Eine Podiumsdiskussion in Köln
Verändert das Internet die Gesellschaft?

Ein Medienvertreter, ein Historiker, ein Unternehmer und ein Banker diskutierten über das Internet und fanden heraus: Das Internet hat nur Positives.

Am Anfang war der Start-Up-Unternehmer. So auch in dieser Runde. Andreas Rose, Vorstandsvorsitzender der Ares Energie, hat mit 27 Jahren ein Energiediensleistungsunternehmen gegründet und einen digitalen Stromanschluß zur Marktreife gebracht, mit dem die herkömmliche Stromleitung auch als Kommunikationsnetz für Telefon, Fax, interaktives TV oder Internet genutzt werden kann. "Zudem wird es möglich sein, Zählerablesungen über das Stromkabel abzuwickeln, Heizungen und Klimaanlagen zu steuern oder elektrische Geräte online zu checken", erklärt der Vorstandschef. Ansonsten kann er nichts Sensationelles entdecken. "Gibt es sie nun, die New Economy?", fragt der Moderator Davis Marsh, stellvertretender Vorsitzender des Finanzhauses Hawkpoint Partners Limited. "Nein," sagt Rose zur Überraschung der Zuschauer. Neu ist die Wirtschaft nicht. Schließlich gehe es doch auch nur um Profit.

"Nun, aber wie sieht es mit den sozialen Wirkungen aus?," fragte der Moderater. Führt das Internet zur Gesellschaftsspaltung?"Ja, hier sind sich die Gäste einig: Viele Menschen bekommen wegen ihres gesellschaftlichen oder geographischen Standortes nichts von den Vorteilen des Internets mit. In ganz Afrika zum Beispiel sind weniger Telefonleitungen als in Manhatten installiert.

Auch hier in Deutschland habe man das Problem der unterschiedlichen Ausstattung erkannt. Die von der Bundesregierung gegründete D21-Initiative versucht daher, alle Schulen mit Internetanschlüssen auszurüsten und Lehrer zu schulen. Allerdings wird der Zugang auch immer schwieriger . Der Lyriker Hans Magnus Enzensberger beklagt sich in einem Essay, dass "jeder Rechner eine weitere Kistenfamilie aus Druckern, Modems, Netzgeräten, Scannern und Brennern erfordert, von denen jedes einzelne Teil das Studium einer 100-seitigen Betriebsanleitung erfordert." Enzensberger meint: "Hätten die Automobilhersteller ihren Kunden zugemutet, dass sie einen Crash-Kurs in technologischem Kauderwelsch absolvieren, bevor sie sich ans Steuer setzen dürfen, so wäre es nie zum permanenten Stau auf unseren Straßen gekommen. Die digitalen Medien schließen durch ihre Benutzerunfreundlichkeit zwei Drittel der Bevölkerung aus." Darüber hätten wir auch gern etwas von den Podiumsgästen der Veranstaltung erfahren. Wie verändert das Internet die Kommunikationsmuster und unser Verhalten? Wächst da eine neue Generation heran? Der Historiker und Professor Arnulf Baring bejahte das: "Ich habe da einen Absolventen, der eine Doktorarbeit über Thomas Mann geschrieben hat und jetzt Unternehmensberater wird. Der hat nie ein Unternehmen von innen gesehen."

Ist Erfahrung bald nur noch digital und nicht real? Darüber hätten wir gern Näheres erfahren, aber wir erfuhren es nicht. Die Zukunft wird schön sein, so der Tenor der Teilnehmer. Am Ende lief es dann doch wieder auf den fröhlichen Heimarbeiter hinaus, der mit Notebook und Handy am Schwimmingpool sitzt und seine Aufgaben löst. Eine Debatte wäre sehr spannend gewesen, Aber das war ja nicht vorgesehen. Schließlich ging es nur um PR der Veranstalter, WDR und Delbrück &Co. Und überhaupt, so mag man sich gedacht haben: Was soll man groß diskutieren über eine Entwicklung, die sowieso schon da ist?

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