Einführung eines Rücknahmesystems
Dänemark hebt Verbot von Dosenbier nach 20 Jahren auf

Dänemarks neue Regierung hat das traditionelle Verbot von Dosenbier und anderen Getränken in Einwegverpackungen aufgehoben. Wie Umweltminister Hans Christian Schmidt am Montag in Kopenhagen ankündigte, soll der Verkauf von Getränken in Dosen an ein Rücknahmesystem mit 1,50 Kronen (0,20 Euro) Pfand je Stück wie bei Flaschen gebunden sein.

dpa KOPENHAGEN. Weil der Einzelhandel noch einige Monate für die Vorbereitung des Rücknahmesystems in Automaten benötigt, gibt es Bier in Dosen in den dänischen Geschäften erst vom 1. Juni an zu kaufen.

Die bis Dezember amtierende sozialliberale Regierung hatte das vor 20 Jahren aus Umweltgründen verhängte Dosenverbot auch nach einer von der EU-Kommission gegen Kopenhagen eingereichten Klage vor dem Europäischen Gerichtshof aufrechterhalten. Der neue rechtsliberale Umweltminister Schmidt meinte dazu: "Die umweltmäßigen Unterschiede zwischen Pfandflaschen und Pfanddosen sind so minimal, dass das einen Prozess gegen die Kommission nicht lohnt." Ohnehin galt als so gut wie sicher, dass Dänemark vor Gericht unterlegen wäre.

Einzelhändlerverband und Brauereivereinigung begrüßten die Entscheidung und erklärten, man erwarte nun ein breiteres und attraktiveres Angebot an Bier und anderen Getränken. Tatsächlich hat das Dosenverbot bisher ausländische Anbieter fast völlig vom dänischen Markt fern gehalten, weil der lange Transport von Flaschen zu teuer war und in Dänemark selbst der Carlsberg-Konzern mit seinem Stammbier sowie der Tochter Tuborg fast wie ein Monopolist die Produktion beherrscht. Der Anteil ausländischer Biere am dänischen Markt beträgt lediglich 1,5 %.

Als Folge gibt es in dänischen Geschäften wie in Kneipen eine für westeuropäische Verhältnisse beispiellos schmale Auswahl an Biersorten. Ausländische Biersorten werden ausschließlich als Luxusware verkauft. Mit einem Bierkonsum von 102,2 Litern pro Jahr und Kopf (2000) gehören die Dänen zu den Spitzenverbrauchern in Europa, übertroffen allerdings unter anderem von Deutschland mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 125,5 Litern (2000).

Nur begrenzt wird die Freigabe von Dosenbier nach Meinung des Ministers wie auch der Fachverbände den enormen Biereinkauf der Dänen bei ihrem südlichen Nachbarn eindämmen. Auf 20 bis 25 % schätzt der Brauereiverband den Anteil des in Deutschland für den Eigenbedarf gekauften Biers am dänischen Gesamtkonsum. "Das ließe sich nur über Senkung der hohen dänischen Steuern senken", meinte Niels Hald vom Brauereiverband in Kopenhagen.

Schmidt will mit den zuständigen Stellen in Norddeutschland über ein gemeinsames Retoursystem verhandeln. So lange dies noch nicht zu Ergebnissen geführt hat, werden die dänischen Rücknahmeautomaten in Deutschland gekaufte Dosen annehmen, aber keinen Pfand dafür auszahlen.

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