Einfluss der Telekom ausgeschlossen
Netcologne wird Callahan-Zentrale

Das US-Unternehmen Callahan, das von der Telekom die Mehrheit am Fernsehkabel in NRW gekauft hat, ist überzeugt, dass es Kartell-Vorbehalte gegen die geplante Übernahme der Kölner Telefongesellschaft Netcologne ausräumen kann. Europa-Chef David Colley hält einen Einfluss der Telekom für ausgeschlossen

HB BERLIN. Die Verhandlungen über den Kauf der Kölner Telefongesellschaft Netcologne durch die US-Gesellschaft Callahan Associates International LLC werden noch einige Wochen dauern. Callahan wolle vor Vertragsabschluss auf jeden Fall die Befürchtungen von Telekom-Regulierer Klaus-Dieter Scheurle und vom Bundeskartellamt zerstreuen, dass die Deutsche Telekom nach der Übernahme Einfluss auf Netcologne erhalten könnte, sagte Callahan-Partner David Colley, der das operative Geschäft in Europa aufbaut, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Callahan hat zum 15. Juli von der Telekom 55 % der Kabel NRW GmbH & Co.KG, Bonn, mit 630 Mitarbeitern übernommen. Die Telekom, die 45 % der Anteile behält, sei ein reiner Finanzinvestor, der vertraglich von allen wettbewerbsrelevanten Informationen über das operative Geschäft ausgeschlossen sei, beteuert Colley. Nur unter diesen Bedingungen habe die EU-Wettbewerbskommission der Übernahme zugestimmt.

Ernste Bedenken

Die Abstandsregeln würden auch für Netcologne gelten, den wichtigsten Ortsnetz-Wettbewerber der Telekom in der Region. Gegen die Übernahmepläne hatte Scheurle vergangene Woche "ernste Bedenken" geäußert, die allerdings von Netcologne und deren Mehrheitseigentümer, dem lokalen Energieversorger GEW, inzwischen nicht mehr geteilt werden, wie das Handelsblatt von informierter Seite erfuhr. Colley verweist darauf, dass es in Spanien ähnliche Verträge zwischen Callahan und der Telecom Italia gebe, der mehrheitlich die zweitgrößte spanische Telekom Retevisión gehört.

Auf Basis der NRW-Kabelgesellschaft mit zur Zeit 4,2 Millionen Abonnenten will Colley einen starken Wettbewerber zur Telekom aufbauen, der neben Fernsehprogrammen Internet-Dienste und Telefongespräche anbietet. Nach Übernahme von Netcologne will Callahan die Deutschland-Zentrale seines Unternehmens in Köln ansiedeln und in den nächsten drei Jahren 1 000 neue Arbeitsplätze schaffen. Weil der Arbeitsmarkt für Telekommunikationsfachleute leergefegt sei, werde das Unternehmen wie bereits in Spanien die Mitarbeiter selbst schulen und dafür ein Trainingszentrum einrichten, so Colley. Neben Ingenieuren brauche sein Unternehmen Techniker, die in den Haushalten die Kabelmodems anschließen, und Personal für die Call-Center.

Zusätzliche interaktive Dienste

Noch im Oktober will Colley einen Vertrag mit einem Technik-Lieferanten für den Ausbau des Kabelnetzes schließen. Im Januar sollen in Düsseldorf 100 000 Haushalten zusätzliche interaktive Dienste angeboten werden. An der Frage, welche technische Plattform gewählt werde, hänge auch die Entscheidung für die Dekoder-Technik, die Callahan "völlig frei" entscheiden könne: Verträge zwischen der Telekom und der Kirch-Gruppe über die Verwendung der D-Box spielten keine Rolle. Ob er die D-Box oder eher einen anderen Dekoder wähle, wollte Colley nicht sagen. Man wolle aber keine nicht standardisierte (proprietäre) Technik einsetzen. Das spräche gegen die Kirch-Box, die in der Branche als proprietär kritisiert wird.

Entgegen anders lautenden Branchengerüchten sei Callahan auch nicht auf Programme der Telekom-Tochter MSG festgelegt, sondern könne jederzeit zu anderen Anbietern wechseln. Nach offiziell nicht bestätigten Informationen aus den beteiligten Unternehmen zahlte Callahan für das NRW-Kabel 5 Mrd. DM. Netcologne wird mit 1,1 Mrd. DM bewertet. Bis Januar soll auch die Telekom-Kabelgesellschaft Baden-Württemberg mit 2,5 Millionen Abonnenten mehrheitlich an Callahan gehen.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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