Eingebauter Sicherheitspuffer
Garantiert weniger Verlust mit Aktienanleihen

Wenn die Kurse purzeln, leiden darunter auch Käufer von Aktienanleihen. Bei einigen Produkten bieten Banken inzwischen eine Art eingebauten "Airbag", der vor allzu hohen Verlusten schützt. Wissenschaftler weisen aber darauf hin, dass Anleger die zusätzliche Sicherheit in der Regel teuer bezahlen müssen.

DÜSSELDORF. Krisen, Kursstürze und Konjunkturflaute bereiten Anlegern derzeit Bauchschmerzen. Die Banken reagieren, indem sie Sicherheit in ihre Produkte integrieren. So existieren inzwischen Aktienanleihen, bei denen der Anleger die Garantie erhält, nicht mehr als zum Beispiel 25 Prozent seines Kapitals zu verlieren. Dafür sind solche Papiere teurer als vergleichbare Aktienanleihen ohne "Airbag".

Grundsätzlich ist der Anleger mit Aktienanleihen doppelt im Geschäft: Zum einen erhält er feste Zinszahlungen für sein eingesetztes Geld, wie bei einer Anleihe. Hinzu kommt ein Optionsgeschäft, das sich auf eine Aktie (so genannter Basiswert) bezieht. Fällt der Kurs der Aktie bis zum Ende der Laufzeit unter ein vorher festgelegtes Niveau (Basispreis), dann erhält der Anleger statt seines Geldes nur die Aktien zurück. Trotz der zum Teil üppigen Zinsen werden Aktienanleihen so zum Verlustgeschäft.

Bei Aktienanleihen mit Airbag besteht noch eine zusätzliche Vereinbarung: Stürzt der Kurs nicht nur unter den Basispreis, sondern auch unter einen noch tieferen "Garantiepreis", dann erhält der Anleger neben den Aktien einen festgelegten Teil seines Geldes - etwa 75 Prozent - zurück. So müssen Anleger nicht mehr fürchten, dass sie bei einem radikalen Kurssturz nur noch stark gesunkene Aktien erhalten.

Die zusätzliche Regelung gibt Investoren mehr Sicherheit. Sonst gelten für die "Airbag"-Papiere die gleichen Anlagekriterien wie für gewöhnliche Aktienanleihen. "Aktienanleihe ist in erster Linie ein Produkt für den seitwärts gerichteten Markt und insbesondere vor dem Hintergrund hoher impliziter Volatilitäten für Anleger interessant", sagt Daniela Böhmer, beim Bankhaus Sal. Oppenheim in Frankfurt für Securitized Products zuständig, zu denen Aktienanleihen zählen.

"Airbag"-Papiere bieten mehr Sicherheit

Soll heißen: Erwarten Anleger steigende Kurse, dann profitieren sie am besten durch direkten Aktienkauf. Fürchten sie einen Kurssturz, dann sollten sie Aktien besser ganz meiden. Erwarten Investoren indes kaum Kursschwankungen, dann sind Aktienanleihen das beste Instrument. Die Attraktivität liegt in dem höheren Zins im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren. Daniela Böhmer: "Der hohe Zins ist eine Chance auf eine nette Rendite."

Hendrik Scholz vom Institut für betriebswirtschaftliche Geldwirtschaft (IFBG) der Universität Göttingen betont allerdings, dass Aktienanleihen nicht von Kurssteigerungen profitieren. "Bei diesem Produkt tauscht der Anleger die Chancen der Aktienanlage gegen einen hohen Zinskupon ein. Er übernimmt dabei das Risiko sinkender Kurse", sagt der Wissenschaftler.

Preise liegen oft über dem fairen Wert

Ferner sei es Anlegern kaum möglich, den marktgerechten Wert solcher Papiere zu ermitteln, meint Scholz. In die komplexe Preisberechnung fließt etwa die Wahrscheinlichkeit ein, dass die zu Grunde liegende Aktie den Basispreis erreicht. "Häufig liegen die Preise von Aktienanleihen um drei Prozent über dem theoretisch fairen Wert", sagt Scholz, "doch die Banken müssen hierüber auch Kosten decken, die mit der Emission dieser Produkte anfallen". Das Lehrstuhlteam des IFBG stellt im Internet ein Computer-Programm zur Verfügung, mit dem Anleger die fairen Preise einfach selbst berechnen können.

Als weiteren Nachteil von Aktienanleihen nennt Armbruster von ABN Amro die steuerliche Behandlung. Die Papiere gehören zu den so genannten Finanzinnovationen. Das heißt, Zinsen sind als Kapitaleinkünfte voll zu versteuern. "Das Risiko ist zum Beispiel identisch mit dem eines Discount-Zertifikates, doch versteuert man mehr", sagt Armbruster. Für Anleger mit einem hohen persönlichen Steuersatz könnte daher der Gewinn nach Steuern deutlich geschmälert werden.

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