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Eine Zinssenkung am Donnerstag ist unwahrscheinlich

EZB-Präsident Wim Duisenberg hat am Dienstag das derzeitige Zinsniveau in der Euro-Zone als angemessen bezeichnet und damit nach Einschätzung von Analysten Erwartungen auf eine Zinssenkung schon am Donnerstag gedämpft.

rtr STRAßBURG. Das Zinsniveau sei einem stabilen Preisniveau derzeit angemessen. "Seit der vergangenen Ratssitzung gab es keine Informationen, die eine Änderung dieser Haltung rechtfertigen würden", sagte Duisenberg vor dem Europäischen Parlament in Straßburg. Analysten werteten dies als klares Signal gegen eine anstehende Zinssenkung. Diese halten viele wegen der schwachen Konjunktur in der Euro-Zone zwar für notwendig. Die aktuell hohe Inflation spreche aber gegen einen solchen Schritt.

Der EZB-Rat entscheidet am Donnerstag über die Leitzinsen in der Euro-Zone. Nach Einschätzung von Volkswirten signalisierte der EZB-Präsident mit seinem Hinweis auf die unveränderte Haltung der EZB, dass die Notenbank am Donnerstag trotz der erlahmenden Konjunktur in der Euro-Zone die Zinsen nicht verändern wird. "Das ist ein klares Signal, dass die EZB an dem bisherigen Zinsniveau festhalten wird", sagte Michael Schubert, Volkswirt von der Commerzbank. Bis zum Donnerstag seien keine wichtigen Konjunkturdaten aus der Euro-Zone mehr zu erwarten, die die Einstellung der Währungshüter noch ändern könnten. Duisenberg habe damit aber die Entscheidung seiner EZB-Ratskollegen vorweggenommen, kritisierte Schubert.

Die EZB bleibt Duisenberg zufolge im Hinblick auf die Inflationsgefahren wachsam. Der Erhalt stabiler Preise auf mittlere Sicht sei weiterhin oberste Aufgabe der Währungshüter. Der gegenwärtige vorübergehende Preisdruck dürfe sich nicht in einen längerfristigen Trend niederschlagen. Deshalb seien weiterhin moderate Lohnabschlüsse in der Euro-Zone entscheidend. Duisenberg bekräftigte, dass die Teuerungsrate in der Euro-Zone im kommenden Jahr unter die EZB-Toleranzgrenze von 2,0 % sinken werde, falls es nicht zu einem externen Schock kommen sollte. Die Notenbank werde weiterhin die Entwicklung von Geldmenge, Preisen und Wirtschaftswachstum aufmerksam beobachten.

Von Seiten der Geldmenge seien die Aussichten für stabile Preise günstig, sagte Duisenberg. Berücksichtige man die statistische Verzerrung des Geldmengenwachstums, habe dies zuletzt weitgehend dem Referenzwert der EZB von 4,50 % entsprochen. Die Kreditvergabe der Banken an den privaten Sektor sei zudem langsamer gewachsen. Die Geldmenge ist neben einer umfassenden Beurteilung der Inflation entscheidendes Kriterium für die Zinsentscheidungen der EZB. Die Geldmenge M3 expandierte im Mai in der Jahresrate um 5,4 (April 4,8) Prozent.

Analysten hatten nur 4,9 % erwartet. Das unerwartet stärkere Geldmengenwachstum in der Euro-Zone signalisierte Analysten zufolge weiterhin bestehende Inflationsrisiken. Die EZB werde mit einer Zinssenkung wegen der jüngsten Daten zum Geldmengenwachstum noch zögern, sagte Uwe Angenendt, Chef-Volkswirt der BHF-Bank. "Das hat Duisenberg jetzt offenbar signalisiert", fügte er hinzu.

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