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Eine zweite Chance

Sie haben bitteres Lehrgeld bezahlt, die kleinen roten Ameisen bei Letsbuyit.com. Nachdem man ihnen beinahe im Februar ihren mühsam errichteten Bau zugeschüttet hatte und die letzten Wintervorräte aufgebraucht waren, war allen klar: fleißig sein alleine reicht nicht. Und eine gute Idee ist noch lange kein Businessmodell.

Wer bei 38 Mio. Euro Umsatz fast 142 Mio. Euro Verlust einfährt, macht halt einfach kein Geschäft. Auch im Internet kann man auf Dauer nicht die Mark für neunzig Pfennige verkaufen. Was ist also zu tun?

Zunächst hat das neue Management das übliche Programm abgespult: Entlassungen, Filialschließungen, Kostenstraffung und-kontrolle, Einschränkung der Expansionspläne. Das ist völlig richtig, es bringt Umsatz und Verlust erst einmal näher zusammen. Aber natürlich reicht das nicht. Sparen ist auch kein Businessmodell.

Jetzt soll das Schnäppchenparadies Letsbuyit.com mittelfristig - wahrscheinlich ab Mitte des Jahres - zum Shoppingportal ausgebaut werden. Also nicht mehr nur Sammeleinkäufe nach dem Motto je mehr Käufer, besto billiger, sondern auch klassischer Versandhandel. Das erklärte der Strategievorstand Rolf Hansen gegenüber dem Handelsblatt.

Das klingt gut. Denn es ist eine logische Erweiterung des bestehenden Konzepts, ohne das bekannte Terrain zu verlassen, und verspricht eine deutliche Erweiterung der Zielgruppe. Viele potenzielle Käufer haben keine Lust (oder keine Zeit), Wochen zu warten, bis der Angebotszeitraum abgelaufen ist und feststeht, was das Objekt der Begierde nun kosten soll. Diese Schicht der Spontankäufer hat die Webseite mit der Ameise als Sympathieträger bislang gemieden.

Zukunft im Ameisenhügel vielleicht wieder rosiger

Wenn sich das ändert, sieht die Zukunft im Ameisenhügel vielleicht wieder rosiger aus. Denn ein Großteil der aufgelaufenen Verlust wird auf hohe Investitionen in den Markenaufbau zurückgeführt, also Marketing, Promotion und Werbung. Nun kommt es darauf an, diese Bekanntheit bei so vielen Kunden wie möglich so schnell wie möglich in Käufe umzuwandeln und den bestehenden Fixkostenapparat besser auszulasten.

Die Chance für den Neubeginn ist gegeben: Lestbuyit.com hat neue, an harte Auflagen gebundene Investitionszusagen von 25 Mio. Euro in Eigenkapitalform bekommen. Eine New Yorker Investorenrunde, die Gem Group, will noch einmal Geld einschießen.

Ameisen sind für ihre Zähigkeit bekannt. Diese Tugend scheint auch die roten Web-Ameisen von Letsbuyit auszuzeichnen, die es zumindest schon einmal geschafft haben, einen fast unvermeidlichen Exitus zu verhindern. Das ist mehr, als manch anderer Web-Startup von sich behaupten kann und sicher eine gute Voraussetzung, um im gnadenlosen Versandhandelsgeschäft bestehen zu können. Denn das ist auch klar: Mit der Idee des Versandhandels im Internet kommt Letsbuyit reichlich spät. Das können auch andere gut, wie etwa Quelle.de oder Tschibo.de bereits exzellent unter Beweis gestellt haben.

Bald wird sich also zeigen, was von den "Investitonen in den Markenaufbau" wirklich Investitionen und was verbranntes Geld ist. Am Ende des nächsten Jahres wollen die roten Ameisen schwarze Zahlen schreiben.

Schreiben Sie dem Autor: A.Postinett@vhb.de

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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