Einfluss nimmt zu
EM.TV - kleiner Baustein im Kirch-Imperium

Die Landschaft des deutschen Privat-Fernsehens ist am Montag wieder ein wenig übersichtlicher geworden. Längst schon haben die beiden Medien-Riesen Kirch und Bertelsmann die Vollprogramme des werbefinanzierten Fernsehens weitgehend unter sich aufgeteilt.

Reuters HAMBURG. So kontrolliert Kirch die ProSiebenSAT.1-Gruppe, Bertelsmann mit der internationalen RTL Group sämtliche RTL-Kanäle. Der Einstieg Kirchs beim Fernsehrechte-Händler EM.TV ist nach Experten-Einschätzung ein weiterer Baustein für das Fernseh-Imperium von Leo Kirch - mit Ausnahme der damit verbundenen Formel-Eins-Beteiligung allerdings nur ein kleiner.

"Der schon jetzt große Einfluss von Kirch wird natürlich weiter zunehmen", sagt Frank Laser, Medien-Analyst bei der Vereins und Westbank. - "Ich hatte den Einstieg aber größer erwartet." Kirch wird sich mit höchstens 16,74 % an EM.TV beteiligen und bekommt zudem acht Prozent der Stimmrechte von EM.TV-Chef Thomas Haffa übertragen. "Mit einem solchen Anteil ist das kein großer Schritt zur Block-Bildung auf dem deutschen Fernsehmarkt", sagt Laser. Schließlich seien EM.TV und Kirch schon vorher stark "verbandelt" gewesen.

Kirch und EM.TV hatten unter anderem das internationale Kinderprogramm Junior TV bisher als Gemeinschaftsunternehmen betrieben, was künftig von EM.TV allein kontrolliert werden soll. Nach der Vereinbarung soll Kirch zudem 49 % der 50-prozentigen EM.TV-Beteiligung an der Formel Eins übernehmen.



Kirch kann nun auch auf Rechte-Vergabe Einfluss nehmen

Diese Beteiligung steht Analysten zufolge auch im Mittelpunkt des Kirch-Einstiegs bei EM.TV. Sie sichere dem Münchner Medienkonzern einen "Magneten" für seinen um Abonnenten kämpfenden Pay-TV-Sender "Premiere", sagt Laser. Die Formel-Eins-Rechte für das Bezahlfernsehen hatte Kirch für die nächsten Jahre eingekauft. Für ihn sei es positiv, dass er nun auch auf die Rechte-Vergabe Einfluss nehmen könne. Die Rechte für das Free-TV, also das kostenfreie Fernsehen, liegen nämlich noch bis 2003 beim Konkurrenten RTL.

Ob mit dem Kirch-Einfluss bei der Formel Eins anschließend die Autorennen auf SAT.1 statt auf RTL zu sehen sein werden, ist Branchenkennern zufolge aber trotzdem fraglich. "RTL ist damit nicht automatisch draußen", sagt Roland Pfänder von der BHF-Bank. Die EU-Kartellbehörden beobachteten ohnehin schon die zentrale Vergabe der Formel-Eins-Rechte. Es müsste also sicher gestellt werden, dass die Rechte nicht nur Kirch-Sendern vorbehalten blieben, sondern offiziell ausgeschrieben würden.

So sieht es auch die RTL-Zentrale in Köln. "Wir gehen davon aus, dass die Folgerechte diskriminierungsfrei vergeben werden", sagt RTL-Sprecherin Ingrid Haas. In Branchenkreisen heißt es zudem, dass sich der RTL-Konkurrent SAT.1 neben der Fußball-Bundesliga nicht noch ein "Zuschussgeschäft" leisten will. Die Übertragungsrechte für Top-Sport-Arten wie Bundesliga und Formel-Eins gelten in der Branche als sehr kostspielig. Bei SAT.1 war am Montag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

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