Einer der schillerndsten Unternehmer Russlands
Michail Chodorkowskij: Fintenreicher Räuberbaron

Der Chef des zweitgrößten Ölkonzerns Russlands, Yukos, hat jetzt auch bei Kvaerner das Sagen. Er hat es auf das Ölgeschäft der Norweger abgesehen.

Seit Russlands Premier Wladimir Putin auch bei offiziellen Anlässen leger mit dunklem Anzug und schwarzem Rolli erscheint, kleidet sich auch Michail Chodorkowskij schlichter. So sitzt Russlands reichster Ölbaron des öfteren im Flanellhemd und mit Sechs-Tage-Bart an seinem Schreibtisch in der Yukos-Zentrale in Moskau. Krawatten waren ihm ohnehin meist fremd - nur auf Hauptversammlungen seines Ölkonzerns legt er sich bunte Seide um den Hals. Und noch eines bringt ihn dem Kremlchef näher - wie Putin betreibt der 38-Jährige seit seiner Jugend die Kampfsportarten Sambo und Karate.

Dabei legte Chodorkowskij die Wurzeln für sein äußerst erfolgreiches Unternehmertum bereits in der Perestrojka-Zeit Michail Gorbatschows. Da er als Jude nach dem Studium nicht in die Rüstungsindustrie durfte, machte er im kommunistischen Jugendverband Komsomol Karriere. Nebenbei nutzte er die neuen Freiheiten und handelte mit Computern.

Von 1987 bis 1989 gehörte er zu den ersten, die Teile von staatlichen Fabriken pachteten und dort auf eigene Rechnung produzieren ließen - Gorbatschow-Matrjoschka-Holzpuppen für den Export. Sein Wechsel ins Bankgewerbe 1990 dürfte allerdings schon eher dazu beigetragen haben, dass das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" den studierten Chemiker und Volkswirt dieses Jahr als reichsten Russen führt - mit einem Vermögen von umgerechnet 2,4 Milliarden Dollar. "Reicher als Rockefeller", lobt das Moskauer Wirtschaftsblatt "Wedomosti". Dabei besitzt Chodorkowskij offiziell nicht eine Aktie des von ihm geleiteten, zweitgrößten russischen Ölkonzerns Yukos, ergibt eine Anfrage bei der russischen Wertpapieraufsicht.

So bleibt vieles im Dunkeln in der Karriere Chodorkowskijs. Der Vater zweier Kinder aus zwei Ehen räumt heute sogar selbst ein, "ein Räuberbaron" gewesen zu sein, der im Zuge der russischen Privatisierung sein Imperium aufgebaut hat.

"Er war der größte aller Abzocker", sagt ein westlicher Fondsmanager in Moskau, der sich noch gut daran erinnert, wie Chodorkowskij im Zuge der Rubel- und Schuldenkrise im Herbst 1997 reihenweise West-Kreditgeber, Bankkunden, Anleger und Aktionäre leer ausgehen ließ. Seine Menatep-Bank ging Pleite, die Aktiva waren vorher auf verschlungenen Wegen auf andere Institute - wie seine neu gegründete Vertrauens- und Investitions-Bank - übertragen worden. "Aber heute hat seine Art, ein Unternehmen zu führen, Hand und Fuß", lobt der gleiche Westmanager: "Inzwischen ist Yukos die Top-Ölaktie Russlands."

So hat Chodorkowskij inzwischen nicht nur Westmanager auf Top-Positionen in seinen Ölkonzern geholt. Vielmehr gilt er jetzt sogar als Retter der schwer angeschlagenen norwegisch-britischen Kværner-Gruppe. Erst stieg er mit zehn Prozent ein, kurz darauf erhöhte der Ölbaron den Anteil auf 22 Prozent und war damit größter Aktionär. Und nun hat der schillernde Unternehmer auch noch den Sanierungsplan für Kværner entworfen.

Als Retter des Schiffs- und Anlagenbauers sieht sich der Superkapitalist aus dem Osten selbst aber nicht. "Ich habe nur dafür gesorgt, dass private Investoren Kværner unter die Arme greifen", versucht Chodorkowskij im norwegischen Fernsehen seine Rolle herunterzuspielen. Tatsächlich hat er eine völlig unbekannte russische Investorengruppe überzeugen können, sich mit 190 Millionen Euro, etwa der Hälfte des gesamten Hilfspakets, an der Sanierung von Kværner zu beteiligen.

Auch die russische Presse vermutet keinen Edelmut hinter Chodorkowskijs Engagement bei Kværner. Ihm gehe es vor allem um die Übernahme der Öl-Aktivitäten der Norweger in Russland. Sein Ziel: Erzrivale Lukoil von Platz eins im russischen Öl-Business zu verdrängen.

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