Eine Million Kunden angepeilt
Sparkassenbroker schockt Konkurrenz nicht

"Wir wollen auch im Online-Brokerage die führende Marktposition erreichen". Mit diesen sehr ambitionierten Zielen schickt Dietrich Hoppenstedt, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), den aus der Übernahme der Duisburger Pulsiv.com AG entstandenen gemeinsamen Online-Broker der Sparkassen ins Rennen.

po FRANKFURT/M. Die etablierten Konkurrenten zeigen sich von der Entwicklung wenig überrascht und nehmen den neuen Wettbewerber relativ gelassen. "Mit dieser Akquisition haben die Sparkassen ihren lange angekündigten Einstieg in das Online-Brokerage realisiert. Die Übernahme von Pulsiv kommt für uns daher nicht überraschend. Es bleibt abzuwarten, ob es den Sparkassen gelingt, ihren bislang unterdurchschnittlichen Marktanteil im Online-Brokerage nenneswert zu erhöhen", meinte Comdirect-Chef Bernt Weber.

Aus dem Hause der Direkt Anlage Bank in München hieß es, die Übernahme sei Bestandteil der erwarteten Konsolidierung. Beobachter rechnen damit, dass am Ende der Konsolidierungswelle auf dem deutschen Direktbanken-Markt drei bis fünf Institute übrig bleiben werden. Neben den drei Marktführern Comdirect, Consors und DAB werden hier der Sparkassenorganisation und auch der Postbank gute Chancen eingeräumt.

Die Übernahme erfolgt mit Wirkung vom 1. April, der Marktstart soll Ende Juli 2001 und damit deutlich vor dem ursprünglich geplanten Herbst 2001 erfolgen. Über den Kaufpreis wird Stillschweigen bewahrt. Allerdings liege man mit der Akquisition im Rahmen des Budgets für den Eigenaufbau eine solchen Institution. Dieses war mit rund 300 Mill. DM veranschlagt. Analysten der niederländischen ABN Amro Bank schätzen den Kaufpreis auf 50 bis 100 Mill. Euro.

Rund 10 000 Neukunden sollen laut Geschäftsplan pro Jahr gewonnen werden, so dass auf Sicht von zehn Jahren eine Millionen Online-Brokerage-Kunden ihre Geschäft über den neuen Online-Broker, dessen Name noch nicht feststeht, abwickeln. Der Break-Even soll in vier Jahren erreicht werden. Allerdings könne man davon ausgehen, dass dies auch schneller gehe, sagte das geschäftsführende Vorstandsmitglied des DSGV, Thomas Mang. Zum Vergleich: Consors zählte zum Ende letzten Jahres 526 000 Kunden, Comdirect 539 000 und die Direkt Anlage Bank 426 000.

Hoppenstedt zeigte sich mit der Entwicklung sehr zufrieden. Nur rund ein Jahr nach der Ankündigung der Online-Strategie der Sparkassenorganisation, könne der DSGV nun schon konkrete Ergebnisse vorweisen, sagte er. Das neue Finanzportal unter Sparkasse.de sei abgeschlossen, befinde sich derzeit im Anwendungstest und sei Ende des Monats startklar. Der wesentliche Baustein, die Multikanalstrategie sei ebenfalls auf einem guten Weg. Hier geht es darum, den Kunden der Sparkassen neben den stationären Geschäftsstellen auch Online-Dienstleistungen anzubieten. Hierzu zähle natürlich auch der Wertpapierhandel über das Internet, sagte Hoppenstedt. Damit könnten aber nur 80 % des Marktes angesprochen werden. Die restlichen 20 % sollen den den neuen Online-Broker aufgefangen werden.

Eine Verwirrung durch zwei Online-Brokerage-Angebote - Multikanal und Pulsiv - sei nicht zu befürchten, meinte Thomas Noth von der Stadtsparkasse Köln. Bei den Zielkunden für Pulsiv handele es sich vor allem um technikorientierte Kunden, die bislang bei den Sparkassen noch kein entsprechendes Angebot vorfinden. Ziel ist es vor allem, diese Kundengruppe im Sparkassenverbund zu halten, sagte Karl-Joachim Dreyer, Sprecher des Vorstands der Hamburger Sparkasse.

Die Übernahme von Pulsiv durch den DSGV erfolgt in zwei Schritten: Zunächst haben sechs Großsparkassen treuhänderisch 90 % von Trinkaus & Burckhardt und den übrigen Alt-Gesellschaftern erworben. Dies wurde nötig, da in den seit Ende Januar laufenden Gesprächen mit Pulsiv bis Ende Februar eine Entscheidung herbeigeführt werden musste. Im nächsten Schritt wird die Direktbank auf die bereits bestehende SOB Beteiligungs GmbH & Co. KG übertragen, bei der auch die unternehmerische Führung liegt. Personalfragen sind noch offen.

An der GmbH sind die DGZ-Dekabank, das Spitzeninstitut der Sparkassenorganisation, mit 25,1 % und die Regionalverbände mit zusammen 74,9 % beteiligt. Durch diese Struktur sei eine Beteiligung der Sparkassen an den Gewinnen des zentralen Online-Brokers garantiert, sagte Hoppenstedt. Bis auf den Sparkassenverband Baden-Württemberg haben nach Aussage des Präsidenten alle übrigen Verbände ihre Teilnahme verbindlich zugesagt. Stellvertretend für den "Kreis Erfahrungsaustausch von Großsparkassen", in dem die 28 größten deutschen Sparkassen zusammengefasst sind, begrüßte Dreyer die Übernahme von Pulsiv. Die neue Aufstellung der Sparkassen-Finanzgruppe im Online-Brokerage sei eine deutliche Kampfansage an die Wettbewerber.

"Wir haben uns für Pulsiv entschieden, weil dieses Unternehmen uns die beste Infrastruktur bietet", begründete Hoppenstedt die Entscheidung. Diese solle nun systematisch ausgebaut werden, um die angestrebten Neukundenzahlen bewältigen zu können.

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