Eine Woche nach Sendestart hitzige Debatte
"Big Brother" in Frankreich: Empörung und hohe Einschaltquoten

afp PARIS. Eine Woche nach dem Start der französischen Ausgabe von "Big Brother" ist die Debatte um die Sendung in Frankreich in vollem Gange. Die Pariser Tageszeitungen "Le Monde" und "Libération" machten am Donnerstag die Diskussion um "Loft Story" zu ihrem Aufmacher. Während zahlreiche Kritiker die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und das "Spanner"- und "Trash-TV" anprangern, meldet der Privatsender M6 einen Zuschauerrekord nach dem anderen. Bei der Erstaustrahlung der Sendung am Donnerstagabend vergangener Woche schalteten 5,2 Millionen Franzosen ein. "Loft Story - keiner mag es, aber alle schauen zu", titelte "Libération".

"Das sind keine Personen mehr, sondern Ratten in einem Käfig", kritisierte der Psychiater Serge Hefez. "Wer beobachtet wird, wird entmenschlicht." Viele Zuschauer beschweren sich hingegen, dass der Internet-Zugang überlastet und nur im Bezahlfernsehen die unzensierte Fassung zu sehen ist. Derweil sorgt die Sendung auch unter den Abgeordneten der Pariser Nationalversammlung für Gesprächsstoff. Die konservative Abgeordnete Roselyne Bachelot bezeichnete die Teilnehmer von "Loft Story" als "Schwachköpfe". Allerdings sei das Interesse der Politiker daran bemerkenswert. Neuerdings spielten die Abgeordneten das Fragespiel: Mit wem Ihrer Kollegen würden sie in diese TV-Wohnung ziehen? Da jemanden zu finden sei wirklich nicht einfach, sagte Bachelot.

Der immense Erfolg der Sendung rief auch den Medienkontrollrat auf den Plan, der die Produzenten der Sendung aufforderte, alles zu verhindern, was die Menschenwürde verletzen könnte. Andernfalls drohe Zensur. Die Regeln von "Loft Story" sind ähnlich wie bei den anderen "Big-Brother"-Ausgaben, die in mehreren Dutzend Ländern zu sehen sind. Bisheriger Höhepunkt war in der Nacht zum vergangenen Sonntag: Die Striptease-Tänzerin Loana sprang in den Swimmingpool, zog ihr Bikini-Oberteil aus und küsste Jean-Edouard. Das Gewinnerpaar der auf 70 Tage angesetzten "Loft Story" bekommt ein Haus in Südfrankreich geschenkt - aber nur, wenn beide es darin noch einmal sechs Monate beobachtet von Kameras gemeinsam aushalten.

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