Eine vollbeschäftigte Frau auf ehrenamtlicher Basis
Christiane Herzog - mehr als die "Nelke an Romans Knopfloch"

Christiane Herzog ist ihrem Krebsleiden erlegen. Die Frau von Alt-Bundespräsident Roman Herzog hatte jahrelang unbemerkt von der Öffentlichkeit gegen die Krankheit angekämpft.

Reuters MÜNCHEN. Das Münchner Büro Herzogs teilte am Montag mit, die 63-Jährige sei in den Morgenstunden gestorben. Die Herzogs waren knapp 42 Jahre verheiratet. Christiane Herzog hatte sich unter anderem für die Bekämpfung der Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose eingesetzt und zwei erfolgreiche Kochbücher geschrieben. Erst in der vergangenen Woche war ihre fortgeschrittene Krebserkrankung bestätigt worden.

Roman Herzog hatte am Wochenende kurzfristig seine Teilnahme am laufenden EU-Gipfel in Porto abgesagt. Christiane Herzog war nach Angaben des Büros ihres Mannes bereits während dessen Amtszeit als Staatsoberhaupt, die von 1994 bis 1999 dauerte, erkrankt. Sie sei auf seine Hilfe angewiesen gewiesen, deswegen habe er die meisten Termine außerhalb Münchens abgesagt, teilte das Büro mit. Roman Herzog sagte der "Bild"-Zeitung: "In dieser schwierigen Zeit weiß ich, wo mein Platz ist." Der Zustand seiner Frau verschlechterte sich offenbar zusehends, denn erst danach sagte er kurzfristig auch die Teilnahme am EU-Gipfel ab.

CDU-Chefin Angela Merkel sprach dem langjährigen Parteimitglied Herzog und seiner Familie ihr Beileid aus. "Mit ihrer großen Menschlichkeit und ihrer Bürgernähe hat Christiane Herzog einen festen Platz in den Herzen der Bevölkerung erobert." Sie sei im Wortsinne eine First Lady gewesen.

1993 war Roman Herzog, damals Präsident des Karlsruher Bundesverfassungsgerichts, nach dem Scheitern des CDU-Kandidaten Steffen Heitmann vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl gebeten worden, für das höchste Amt im Staate zu kandidieren. Obwohl sich die Herzogs auf den Ruhestand eingestellt hatten und auf lange Reisen freuten, stellten sie sich der neuen Aufgabe. Über die Frage, ob sich Roman Herzog für eine zweite Amtszeit zur Verfügung stelle, gab es lange Unklarheit, schließlich lehnte er ab, und der SPD-Kandidat Johannes Rau übernahm das hohe Amt.

Selbstdisziplin und eisernes Pflichtgefühl galten als hervorstechende Eigenschaft der einstigen First Lady. Christiane Herzog wurde als Tochter eines evangelischen Pfarrers in München geboren und wuchs im Allgäu, in Oberbayern und Niederbayern auf. Sie und ihr späterer Mann gingen beide in Landshut auf das Gymnasium. Er wurde Jurist, sie studierte Pädagogik und wurde Hauswirtschaftslehrerin an einer Sonderschule. Nach der Heirat 1958 gab sie die Arbeit auf und hielt ihm den Rücken frei.

Später nannte sie sich einmal eine "vollbeschäftigte Frau auf ehrenamtlicher Basis". Dennoch wollte sie nie nur die "Nelke an Romans Knopfloch" sein, wie sie selbst sagte. Bekannt wurde sie mit ihrem Einsatz für die Mukoviszidose-Stiftung, die sie 1986 gründete. Sie wirkte auch für das Müttergenesungswerk und das Kinderhilfswerk Unicef. Das Kochen war ihre Leidenschaft, dem sie in zwei Büchern, aber auch im Fernsehen nachging. So lud sie in der ARD-Show "Zu Gast bei Christiane Herzog" Prominente von Film bis Sport ein, um mit ihnen zu plaudern und zu kochen.

Vor einem Jahr waren die Herzogs aus dem Schloss Bellevue in Berlin, dem Dienstsitz des Bundespräsidenten, nach Dachau bei München gezogen, wo sie eine 150 Quadratmeter große Neubauwohnung bezogen. Christiane Herzog hinterlässt neben ihrem Mann zwei erwachsene Söhne: den 1959 geborenen Markus, von Beruf Patentanwalt, und den 1964 geborenen Hans Georg, Ingenieur.



Wegen des Todes seiner Frau hat der frühere Bundespräsident Roman Herzog den Vorsitz des EU-Gundrechte-Konvents niedergelegt. Das gab der portugiesische Europa-Minister Francisco Seixas da Costa beim EU-Gipfel am Montag im portugiesischen Feira bekannt. Herzog hatte das Amt im Dezember übernommen. Vorübergehend soll nun sein bisheriger Stellvertreter Inigo Mendez da Vigo die Aufgabe wahrnehmen. Er hatte Herzog bereits am Montagmorgen beim EU-Gipfel vertreten, wo der frühere Bundespräsident vor den Staats- und Regierungschefs eigentlich den bisherigen Stand der Arbeit in dem Gremium referieren sollte.

Das Konvent soll bis Dezember eine Grundrechts-Charta für die EU ausarbeiten. Den Auftrag dazu hatten die Staats- und Regierungchefs der Union vor einem Jahr in Köln gegeben. Sie erhoffen sich davon eine engere Bindung der Bürger an die EU.

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