Eingetrübte Konjunkturerwartungen
Schwacher Einkaufsmanagerindex belastet Euro

Der Euro hat am Mittwoch in Reaktion auf den schwachen Einkaufsmanagerindex im Verarbeitenden Gewerbe der Euro-Zone etwas an Boden verloren. Kurz nach den Daten fiel die Gemeinschaftswährung um rund einen halben Cent auf ein Tagestief von 0,8887 $, stabilisierte sich bis zum Mittag jedoch wieder über der Marke von 89 US-Cent.

Reuters FRANKFURT. Händler sagten, die schwächeren Indizes für die Euro-Zone und deren Hauptländer Italien, Frankreich und Deutschland hätten die eingetrübten Konjunkturerwartungen bestärkt und damit den Euro belastet. Auf Äußerungen von EZB-Vizepräsident Christian Noyer in Brüssel reagierte die Gemeinschaftswährung dagegen kaum.

Im Referenzkursverfahren öffentlicher Banken wurde der Kurs der Gemeinschaftswährung am Mittwoch mit 0,8904 $ ermittelt nach 0,8869 $ am Montag. Die US-Währung verbilligte sich damit auf 2,1966 (2,2052) DM. Zum Yen wurde der Euro mit 108,73 (109,53) Yen ermittelt. Gegen 14.00 Uhr kostete ein Euro 0,8907/12 $ nach einem New Yorker Schlusskurs von 0,8934/38 $ am Dienstag. Der Dollar lag zum Yen kaum verändert bei Kursen um 122,10 Yen nach 121,98/08 Yen am Vorabend in New York.

Rückläufige Auftragseingänge

"Der Euro könnte gegen den Dollar auf sein Wochentief fallen. Die Einkaufsmanagerindizes waren enttäuschend", sagte Neil MacKinnon nach Bekanntgabe der Indikatoren für die drei größten Länder der Euro-Zone. "Die Anzeichen einer Abschwächung der Wirtschaft in der Euro-Zone belasten den Euro zu einem Zeitpunkt, da eine höhere Inflation den Handlungsspielraum der EZB begrenzt", sagte Claudio Piron von Standard Chartered. In Europa habe die Verlangsamung zuletzt begonnen, aber wahrscheinlich werde auch die Erholung am spätesten einsetzen, sagte Piron weiter.

Rückläufige Auftragseingänge führten nach einer Umfrage unter Einkaufsmanagern im April erstmals seit mehr als zwei Jahren zu einem leichten Abschwung im Verarbeitenden Gewerbe in der Euro-Zone. Der Reuters-Einkaufsmanager-Index (EMI) ging auf 49,3 Punkte nach 51,2 Zählern im März zurück, teilte die Forschungsgruppe NTC, die den Index für Reuters ermittelt, am Mittwoch mit. Mit einem Wert unter 50 Punkten verweist der Index auf einen Geschäftsrückgang im Verarbeitenden Gewerbe. Die Indizes für Deutschland, Frankreich und Italien fielen ebenfalls unter diese Marke.

Äußerungen von EZB-Vizepräsident Noyer beeinflussten den Devisenmarkt indes kaum. Noyer betonte erneut die abwartende Haltung der Europäischen Zentralbank (EZB) in ihrer Zinspolitik. Die EZB könne mit ihrer Geldpolitik die Konjunktur nicht feinsteuern und könne auch nicht die kurzfristigen Effekte von Wechselkurs und Ölpreis auf die Preise beheben, fügte er hinzu. "Geldpolitik kann diesen externen Schocks nicht entgegentreten, und sie sollte es auch nicht versuchen", sagte er. Die EZB könne nur mittelfristige Preiserwartungen beeinflussen und werde deshalb nicht abrupt ihre Geldpolitik ändern.

Niedrige Inflation soll Vertrauen in den Euro festigen

EZB-Chef Wim Duisenberg schrieb im Vorwort des Jahresberichts der Zentralbank, eine niedrige Inflation sei der beste Weg, um das Vertrauen in den Euro zu festigen. Die Haushaltssituation in der Euro-Zone habe mittlerweile zwar Fortschritte gemacht, dennoch seien weitere Verbesserungen notwendig. Die EZB hatte in der vergangenen Woche die Leitzinsen unverändert gelassen und dies mit den anhaltenden Preisrisiken in der Euro-Zone begründet.

Aus der Euro-Zone werden am Mittwoch keine wichtigen Daten mehr erwartet. In den USA stehen um 16.00 Uhr MESZ die Industrieaufträge und um 20.00 Uhr der an den Finanzmärkten vielbeachtete Konjunkturbericht der US-Notenbank Fed (Beige Book) an.

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