Einer der umstrittensten Politiker Israels
David Levy - politischer "Trouble-Maker" für israelische Regierungen

dpa JERUSALEM. David Levy (63), der am Mittwoch seinen Rücktritt als Außenminister der Regierung Ehud Barak erklärt hat, ist seit Jahrzehnten einer der umstrittensten Politiker Israels. Doch kein Anderer hat durch sein geschicktes Taktieren und nicht zuletzt seine Herkunft so lange in wichtigen politischen Rollen überlebt, wie der aus Marokko stammendende gelernte Maurer, über den es in Israel zahllose Witze gibt.

David Levy gilt in Jerusalem allenthalben als politischer "Trouble-Maker" - jemand der vor allem seinen jeweils amtierenden Ministerpräsidenten ständig Schwierigkeiten machte. Und dennoch hat es der silberhaarige, pausbackige Politiker geschafft, seit Jahrzehnten an der politischen Spitze des Landes zu bleiben. Seine Trumpfkarte waren hunderttausende Marokko-stämmiger Wähler, die sich durch Levys blumige und oft vollmundige Reden angesprochen fühlten.

Levy, der 1937 in Rabat geboren wurde, kam als Kind nach Israel. Seinen Weg nach Oben machte er in den folgenden Jahrzehnten zunächst als Arbeiterführer und dann als Politiker für den rechtsgerichteten Likud-Block. Der frühere Ministerpräsident Menachem Begin erkannte schnell, dass Levy mit seinem Talent für bombastische Reden ein Stimmenmagnet für die aus dem Orient stammenden Juden sein könnte, was Levy in den nächsten Jahren immer wieder bestätigte. Obwohl gerade seine farbigen, aber selten inhaltsschweren Reden zum Anlass für zahllose Spöttereien wurden, schaffte es Levy schnell in die Spitzengruppe des Likud. Er wurde Minister für Wohnungsbau und Vizepremier. Als Minister für Wohnungsbau war er entscheidend am Ausbau der Siedlungen im Westjordanland und im Gazastreifen beteiligt.

In der Regierung von Izchak Schamir erfüllte sich Levy seinen Traum und erzwang - nicht zuletzt mit politischen Drohungen - seine Ernennung zum Außenminister. Mit ihm sanken die Beziehungen zwischen Israel und den USA Anfang der 90er Jahre auf einen Tiefpunkt.

David Levys politische Karriere, darin stimmen alle Beobachter überein, wurde selten von Ideologie und Programmatik bestimmt. So präsentierte er sich etwa 1989 im Kampf um die Parteiführung des Likud als Falke, wurde dann aber schnell zur politischen Taube, als er erst einmal im Außenministerium saß. Im Kampf mit Benjamin Netanjahu um die Likud-Führung drohte er später mehrfach mit seinem Parteiaustritt. Zuvor lieferte er sich jahrelange harte Kämpfe um die Macht mit dem Likud-Ultra Ariel Scharon.

Dies hielt ihn jedoch nicht davon ab, seinen Eintritt in die Regierung Netanjahu 1996 davon abhängig zu machen, dass auch Scharon ins Kabinett einzog. Als er 1998 nach insgesamt sechs Rücktrittsdrohungen die Regierung Netanjahu und den Likud verließ, tat er das offiziell wegen Netanjahus kompromissloser Politik gegenüber den Palästinensern. Doch schimmerte immer wieder durch, dass er, David Levy, sich politisch missachtet und in seiner Ehre verletzt fühlte. Ein Jahr später trat er dann im Wahlbündnis "Ein Israel" von Ehud Barak an, wo er sich aber schon nicht mehr als Stimmenfänger bei den orientalischen Juden erwies. Die wählten scharenweise die ultraorthodoxe Schas-Partei. Von seiner "Gescher" (Brücke)-Partei schafften nur die Brüder David und Maxim Levy den Sprung ins Parlament.

Dennoch machte ihn Barak zu seinem Vize und Außenminister, übernahm aber selbst die Führung bei den Friedensverhandlungen mit den Syrern und den Palästinensern, was den empfindlichen Levy vermutlich tief verletzte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%