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Eine Lizenz zum Kopieren

Mit Franchising können Gründer mit geringerem Risiko ein eigenes Geschäft aufbauen. Jetzt nutzen erste Internet-Firmen das Modell.

DÜSSELDORF. Das Ziel ist hoch gesteckt: "Wir wollen in Deutschland eine flächendeckende Versorgung mit regionalen Web-Seiten aufbauen, auf denen ein einheitliches Erscheinungsbild dem Nutzer eine schnelle und einfache Orientierung ermöglicht", verkündet Eckhard Spoerr, Vorstandsvorsitzender der Hamburger Freenet.de AG. Bisher bietet der Internet-Zugangsanbieter solche lokalen Portale in 26 Städten und Landkreisen, von Berlin bis zur Vorderpfalz.

Damit bald weitere Regionen folgen, setzt die Mobilcom-Tochter auf das Franchising-Prinzip. Freenet stellt rechtlich selbstständigen Unternehmen die gesamte technische Infrastruktur zur Verfügung, unterstützt den Markenaufbau und liefert tagesaktuell überregionale Inhalte. "Dafür bekommen wir von unseren Partnern eine erfolgsabhängige Gebühr", sagt Spoerr. Der Franchise-Nehmer muss für den lokalen Inhalt sorgen und verdient sein Geld mit dem Verkauf von Online-Werbung und Branchenbucheinträgen, durch E-Commerce-Kooperationen und Serviceangebote für Online-Shops und Web-Seiten.

Rund 1 100 Franchise-Konzepte gibt es in Deutschland, doch kaum eines im Online-Bereich. Das Strickmuster ist dabei immer gleich: Der Franchise-Geber entwickelt eine Idee, tüftelt an Marketingstrategien und testet sie in Pilotbetrieben bis zur Serienreife. Der Franchise-Nehmer kopiert das Konzept für das eigene Unternehmen - und zahlt neben einer einmaligen Einstiegsgebühr meist eine monatliche Umsatzbeteiligung an den Vater der Idee. Der relative Verlust an unternehmerischer Freiheit - die Systemzentralen kontrollieren in der Regel Finanzen und Marketing - wird dem Franchise-Nehmer durch einen relativen Gewinn an Sicherheit versüßt. Von den Gründern, die auf eigene Faust loslegten, gäben 20 % in den ersten zwölf Monaten wieder auf, erklärt Ulrich Opherk, Geschäftsführer des Deutschen Franchise-Verbandes (DFV) in München: "Bei Franchise-Konzepten überleben dagegen mehr als 90 % der Gründer das erste Jahr."

Bisher entwickelten nur sehr wenige E-Business-Unternehmen Franchise-Ideen, hat Opherk beobachtet. Denn: Um ein schnell wachsendes Netzwerk erfolgreich zu steuern, seien erhebliche Personalressourcen und umfassendes Know-how im Prozessmanagement erforderlich. "Wenn aber Startups starke Marken aufbauen wollen, müssen sie sich früher oder später auch mit dem Franchising-Gedanken beschäftigen", ist Opherk überzeugt.

Einige IT-Firmen nutzen aber bereits franchise-ähnliche Konzepte. Bei der Münchner Up2Gate GmbH gehört das als E-Franchising bezeichnete Modell bereits zum Geschäftskonzept. Das im vergangenen Jahr als hundertprozentige Tochter von Siemens Business Services (SBS) gegründete Unternehmen versteht sich als erster deutscher Portal Service Provider (PSP) und bietet seinen Kunden mit knapp 20 Mitarbeitern an den Standorten München, Hamburg und Stuttgart eine Komplettlösung für die Einrichtung und den Betrieb von Branchenportalen an.

Angepeilte Franchise-Nehmer sind vor allem Einkaufsgenossenschaften, Verbände sowie mittelständische Unternehmen, die in ihren jeweiligen Märkten schon fest etabliert sind und nun ins E-Business einsteigen wollen.

Basis des Up2Gate-Angebots bildet ein schlüsselfertiges Portal-Rahmenwerk, das aus einer Internet-Plattform und ergänzenden Funktionen für den elektronischen Handel, für aktuelle Inhalte und für virtuelle Diskussionsforen besteht.

Gleichzeitig übernimmt der Dienstleister den technischen Betrieb der Portale und ist auch finanziell an deren Erfolg beteiligt. "Die Portal-Betreiber können so die erforderliche Infrastruktur schneller nutzen, das Investitionsrisiko sinkt", sagt Geschäftsführer Jeroen Eijsink. Außerdem werde für Entwicklung und Betrieb der Handelsplattformen weniger Personal benötigt, als wenn die Unternehmen solche Lösungen selbst entwickelten.

Für den Aufbau elektronischer Marktplätze müssen mittelständische Unternehmen - so das Ergebnis einer Umfrage von Up2Gate - Erstellungs- und Personalkosten in Höhe von 15 bis 20 Mill. DM über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren veranschlagen. Eijsink sieht die Vorteile des E-Franchising für seine Partner vor allem darin, dass sie nur bei den tatsächlich über das Portal abgewickelten Geschäften Honorare an die Siemens-Tochter zahlen müssen.

Zu den ersten Projekten, die von Up2Gate realisiert wurden, gehört ein Portal für die Baubranche. Betreiber ist die Profi AG, -Portal ein Tochterunternehmen des Wuppertaler Einkaufsbüros Deutscher Eisenwarenhändler GmbH und der Hagebau GmbH & Co. KG in Soltau.

30 Mrd. DM jährlich setzen die beiden Gesellschafter bereits in der nicht-digitalen Welt um, rund 10 % davon wollen sie in drei bis fünf Jahren über die elektronische Plattform abwickeln. Wenn diese Pläne aufgehen, klingelt ebenfalls bei Up2Gate die Kasse. E-Procurement - elektronische Beschaffung - steckt auch hinter der Geschäftsidee der Mannheimer Probuy E OHG. -Procurement 1993 als Preisagentur für Geschäftskunden gestartet, verfügt das Unternehmen inzwischen europaweit über ein Netz von Franchise-Partnern.

Mit Epas - einer E-Business-Lösung für den Internet-Handel zwischen Unternehmen (Business-to-Business, B2B) - will Probuy weitere Firmen gewinnen, die künftig ihren Einkauf, vom Briefpapier bis zum Schreibtisch, über das Internet abwickeln. Epas soll dabei Einführungsstrategie, Software und Beschaffungs-Services verbinden. "Durchlaufzeiten und Bestellkosten werden um bis zu 80 % reduziert", schwärmt Probuy-Geschäftsführer Harald Schäfer. Und darüber hinaus werde der Einkauf vom operativen Geschäft entlastet.

Da viele Unternehmen diesen Vorteil nutzen wollen, ohne in eigene Software zu investieren und entsprechendes Personal auszubilden, eröffne sich spezialisierten Full-Service-Dienstleistern für die elektronische Beschaffung ein riesiger Markt. Schäfer: "Den wollen wir nun gemeinsam mit unseren Franchise-Partnern erobern."

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