Eine Kooperation kann bei der Bewältigung der Zukunft helfen
Wettbewerber auf Schmusekurs

Konkurrenz belebt das Geschäft. Im Gewerbegebiet Mainz-Hechtsheim erfährt dieser eigentlich auf den freien Wettbewerb zielende Ausspruch eine völlig neue Bedeutung. Seit gut 30 Jahren wächst und gedeiht das Geschäft der vier Verpackungsspezialisten Limmatdruck/Zeiler, Karl Knauer, Faller und Rob Leunis & Chapman-Gruppe - und das, weil die Wettbewerber kooperieren.

HB FRANKFURT/M. Copaco Gesellschaft für Verpackungen mbh & Co. KG heißt die Firma, in die die vier mittelständischen Unternehmen ihre Zusammenarbeit gegossen haben. 1968 gegründet ist sie eine der ältesten Mittelstandskooperationen in Deutschland. "Wenn Sie so wollen, sind wir ein genehmigtes Kartell", sagt Geschäftsführer Karl Reiner Müller und weist damit zugleich auf den vielleicht wichtigsten Punkt hin. Ohne Genehmigung der Kartellbehörden läuft in einer solchen Partnerschaft nichts.

Ähnliche Sorgen führten sie zusammen

Damals, 1968, hätten die Verpackungsfirmen alle ähnliche Sorgen gehabt, erinnert sich Müller. Der Druck, ständig neue Produkte auf den Markt zu bringen, stieg und damit auch die Investitionenssummen. "Die Unternehmerfamilien fragten sich, ob sie alleine auf Dauer die Zukunft überstehen könnten", sagt Müller.

Eine Zusammenarbeit sollte die Probleme lösen. Die Vorteile lagen auf der Hand. Die Marktposition wird gestärkt, ohne die eigene Identität aufgeben zu müssen. Was locker wie eine Art Stammtisch begann, wurde zwei Jahre später in eine eigene Organisation eingebracht. Nicht immer ist die Zusammenarbeit einfach. "Es hat sich als sinnvoll erwiesen, einen Manager von außen als neutralen Moderator zu holen", sagt Müller. Mittlerweile ist Copaco nicht nur die Plattform für einen gemeinsamen Einkauf oder den Austausch von Know-how. Seit einiger Zeit agiert Copaco sogar als eigene Marke, etwa auf Messeständen.

Modell für andere Mittelständler

Die jüngsten Zahlen belegen den Erfolg des Konzeptes. Der Gruppenumsatz der vier Gesellschafterfirmen stieg im abgelaufenen Jahr trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds um 8,5 % auf 222 Mill. Euro. Für das laufende Jahr erwartet Müller erneut ein Plus von "mehr als fünf Prozent". "Die Kooperation hat unseren Mitgliedsfirmen dabei geholfen, dem Abschwung zu trotzen", sagt Müller und ergänzt: "Es ist ein Wirtschaftsmodell, über das insbesondere der Mittelstand nachdenken sollte."

Einige Mittelständler haben den Rat bereits befolgt. Seit September 1999 arbeiten mehrere mittelständische Metallbetriebe in der "Kooperation Metall" zusammen. Sie stellen zum Beispiel Fassadenelemente, Türrahmen und andere Komponenten für Gebäude her. Die Zusammenarbeit erlaubt es etwa einer Schraad Metallbau (Rieste/Osnabrück) oder einer Metallbau Foppe (Lengerich), sich auch um Großaufträge zu bewerben.

Einen Vorteil, den Copaco-Geschäftsführer Müller nur bestätigen kann. "Wir können mit der Kooperation ganz neue Kunden und Märkte zu erschließen", sagt er. So arbeitet die Verpackungskooperation mittlerweile für Konsumriesen wie etwa Nestlé oder Coca-Cola. Das Bündeln von Kapazitäten ist auch in der Krise hilfreich. "Wenn der eine mal kurzfristig schlecht ausgelastet ist, wird schon mal ausgeholfen", sagt Müller.

Doch das bleibt die Ausnahme, denn: "Schwache Firmen mit durchschleppen, das können wir uns nicht erlauben", warnt Müller alle diejenigen, die über ähnliche Modelle nachdenken. Grundsätzlich sollten die Firmen bei einer Kooperation etwa gleich groß und auch ähnlich in ihrer wirtschaftlichen Stärke sein. Bei Copaco ist dies sogar in den Statuten festgeschrieben. Wandert nämlich ein Mitglied durch eine Übernahme unter das Dach eine großen Konzerns, dann wird es auf jeden Fall erst einmal ausgeschlossen. "Wir schauen dann in Ruhe, ob die Firma wieder beteiligt werden kann", sagt Müller.

Erleichterung bei Finanzierung und Angeboten

Modelle wie bei Copaco oder der "Kooperation Metall" helfen zudem, sich dem wachsenden Wettbewerbsdruck entgegenzustemmen. Das belegt das Beispiel von Logex. Die Zusammenarbeit von mittlerweile über 40 regionalen Entsorgungsfirmen entstand zu Beginn der 90er-Jahre.

Damals wirbelte die Verpackungsverordnung die Branche kräftig durcheinander. Gefragt waren komplette Entsorgungskonzepte. Die großen der Branche wie RWE oder Rethmann sahen ihre Chance gekommen, dick ins Recycling-Geschäft einzusteigen. Die Kooperation brachte die Rettung: Plötzlich konnten auch die kleinen Firmen überregionale Komplettangebote unterbreiten. Auch die Finanzierung der teuren neuen Fahrzeuge konnte leichter gestemmt werden. Mittlerweile setzt Logex über 600 Mill. Euro um und braucht sich hinter einer Rethmann nicht zu verstecken.

Wirtschaftsmodell Kooperation

Wer kann? Grundsätzlich können Firmen kooperieren, die im gleichen Markt tätig sind, sich aber bei den Produkten nur wenig überschneiden. Die Unternehmen sollten die gleiche Größe und wirtschaftliche Stärke besitzen.

Was bringt es? Die Vorteile reichen vom gemeinsamen Einkauf über den Wissenstransfer bis hin zum gemeinsamen Auftritt etwa bei Messen. Es ist möglich, größere Kunden auch über das eigene Einzugsgebiet hinaus, eventuell sogar international zu betreuen. Kapazitäten können untereinander verteilt werden, was die Widerstandskraft in Zeiten der Flaute stärkt.

Was ist zu beachten? Auf jeden muss das Einverständnis der Kartellbehörden vorliegen. Außerdem ist es sinnvoll, einen neutralen Moderator einzusetzen. Es sollten zudem klare Regeln in Statuten festgeschrieben werden.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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