Einen Durchbruch dürfte es in diesem Jahr für kabellose Übertragungstechniken geben
Neue Handy-Generation

Handys in Gold- und Silberhüllen oder mit Brillanten besetzt - mit solchen Luxusausführungen will Nokia das Mobiltelefon wieder zum Statussymbol machen. Aber das werden Produkte für enge Nischen bleiben, der Massenmarkt lässt sich nur über neue Technologien erobern. Und in diesem Jahr sieht es so aus, als ob einige viel versprechende Techniken den Kinderschuhen entwachsen und dem Markt neue Impulse geben.

DÜSSELDORF. An erster Stelle sind die GPRS-Handys zu nennen, die höhere Datenübertragungsraten ermöglichen. In der Kombination mit Farbbild-Displays waren die Geräte offenbar schon im Weihnachtsgeschäft ein Renner, denn in dieser Woche kündigte das Joint Venture Sony-Ericsson eine Erhöhung der Produktion an. "Die GPRS-Handys sind jetzt schon sehr beliebt, und ausnahmsweise hat einmal nicht Nokia die Nase vorn", sagt Theo Kitz, Branchenanalyst bei Merck Finck & Co. Die Finnen hätten aber schnell reagiert und ihren Terminplan für solche Produkte in diesem Jahr vorgezogen.

Wie entscheidend es sei, immer neue Modelle anzubieten, habe sich bei Motorola gezeigt. Als das Unternehmen mit seinem Modell "Timeport 260" als Pionier bei den GPRS-Handys auftrat, habe es sofort Marktanteile gewonnen, erläutert Kitz. Bei den GPRS-Handys werden viele Konsumenten, vor allem Geschäftsleute, nicht zweimal überlegen, meint Kitz, und für die Teenager seien die neuen Modelle sowieso ein Muss. "Die Mundpropaganda unter den jungen Leuten spielt hier eine ganz große Rolle."

Aber trotz der Nachfrageimpulse durch die neuen Handy-Modelle darf man den Markt nicht durch die rosa Brille sehen. Die Analysten von Merrill Lynch haben etwa die Nokia-Aktie unverändert auf neutral eingestuft. Die Gründe: einmal die starke Kurserholung bei Nokia und Ericsson seit dem 11. September, und eine voraussichtlich weltweit verhaltene Gesamtnachfrage im ersten Quartal. Wenn die Arbeitsplätze wackeln, sind die Verbraucher verunsichert. Viele Zulieferer der Branche haben signalisiert, dass der Auftragseingang für die ersten drei Monate eher schwach ist. Die Analysten von JP Morgan haben die Nokia-Aktie auf "Market Performer" mit einem Kursziel von 26 Euro für Ende 2002 gesetzt. Der faire Wert liege zwischen 18 bis 20 Euro, entsprechend dem 20fachen des geschätzten Gewinns für 2003.

Wenn man als Anleger aber einen längeren Zeithorizont hat, der über dieses Jahr hinausreicht, so bleibt Nokia weiter die erste Wahl. Nokia habe sich in der Vergangenheit als führender Erneuerer der Branche gezeigt und werde diese Rolle wahrscheinlich auch beibehalten, erläutert Jeffrey Schlesinger von UBS Warburg. Aber es werde keine einfache Sache, denn die Branche müsse in den nächsten drei Jahren mehr technologische Veränderungen bewältigen als in der gesamten zurückliegenden Dekade.

Zum größten Konkurrenten könnte Sony-Ericsson aufsteigen, denn für Analyst Kitz ergibt sich eine Traumkombination aus Technologie (Ericsson) und Marketingerfahrung (Sony). Eine weitere Bedrohung kommt aus Fernost: Die GPRS-Geräte von Samsung gelten als überraschend ausgereift in der Technik und einfach in der Bedienung.

Bei den Anbietern der neuen Mobilfunkdienste dürfte es nach Meinung von vielen Analysten entscheidend sein, über eine ausreichend große Kundenbasis zu verfügen, damit sich die hohen Investitionskosten auch rechnen. "Vodafone hat hier die besten Voraussetzungen, weil sie in vielen Ländern UMTS-Lizenzen haben und viele Menschen erreichen können", sagt Analyst Benedict Evans von der WestLB. Positiv sei außerdem die geringe Abhängigkeit vom Festnetzgeschäft, das nach und nach wegbrechen werde. In diesem Zusammenhang würden Unternehmen wie die Deutsche Telekom noch Schwierigkeiten bekommen.

Einen Durchbruch dürfte es 2002 auch für die kabellose Übertragungstechniken geben, also für die "Bluetooth"-Technologie oder lokale Datennetze - etwa an Flughäfen - in der Fachsprache mit "Wireless Local Area Network" bezeichnet. "Das Geschäft kommt dieses Jahr richtig in die Gänge, wir werden höhere Absatzzahlen sehen", schätzt Analyst Kitz von Merck Finck. Vor allem die Kleinstcomputer-Anbieter Palm und Handspring dürften hier profitieren, außerdem gibt es eine gewisse Fusionsphantasie, da das Vordringen von Microsoft in den Markt einen Zusammenschluss sinnvoll erscheinen lässt.

Immer mit von der Partie ist der Chiphersteller Intel, der mit dem Pentium 4-Chip neue Dimensionen in der Rechnergeschwindigkeit eröffnet hat. Intel hat es geschafft, selbst im rezessionsgeplagten vierten Quartal 2001 einen Gewinn zu erzielen. Die Analysten von UBS Warburg halten die Aktie für eine der wenigen sicheren Wetten auf die Zukunft, nicht zuletzt deshalb, weil Intel in diesem und im nächsten Jahr weiter Marktanteile gewinne.

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