Einem Arafat-Vertrauten zufolge zeichnen sich keine Fortschritte ab
Clinton hält Einigung in Camp David weiter für möglich

Alle Beteiligten hätten sich dafür ausgesprochen, in Camp David jetzt rund um die Uhr zu verhandeln, hieß es auf israelischer Seite.Die Gespräche würden aber nicht unbegrenzt fortgesetzt, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums.

dpa CAMP DAVID/GAZA. US-Präsident Bill Clinton hält nach 14-tägigen Verhandlungen eine Vereinbarung beim Nahost-Gipfel in Camp David weiter für möglich. Das lasse sich aus der Intensität der auch über Nacht andauernden Gespräche schließen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Joe Lockhart, am Montag. Clinton glaube offensichtlich, dass es sich zu diesem Zeitpunkt lohne, "noch hier zu bleiben".

Clinton führte nach seiner Rückkehr aus Japan am Sonntagabend (Ortszeit) bis fünf Uhr morgens Gespräche und saß nach nur wenigen Stunden Schlaf am Montag wieder am Verhandlungstisch, wie Lockhart schilderte. Daraus könne man folgern, dass der Präsident nach wie vor das "Potenzial" für eine Einigung sehe.

Lockhart lehnte aber mit Hinweis auf die andauernde Nachrichtensperre und die "enorm schwierigen Fragen" jede Prognose ab. "Die Perspektive ist da, aber es ist unmöglich, den Ausgang voraus zu sagen", erklärte der Sprecher. Es werde weiter verhandelt, bis klar sei, ob es noch Zweck habe. Hauptstreitpunkt bei den Gesprächen, die mit ihrer Dauer inzwischen den 13-tägigen israelisch- ägyptischen Original-Gipfel von Camp David 1978 übertroffen haben, ist nach wie vor der künftige Status von Jerusalem.

Wie am Verhandlungsort verlautete, wurden bis zu einer Entscheidung über Erfolg oder Misserfolg Gespräche "rund um die Uhr" vereinbart. Lockhart zufolge strebt Clinton aber an, den Gipfel am Dienstag wegen einer Verpflichtung in Arkansas vorübergehend zu verlassen. In Delegationskreisen hieß es, die Verhandlungen hätten einen kritischen Punkt erreicht. Innerhalb der nächsten 24 bis 48 Stunden werde sich wahrscheinlich entscheiden, ob eine Fortsetzung noch Sinn mache.

Auf der palästinensischen Seite hatte sich am Wochenende deutlicher Pessimismus bemerkbar gemacht. Tajeb Abdel Rahim, Stabschef von Jassir Arafat, sagte am Sonntagabend in Gaza, er habe mit dem Palästinenser-Präsidenten telefoniert. Es könne von keinem Fortschritt berichtet werden. Das gelte nicht nur für den Hauptstreitpunkt Jerusalem, sondern auch für die anderen Bereiche Flüchtlinge, Wasserrechte, Grenzziehung und Sicherheit. Rahim bekräftigte zugleich, dass die Palästinenser weiter auf voller Souveränität über Ost-Jerusalem bestünden.

Clinton hatte im Gegensatz zu Rahims Äußerungen vor seiner Rückkehr aus Japan angedeutet, dass es zumindest Fortschritte in anderen Verhandlungspunkten als Jerusalem gegeben habe. Die Jerusalem-Frage war während der Abwesenheit Clintons zurückgestellt worden, kam aber am Sonntagabend unverzüglich wieder auf den Tisch, wie es hieß.

Der US-Präsident ließ sich zunächst von Außenministerin Madeleine Albright und seinem Mitarbeiterstab über den Stand der Gespräche informieren. Dann traf er getrennt mit Arafat und dem israelischen Regierungschef Ehud Barak zusammen. Anschließend gab es ein gemeinsames Abendessen mit Barak, Arafat und mehreren Delegationsmitgliedern.

Nach Medienberichten liegt ein amerikanischer Kompromissvorschlag auf dem Tisch, der eine palästinensische Kontrolle über Randgebiete Ost- Jerusalems vorsehen soll. Barak hat dem Plan angeblich zugestimmt, Arafat soll ihn kategorisch abgelehnt haben. Wegen der anhaltenden Nachrichtensperre in Camp David gibt es dafür jedoch keine offizielle Bestätigung.

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