Eine Zinserhöhung in diesem Jahr gilt als sicher
EZB-Leitzinsen bleiben unverändert

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen in der Euro-Zone erwartungsgemäß unverändert gelassen.

rtr FRANKFURT. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins betrage weiterhin 3,25 %, teilte die EZB am Donnerstag nach ihren Beratungen in Frankfurt mit. Volkswirte hatten fast einstimmig mit dieser Entscheidung gerechnet. "Alles andere wäre eine Riesenüberraschung gewesen", sagte Julian von Landesberger von der Hypovereinsbank. Eine Zinserhöhung in diesem Jahr gilt jedoch als sicher - uneinig sind sich die Analysten nur über den Zeitpunkt. Einige erwarten eine Erhöhung schon im Juli, andere erst nach der Sommerpause im September. "Der Rückgang der Inflation in der Euro-Zone auf 2,0 % im Mai hat der EZB eine Verschnaufpause verschafft. Entscheidend ist jetzt der Konjunkturverlauf", sagte Landesberger.

Die Finanzmärkte reagierten zunächst kaum auf die Entscheidung der Notenbank. Der Euro notierte weiter um 0,9390 Dollar. Analysten warten nun mit Spannung auf die Pressekonferenz mit EZB-Chef Wim Duisenberg um 14.30 Uhr, von der sie sich weitere Aufschlüsse auf die zukünftige EZB-Politik versprechen.

Euro-Anstieg dämpft Inflationssorgen

Sorgen bereitet der EZB nach Einschätzung von Experten, dass die Inflation noch immer nicht wie ursprünglich erwartet unter die EZB-Toleranzgrenze von zwei Prozent gesunken ist. "Die Inflation hält sich hartnäckig - die EZB ist noch nicht da, wo sie sein möchte", sagte von Landesberger. Besonders unangenehm sei es für die EZB, dass die langfristigen Inflationserwartungen gestiegen sind - unter anderem wegen des hohen Wachstums der Geldmenge M3 und der hohen Lohnabschlüsse in Deutschland. Gleichzeitig lahme die Konjunktur jedoch. "Die EZB steckt in einer strategischen Bredouille", sagte Landesberger.

Der gestiegene Außenwert des Euro erleichtert der EZB nach Einschätzung von Volkswirten das Abwarten, weil die Kursgewinne die Inflationsgefahr in der Euro-Zone bereits etwas dämpfen. Die meisten Experten sind überzeugt, dass die EZB erst handfeste Belege für den Aufschwung abwartet, bevor sie zur Tat schreitet. Am Mittag schürte ein überraschend deutlicher Anstieg der Auftragseingänge in Deutschland Hoffnungen, dass der Aufschwung bald an Fahrt gewinnt. Die Bestellungen stiegen im April vor allem wegen einer kräftigen Inlandsnachfrage um Plus 2,3 % zum Vormonat. Das war der erste monatliche Anstieg in diesem Jahr.

Bisher hatten reale Daten nur eine Stabilisierung der konjunkturellen Lage in Europa belegt, obwohl Frühindikatoren den Aufschwung signalisieren.

2001 hatte die EZB angesichts der Wirtschaftsflaute in der Euro-Zone den Schlüsselzins in vier Schritten um insgesamt 1,50 %punkte reduziert.

Auch den Zinskorridor für den Geldmarkt ließ die Zentralbank unverändert. Die Sätze dafür betragen weiterhin 2,25 % für Übernachteinlagen der Banken bei der EZB (Einlagenfazilität) und 4,25 % für Übernachtkredite (Spitzenrefinanzierungsfazilität). Auch die Notenbanken in Großbritannien, Schweden und der Schweiz ließen ihre Leitzinsen am Donnerstag unverändert.

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