Eine Welt aus dem Computer
Technik-Oscar für Dortmunder Tüftler

Dämonen und Geister machen die vorgeschichtliche Welt von Mittelerde unsicher, Vogelschwärme dienen grausamen Herrschern als Späher. Peter Jacksons Tolkien-Filmepos "Der Herr der Ringe" wären undenkbar ohne die Computer-Tüftler Rolf Schneider und Uwe Sassenberg aus Dortmund.

dpa DORTMUND. Dafür nehmen die beiden zusammen mit Vertretern von 20 weiteren Unternehmen am 2.März in Los Angeles den Technik-Oscar, den Technical Achievement Award, der Academy of Motion Picture Arts and Sciences entgegen.

Das preisgekrönte Programm "3D-Equalizer" der Dortmunder rekonstruiert anhand des Filmmaterials die Wege der Kamera und macht es möglich, täuschend echte Computeranimationen in den Film zu kopieren. Aus der Analyse des zweidimensionalen Materials errechne die Software dreidimensionale Bewegungen von Menschen, Tieren oder Objekten im Film, sagt der 33 Jahre alte Informatiker Schneider.

"Eine Szene auf die herkömmliche Weise von Hand anzupassen, dauert vier Wochen, unsere Software benötigt eine Viertelstunde." Da bleibt reichlich Zeit, um den Massenheeren auf der Leinwand den Weg zu bahnen. "Viele Orks, etwa in den Minen von Moria, sind computeranimiert. Dafür wurden nicht Zehntausende von Komparsen genommen", erläutert Schneider. Die betreffenden Sequenzen wurden mit identischer Kamerafahrt gedreht und dann übereinander kopiert. So entstanden auch die fantasievollen Gebäude von Mittelerde inmitten der Landschaften Neuseelands.

Mit Computeranimationen erfolgreich

Doch nicht nur Tolkiens Fantasy-Epos lebt dank Dortmunder Technik. Schneider und der 35 Jahre alte Physiker Sassenberg zählen mehr als 100 Postproduktions-Firmen zu ihren Kunden, in Hollywood, Japan, Großbritannien, Australien, Frankreich und Deutschland. Diese Kunden verwendeten das Programm schon für rund 60 Filmproduktionen, darunter "Gladiator", "Tomb Raider" und "Matrix". Der "Gladiator" erhielt denn auch den Oscar für die Spezialeffekte. Ende 1995 gründeten die beiden Computer-Freaks die Firma Science D Visions, nachdem sie sich schon seit Ende der 80er Jahre mit Computeranimationen beschäftigt hatten.

"Es gab damals keine vernünftigen Techniken, Computeranimation mit Realfilm zu mischen", erinnert sich Schneider. Die erste Version des 3D-Equalizers erschien 1996. "Das Programm kommt komplett ohne Messung aus und braucht keine Informationen vom Set", erklärt Sassenberg. Sein Kollege sagte stolz: "Ich würde nicht behaupten wollen, dass wir das allerbeste Programm haben, aber wir liegen weit vorne."

Mit ihrer Technik haben die Dortmunder die Profis überzeugt. "Da haben die Jungs Pionierarbeit geleistet", meint der Leiter der 3D- Abteilung der Postproduktionsfirma Das Werk in München, David Hofmann. Zwar sei das Programm mit 20 000 Mark (10 226 Euro) nicht billig, aber es erspare Tricktechnikern unglaublich viel Arbeit. "Was dahinter steckt, fällt nicht auf. Aber wenn eine Szene nicht perfekt aussieht, merkt es jeder", erklärt der 33-Jährige.

Ihr Erfolg wird den Dortmundern erst langsam klar. "Wir haben uns natürlich gefreut, aber man kann nicht sagen, dass die Sektkorken knallten", berichtet Schneider, "aber vielleicht kommt die Partystimmung später, wenn wir im Smoking dastehen und die Urkunde in Empfang nehmen." Er freut sich dagegen über ganz andere Dinge: "Unsere Software wurde bei Stanley Kubricks letztem Film "Eyes Wide Shut" eingesetzt. Das ist etwas Besonderes, seine Filme sind legendär."

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