. Rebeyrotte schilderte am Montag im Rundfunksender France Info ihre Erlebnisse. Die Nachrichtenagentur AFP dokumentiert den Bericht der Kriegsreporterin von France Culture:

"Wir hatten den ganzen Tag bei Dalschikala, an der Nordostfront, darauf gewartet, dass die zweite große Offensive innerhalb von 48 Stunden beginnt. Gegen 17.00 Uhr, bei Einbruch der Dunkelheit, ging es los. Es gab dann eine Möglichkeit, auf einen der Panzer zu klettern, die auf die Taliban-Positionen zufuhren. Mein Kollege Pierre Billaud von RTL sagte uns das. Auch zwei deutsche Journalisten vom Magazin 'Stern' waren dabei.

Der Panzer ist sehr schnell losgefahren, wir saßen hinten. Wir haben uns noch darüber lustig gemacht, dass wir einen Übersetzer mitgeschleppt hatten. Der hatte eigentlich nicht mitgewollt, aber wir haben überhaupt nicht gedacht, dass wir ein Risiko eingehen.

Fünf oder zehn Minuten später sind wir in einen Hinterhalt geraten. Es sollen Männer gewesen sein, die den Taliban sehr nahestehen. Sie waren von den Hügeln heruntergekommen, um uns auf diesem Weg abzupassen. Sie haben mit Kalaschnikows auf uns geschossen, sie waren ganz nah an dem Panzer. Offenbar wollten sie mit den Kalschnikows und mit Panzerabwehrraketen den Treibstofftank im hinteren Teil des Panzers zerstören.

Das ging alles sehr schnell, wir hörten viele Schüsse. Der Panzer bremste ruckartig, mehrere von uns fielen oder sprangen herunter. Ich weiß es nicht genau, es war tiefschwarze Nacht. Dann ist der Panzer plötzlich wieder angefahren. Wir hatten uns sofort Sorgen gemacht, was aus unseren Freunden geworden war, die vom Panzer gefallen waren. Erst kriegten wir die widersprüchlichsten Informationen. Aber dann stand ziemlich schnell fest, dass Johanne Sutton getötet worden war, denn es gab nur zwei Frauen auf dem Panzer. Heute morgen ist der Panzer nochmals dahingefahren. Als er zurückkam, brachte er die Leiche von Pierre Billaud mit.

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