Eine Wachstumsstütze weniger
Deutscher Exportmotor stottert

Der Außenhandel wird in diesem Jahr wohl nicht mehr wie in den vergangenen Jahren zum deutschen Wirtschaftswachstum beitragen. Erstmals seit Mitte 2002 sanken die Exporte im April im Vergleich zum Vorjahr.

Reuters BERLIN. Die deutsche Wirtschaft habe 3,4 % weniger als im April 2002 exportiert, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Die deutsche Wirtschaftsleistung wird im zweiten Quartal nach Einschätzung des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erneut leicht abnehmen. Damit befände sich Deutschland endgültig nach gängiger Definition in einer leichten Rezession, da das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bereits zu Jahresanfang überraschend geschrumpft war.

Während einige Volkswirte für Gesamtdeutschland auch im Gesamtjahr einen Rückgang des BIP nicht ausschließen, wird die ostdeutsche Wirtschaft nach Einschätzung des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) zumindest um ein halbes Prozent wachsen.

"Im Gegensatz zu den vergangenen beiden Jahren wird der Außenhandel dieses Jahr wohl keinen Wachstumsbeitrag leisten", sagte Lothar Hessler von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank sieht die Aussichten für den Außenhandel ebenfalls pessimistisch: "Wir gehen davon aus, dass die Nettoexporte sogar ein halben Prozentpunkt vom Wachstum abhobeln werden." Entscheidend für den Wachstumsbeitrag ist die Entwicklung der Differenz aus Ein- und Ausfuhren. Bereits im ersten Vierteljahr waren die Importe deutlich stärker gestiegen als die Exporte, weswegen der Außenbeitrag das Wachstum dämpfte.

Importe gingen ebenfalls deutlich zurück

Im Vergleich zum März setzten die deutschen Exporteure nach Angaben des Statistikamtes saisonbereinigt 2,2 % weniger ab. Da der Irak-Krieg erst Anfang April zu Ende gegangen war, dürfte sich der Konflikt im April noch auf den Handel ausgewirkt haben, sagten die Analysten. Auch die Importe gingen deutlich zurück. Sie lagen 3,6 % unter Vorjahresniveau und 4,8 % unter dem Stand vom März.

Der jüngste Anstieg des Euro spiegelt sich noch nicht in der Handelsstatistik wieder - der Euro etablierte sich erst im Mai deutlich über der Marke von 1,10 Dollar. "Der starke Euro wird sich im Laufe des Jahres noch bemerkbar machen", prognostizierte Hessler. In den beiden vergangenen Jahren bewahrte allein der starke Export die deutsche Wirtschaft vor dem Schrumpfen.

In den ersten vier Monaten dieses Jahres exportierte und importierte Deutschland insgesamt allerdings mehr als vor einem Jahr. In der Handelsbilanz verbuchte Deutschland im April den Angaben zufolge einen Überschuss von 9,2 Mrd. ?. Die Leistungsbilanz schloss mit einem Überschuss von 3,1 Mrd. ? ab.

DIW sieht Rezession

Die deutsche Wirtschaft steckt nach Ansicht der Konjunkturforscher vom DIW derzeit in einer Rezession. "Erste Ergebnisse des DIW Berlin für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im zweiten Quartal dieses Jahres weisen einen weiteren Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,1 % aus", teilte das Institut mit. Sowohl Produktionsindizes als auch Umsatzindizes im Handel deuteten nicht auf eine Festigung der konjunkturellen Entwicklung hin. "Auch vor dem Hintergrund des anhaltenden Beschäftigungsabbaus wird die rückläufige Tendenz von den Dienstleistungsbereichen kaum kompensiert werden können."

Nach Einschätzung der IWH-Forscher wird die Wirtschaft in Ostdeutschland in diesem Jahr etwas schneller wachsen als in Westdeutschland. "Das Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr um 0,5 % und damit vorübergehend etwas stärker als in den alten Ländern steigen", hieß es in einer IWH-Studie. Die ostdeutsche Arbeitslosigkeit werde jedoch bis weit in das kommende Jahr hinein zunehmen, da die Firmen ihre Produktion durch Rückgriff auf Reserven steigern könnten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%