Eine neue Anlagekultur soll den Rückstand zur angelsächsischen Finanzwelt verringern
Aufbruch in das neue Zeitalter der Hedge Funds

Auf dem Finanzplatz Deutschland soll ein frischer Wind wehen. Die Regierung will den großen Wurf landen und das Land zu einem Eldorado für Hedge Funds machen. Bereits ab Anfang 2004 soll ein neues Investmentgesetz gelten, das den rechtlichen Rahmen dafür absteckt.

HB DÜSSELDORF/FRANKFURT. Die Überraschung war perfekt: Anfang dieses Jahres ließ Bundesfinanzminister Hans Eichel die Finanzwelt mit seiner Ankündigung aufhorchen, bestehende Barrieren für Hedge Funds niederreißen und Deutschland zu einem "Paradies" für diese vergleichsweise junge Anlageform machen zu wollen. Verwundert rieben sich Banken und Vermögensverwalter die Augen. Hatte der gleiche Bundesfinanzminister nicht wenige Monate zuvor Hedge Funds noch an den Pranger gestellt und die Überlegung angestellt, die von den Managern dieser Kapitalsammelstellen regelmäßig eingesetzte Strategie des "Leerverkaufs von Aktien" verbieten zu wollen? Er hatte.

Wenn die Regierung ihre Pläne wahr macht und bereits am 13. Februar 2004 ein neues Investmentgesetz in Kraft setzt, ist zweifellos eine wichtige Grundlage dafür geschaffen worden, dass in Deutschland eine neue Anlagekultur entstehen kann. Denn inzwischen haben sowohl die Finanzbranche als auch die Anleger begriffen, dass die traditionelle Kapitalanlage in Aktien und Anleihen allein nicht ausreicht. Nachdem die Aktienkultur - auch auf Grund der Fehleinschätzung der Bundesregierung in Sachen Deutsche Telekom erheblichen Schaden genommen hat, ist die Diversifizierung der Anlagegelder in Derivate sowie in Alternative Investments wie Private Equity und Hedge Funds ein Muss.

Bisher können Hedge Funds in Deutschland nicht als Kapitalanlagegesellschaften gegründet werden. Finanzhäuser, die das starke Interesse privater und institutioneller deutscher Anleger an diesen Finanzprodukten in der Vergangenheit befriedigt haben, waren gezwungen, Umwege zu beschreiten und rechtlich sowie steuerlich fragwürdige Kunstkonstrukte zu schaffen. Mit diesen strukturierten Produkten sammelten die hier zu Lande tätigen Banken innerhalb von nur zwei Jahren weit mehr als 5 Mrd. $ ein. Und dies, obwohl die Anlageergebnisse der meisten Produkte insgesamt unbefriedigt ausfielen.

Hedge Funds sind sowohl aus struktureller wie auch aus rechtlichen Sicht keine Investmentfonds. In den angelsächsischen Ländern, in denen die Hedge-Funds-Idee entstand, weisen diese Finanzdienstleister in der Regel im Durchschnitt 12 bis 20 Mitarbeiter auf. "Ich sehe Hedge Funds als Mini-Investmentbanken", sagt Alexander Ineichen von UBS Warburg, der ein fundierter Kenner dieser Szene in Europa ist. Die deutsche Finanzwelt hat bei den bislang lancierten Konstruktionen Wege gefunden, Produkte so zu strukturieren, dass sie fondsähnlichen Charakter (als Dachfonds) haben. Auf diese Weise wurden Strukturen geschaffen, Hedge-FundsStrategien näher an das Spektrum der Investmentfonds heranzurücken.

Absolute Erträge sind Kernthese

Für Hedge Funds sind absolute Erträge eine Kernthese. Während sich traditionelle Investmentfonds an Messlatten wie Aktienindizes orientieren, zielen Hedge Funds auf absolute Erträge, die sich an keiner derartigen Benchmark orientieren.

Banken und Fondsgesellschaften in Deutschland bereiten sich intensiv auf die neue Ära in Deutschland vor. Zahlreiche neue Produkte liegen bereits in den Schubladen und warten auf grünes Licht aus Berlin. "Nach der nun stattfindenden Konsolidierung sollten neue, kostengünstigere und vor allem transparentere Produkte den Weg für diese neue Assetklasse freimachen", sagt Frank Hertfelder, Leiter des Fondsmanagements der Daimler-Chrysler Bank AG. Bei UBS Warburg kann man sich die Schaffung eines "Hedge-Fund-Hotels" vorstellen, bei der die Bank die Rolle des Gastgebers und Sponsors für Anlageexperten übernimmt, der alte und/oder neue Strategien verfolgt. In diesem Fall würde die Bank etwa organisatorische und abwicklungstechnische Funktionen übernehmen, so dass sich der Experte voll auf die Umsetzung der Strategien konzentrieren könnte.

Andere Banken wie Société Générale und Deutsche Bank wollen das bei Hedge Funds bestehende Problem fehlender Transparenz lösen, indem sie "Managed Accounts" anbieten, die diese Transparenz bieten können. Auf diesen Plattformen werden separate Einzelkonten geführt, deren Verwaltung durch Dritte auf Basis zuvor definierter Richtlinien im Namen und für Rechnung des Investors erfolgt. Der Investor erhält so die Möglichkeit der täglichen Überwachung und der vollen Kontrolle über sein Vermögen Die Aufbruchsstimmung in der deutschen Banken- und Fondswelt in Sachen Hedge Funds wird durch einige Unsicherheiten gedämpft. Zunächst bleibe abzuwarten, wie diese Anlageklasse im neuen Investmentgesetz Niederschlag finden werde und welche Möglichkeiten sich für Banken, Kapitalanlagegesellschaften und andere Finanzdienstleister daraus dann ergeben, sagt Wolfgang Stolz, Vorstand von UBS Warburg in Frankfurt.

Der Mythos, wonach hinter den Hedge Funds die "Superhirne der Finanzmärkte" stecken, muss gelüftet werden. Zum einen war der junge Zweig des Finanzdienstleistungsgewerbes nicht in der Lage, auf den Resultaten der Vergangenheit beruhende Performance-Versprechen einzuhalten. Zum anderen wird der Einfluss dieser Geldpools auf die Kursgestaltung der Märkte weit überschätzt. Das in Hedge Funds investierte Vermögen erreicht nur 3 % jenes Kapitals herkömmlicher Investmentfonds. Auch der bei Managern von Hedge Funds so beliebte Einsatz von Derivaten, die die Bewegung hoher Nominalbeträge mit geringem Einsatz erlauben, ändert daran wenig.

Nachdem die Branche im Jahr 2002 das schlechteste Ergebnis seit 1998 erzielte, hat sich die Performance im ersten Quartal 2003 verbessert. Ungeachtet der wenig befriedigenden Ergebnisse erscheinen Geldanlagen in Hedge Funds im Sinne der Risikostreuung vernünftig. "Auch wenn die Resultate hinter den Erwartungen zurückliegen, haben sich Hedge Funds zu traditionellen Anlageformen behauptet", sagt Patrick Husistein von Credit Suisse. Im ersten Quartal 2003 ist der CSFB Tremont-Index um 2,23 % gestiegen. Im Vergleich zum MSCI-Weltaktienindex (-4,94 %) ein attraktives Ergebnis. Auch das Langfristergebnis ist ermutigend.

Rund 70 % der am Weltmarkt tätigen Hedge Funds haben 2002 wegen der geringen Anlageresultate keine Erfolgsgebühr erhalten. Da die Vergütung der Manager von Hedge Funds im Gegensatz zu Managern traditioneller Investmentfonds meist vom Anlageerfolg abhängt, hat die wenig befriedigende Wertentwicklung des vergangenen Jahres negative Folgen für die noch junge Branche. Wegen der unbefriedigenden Anlageresultate rechnet Oliver Schupp, Präsident der Fachorganisation CSFB Tremont, mit einer weiteren Bereinigung des Marktsegmentes. Im Jahr 2002 haben bereits 800 Hedge Funds die Segel gestrichen.

Was ist ein Hedge Fund?

Hedge Funds haben die Finanzwelt verändert. Die Manager dieser Geldpools zielen im Gegensatz zu den herkömmlichen Vermögensverwaltern auf absolute Erträge. Hedge Funds messen sich also nicht - wie Investmentfonds - an Indizes. Diese bisher kaum regulierten Kapitalsammelstellen haben den Vorteil, in der Wahl der von ihnen verfolgten Strategien und eingesetzten Instrumente weitgehende Freiheit zu genießen. Unbegrenzte Möglichkeiten haben vor allem Hedge Funds mit der Strategie "Global Macro". Die Manager dieser Fonds können in allen Anlageformen und Märkten Käufe und Verkäufe vornehmen. Nicht selten werden Strategien durch den Einsatz von Derivaten optimiert. Die in Deutschland auf dem Markt befindlichen Hedge-Funds-Produkte konzentrieren sich meist auf die Strategie "Long/Short Equity". Dabei werden unterbewertete Aktien gekauft und überbewertete Aktien verkauft. Nach dem Hedge-Funds-Sterben des vergangenen Jahres gibt es weltweit derzeit rund 6 000 Hedge Funds.

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