Eine Überraschung des Krieges dürften anhaltend hohe Energiepreise sein
Versorger-Aktien zählen zu den künftigen Gewinnern

Einer der wichtigsten Gradmesser für die Finanzmärkte sind die Energiepreise.

NEW YORK. Ein schneller Krieg im Irak mit geringen Schäden an den Erdölfeldern ließe die Energiepreise fallen, da sich die Versorgungsängste abschwächen würden. Die Verbraucher würden wieder mehr ausgeben und die Unternehmen endlich wieder investieren.

So rechnen die Investoren laut einer Studie von Risk Metrics Group, die Risikoanalysen für Investmentfirmen erstellt, mit einer 45 %igen Chance, dass sich der Rohölpreis in den kommenden Monaten um mehr als 25 % verbilligt. Einen Anstieg um mehr als 25 % hält der Markt nur zu 11,6 % für möglich.

Aber das Drehbuch lässt sich leicht umschreiben: Einige in Brand gesetzte Erdölfelder - davon gab es schon Berichte -, ein oder zwei Sandstürme, und vielleicht ein Raketenangriff auf Israel könnten alles zum Kippen bringen. Und selbst ein schneller Sieg der Alliierten vorausgesetzt: Die Überraschung dieses Krieges könnten die anhaltend hohen Energiepreise sein. Das Energieangebot liegt, teilweise wegen des Streiks der Erdölarbeiter in Venezuela, weit niedriger, als während des Golfkriegs vor zwölf Jahren. Aufgrund politischer Unruhen in Nigeria hat sich die Fördermenge des Landes von 2 Mill. Barrel pro Tag um mehr als 10 % verringert. Und die Nachfrage bleibt hoch. "Es gibt nicht genug Rohöl, um die Lagerbestände wieder aufzubauen.

Also wird sich ein Problem an das andere reihen", sagt Steve Strongin, Rohstoffexperte bei der Investmentbank Goldman Sachs. Zwar dürften sich die Rohölpreise noch etwas abschwächen. Ein Niveau von etwa 20 $ wird seiner Meinung nach aber nicht erreicht. Das knappe Angebot werde zu großen Preisausschlägen führen - oft bis über 30 $ hinaus. Auch die Erdgaspreise werden aufgrund anhaltender Angebotsengpässe vermutlich hoch bleiben. Beide Faktoren könnten die US-Wirtschaft in die Rezession stürzen. Jeder größere Ölpreis-Schock in den letzten 30 Jahren hat eine Rezession zumindest mit ausgelöst, schreiben die Investmentbanker von Merrill Lynch.

Zu den größten Verlierern zählen in einem solchen Szenario die Fluggesellschaften, bei denen die hohen Kraftstoffpreise die negativen Auswirkungen der Wirtschaftsschwäche und der Terrorangst weiter verstärken würden. Ähnlich düster wird sich dann die Lage für Bahngesellschaften, Transportfirmen und Chemieunternehmen darstellen. Auch Banken und Finanzdienstleister, die sich auf einkommensschwache Kunden konzentriert haben, würden mit steigenden Kreditausfällen konfrontiert.

Die Gewinner sind natürlich Unternehmen im Energiesektor. Die Researchfirma International Strategy & Investment geht davon aus, dass die Energiekonzerne im ersten Quartal 83 % des Gewinnwachstums aller im S&P-500-Index zusammengefassten Unternehmen erwirtschaftet haben. Der Bewertung der Firmen im Energiesektor liege ein Rohölpreis von etwa 20 $ zugrunde, sagen Branchenanalysten. Selbst fallende Energiepreise könnten ihnen also nichts anhaben.

Wenn der Markt aber eine Neubewertung der massiven Gewinne in der Branche vornimmt, dann stehen Energietitel vor einer kräftigen Erholung. Analysten revidierten zuletzt ihre Gewinnprognosen für Erdölfirmen im ersten Quartal um 43 % nach oben, während der Ausblick für den Restmarkt gesenkt wurde.

Mitarbeit: Ulf Sommer

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