Einer der jungen Wilden im Konzern
Kurt-Ludwig Gutberlet: Der jugendliche Macher

Anfang 2001 wird der erst 43-Jährige neuer Chef von Bosch Siemens Hausgeräte. Der Mann, der bislang kaum öffentlich in Erscheinung getreten ist, übernimmt ein wohlbestelltes Haus.

HB MÜNCHEN. Der Mann ist erst 43 und doch schon ein alter Hase. Seit 17 Jahren, fast sein halbes Leben, arbeitet Kurt-Ludwig Gutberlet bei der BSH Bosch Siemens Hausgeräte GmbH. Öffentlich in Erscheinung trat der drahtige Manager mit dem rotblonden Haar bislang eher wenig. Doch das wird sich nun ändern: Am 1. Januar 2001 rückt Gutberlet als Nachfolger von Herbert Wörner, 62, an die Spitze des größten Herstellers von Waschmaschinen, Trocknern, Geschirrspülautomaten und Herden in Europa.

Obwohl Wörners Ausscheiden erst an diesem Wochenende publik wurde, hat der scheidende Chef, der in den vergangenen 13 Jahren die gemeinsame Tochter von Bosch und Siemens von einer Provinzfirma zu einem Konzern mit internationaler Geltung gemacht hat, seinen Nachfolger Gutberlet über Jahre aufgebaut und gefördert.

Sein Ticket für die Wörner-Nachfolge löste Gutberlet endgültig in seiner Zeit als BSH-Geschäftsführer bei der chinesischen Tochter in Nanjing. Nur eineinhalb Jahre - und damit erheblich früher als geplant - , benötigte er, um die Gesellschaft im Reich der Mitte operativ in die Gewinnzone zu führen. Bei seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er Anfang 1999 zum Geschäftsführer der Muttergesellschaft mit der Zuständigkeit für den Vertrieb Deutschland, Marketing, Consumer Products und Kundendienst berufen.

Gutberlet geht keinem Problem aus dem Weg

Gutberlet, der jungenhafte, fast spitzbübische Typ, zählt zur Garde der jungen Wilden im BSH-Konzern. Im Gespräch zeigt er sich sachlich und kompetent. Er, der Machertyp, geht keinem Problem aus dem Weg und entdeckt, weil er stets sehr kritisch nachbohrt, selbst da noch Schwachstellen, wo seine Mitarbeiter alles in bester Ordnung wähnten. Entscheidungen trifft er zügig, vorausgesetzt, er hat sich zuvor selbst ein genaues Bild gemacht.

Als neuer Vorsitzender der Geschäftsführung von BSH plant Gutberlet "im Prinzip keinen großen Kurswechsel". Er ist gut beraten, auf vorschnelle Profilierungsversuche zu verzichten. Denn er übernimmt von seinem Vorgänger ein wohlbestelltes Haus.

Wörner verabschiedet sich auf dem Zenit

Die rasante Expansion, fast ausschließlich resultierend aus Firmenübernahmen, verlangte im vergangenen Jahr nach einer Verschnaufpause. Wörner nutzte die Zeit, um die Strukturen anzupassen und die Kosten um jährlich 650 Millionen Mark zu drücken. Das Resultat dieser Regenerationsphase kann sich sehen lassen: Wörner verabschiedet sich auf dem Zenit: Das Jahr 2000 wird BSH mit einem Umsatzsprung auf über 12 Mrd. DM und einem Rekordgewinn abschließen.

Die Messlatte für den neuen BSH-Chef liegt hoch. Gleichwohl will Gutberlet in den kommenden Jahren primär auf internes Wachstum setzen. "Intelligente Kooperationen", wie kürzlich das Joint Venture mit Japans Hitachi für die Produktion von Waschmaschinen in Thailand, schließt er dabei aber nicht aus. Wachstumschancen will er nur selektiv nutzen, "so wie wir es vom Management her verkraften können".

Gutberlet sieht noch große Rationalisierungspotenziale

Breiten Raum räumt Gutberlet in den nächsten Jahren dem Thema Innovationsführerschaft ein. Die ohnehin hohen Investitionsaufwendungen sollen künftig stärker von der Fertigungs- auf die Produktorientierung umgeleitet werden. Weiter verbessern will Gutberlet die Prozesseffizienz - und zwar mit Hilfe neuer Kommunikationstechnologien, sprich E-Commerce, - ein Gebiet, auf dem die Hersteller von Weißer Ware ein wenig den Anschluss verpasst haben. Auch in elektronisch gestützten Geschäftsverbindungen zwischen Industrie und Handel sieht er noch große Rationalisierungspotenziale und strebt innerhalb der Branche eine Vorreiterrolle in Europa an.

Die rare Freizeit widmet der verheiratete Vater zweier Söhne vor allem der Familie. Für seine Hobbys Tennis und Skifahren bleibt da "leider viel zu selten Zeit".

Sein Vorgänger wird es da besser haben. Herbert Wörner will seine Inspirationen demnächst bei Bergwanderungen und ausgedehnten Frankreich-Reisen suchen. Doch beim Nachdenken und Entspannen allein soll es nicht bleiben. Künftig will er sich "mit Sicherheit wieder in die eine oder andere Arbeit einbringen".

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