Eine Woche nach der Festnahme
Freilassung der Deutschen in Afghanistan am Mittwoch möglich

Eine Woche nach ihrer Festnahme in Afghanistan wuchs am Sonntag die Hoffnung auf Freilassung der Helfer aus Deutschland, Australien und den USA bis kommenden Mittwoch. Diplomaten wiesen jedoch darauf hin, dass die Taliban auch Visa - Zusagen nicht eingelöst hätten und ein Schauprozess gegen die Mitarbeiter der deutschen Hilfsorganisation "Shelter Now" nicht auszuschließen sei.

dpa KABUL/ISLAMABAD. Taliban-Anführer Mullah Mohammad Omar ordnete an, dass die acht ausländischen Shelter-Mitarbeiter nach dem Ende der Ermittlungen wegen angeblicher christlicher Missionierung ausgewiesen werden. Dagegen wuchs die Befürchtung, dass die 16 afghanischen Helfer von Shelter Now hingerichtet werden könnten, weiter. Diplomaten warteten in Pakistan erneut vergeblich auf Visa für eine Afghanistan-Reise.

Die Taliban hatten die vier Deutschen, zwei Australier, zwei US- Bürger und 16 Afghanen am 4. und 5. August festgenommen und werfen ihnen vor, sie hätten Moslems zum Christentum zu bekehren versucht. Angeblich wurden Schriften und Videos gefunden. Der Projektleiter aus Bayern soll nach Angaben der Taliban um Vergebung gebeten haben. Zwei Dekrete Omars schreiben für Afghanen, die vom Islam zu einer anderen Religion wechseln oder sie predigen, die Todesstrafe vor. Ausländern droht für Missionierung drei bis zehn Tage Gefängnis.

Diplomaten nehmen an, dass die Taliban den weiteren Ablauf bereits festgelegt haben. Demnach könnten sie die acht Ausländer schuldig sprechen und zugleich den Diplomaten Visa erteilen, um die Gefangenen abzuholen. Ob dies schon am Dienstag oder Mittwoch geschieht, hänge davon ab, ob die zehn Tage Untersuchungshaft als Strafe angerechnet werden. Von den Treffen mit den Diplomaten in Kabul könnten sich die Taliban eine Aufwertung versprechen. Ihr Regime wird nur von Pakistan, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten anerkannt.

Staatssekretär Dschalaluddin Schinwari sagte dem UN-Beauftragten Francesc Vendrell zu, für die acht Ausländer gelte das Dekret Nr. 14, das zehn Tage Gefängnis vorsieht. Religions- und Sittenminister Mohammad Wali sagte aber, über das Schicksal der Shelter-Mitarbeiter sei noch nicht entschieden. Er forderte harte Strafen für Missionare.

Nach Ansicht von Beobachtern bezog er sich damit auf die gefangenen Afghanen. Auch den Eltern von 65 Jungen, die eine Shelter- Schule besucht hatten, drohten die Taliban Strafen an, weil sie ihre Kinder nicht von christlichem Einfluss fern gehalten hätten. Die Jungen wurden am Samstag freigelassen, nachdem die Taliban sie vor einer Woche in ein Erziehungslager gesteckt hatten.

Diplomaten aus Deutschland, den USA und Australien warteten weiter auf Visa, um ihre Landsleute besuchen zu können. "Wir können nicht zulassen, dass die Diplomaten die Häftlinge während der Ermittlungen sehen", sagte Taliban-Außenminister Wakil Ahmad Mutawakil. Während die fünf Männer in Kabul in einem Gefängnis der Religionspolizei einsitzen, werden die drei Frauen aus Niedersachsen in einem Jugendgefängnis festgehalten.

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