Einheitliche Bildungsstandards angestrebt
Kultusminister wollen radikalere Reformen

Die Kultusminister der Länder wollen nach dem "Pisa"-Schock die deutschen Schulen nun doch radikaler verändern als ursprünglich geplant. Nach der SPD legten am Donnerstag auch die Schulminister von CDU und CSU auf der Kultusministerkonferenz (KMK) in Eisenach überraschend ein umfassendes Maßnahmen-Paket zur Verbesserung der Schulqualität vor. Es sieht Abschlussprüfungen in allen Schularten und zuvor regelmäßige Orientierungsarbeiten und bundesweite Tests vor.

dpa EISENACH. Die Grundlage dafür bilden einheitliche "Bildungsstandards" in den wichtigen Kernfächern Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen und Naturwissenschaften, auf deren Inhalte sich die Unions-geführten Länder intern in einjähriger Arbeit bereits verständigt hätten, hieß es in einer Erklärung. Bayerns Schulministerin Monika Hohlmeier (CSU) sagte der dpa, mit diesen Standards seien "unverzichtbare Kompetenzen" und ein "klar festgelegtes Grundwissen" beschrieben. Dieses müssten die Schüler am Ende eines Bildungsabschnitts beherrschen.

Die "Bildungsstandards" der Union zielen auf die Abschlussklassen der Grundschule, der Hauptschule, der Realschule und der jeweiligen Übergangsklasse in die gymnasiale Oberstufe. Nach ihrer Auffassung stellt die Verständigung auf diese "Bildungsstandards" einen "Meilenstein in der föderativen Bildungspolitik" dar. Die Union forderte die SPD-Länder auf, an diesem Verfahren mitzuarbeiten "und sich den Vergleichs- und Abschlussarbeiten anzuschließen".

Die SPD-Länder hatten am Vortag angekündigt, die Qualität der Schulen regelmäßig und länderübergreifend durch Vergleichsarbeiten überprüfen zu lassen. Mit einer bundesweiten Vereinbarung sollten diese Vergleichsarbeiten mindestens ein Mal in der Grundschule und zwei Mal in den Schuljahren vor der Mittleren Reife geschrieben werden. Die einzelne Schule wie auch der Schüler selbst sollten so eine "Rückkopplung" und eine Diagnose über ihren Leistungsstand erhalten.

Mit der Festlegung auf Abschlussprüfungen und verbindliche Standards zielt das Unions-Konzept allerdings deutlich weiter. Es wird erwartet, dass sich die Kultusminister bei ihrem zweitägigen Treffen auf die Einsetzung einer Arbeitsgruppe verständigen. Für das Abitur hatten sich die Kultusminister bereits 1995 auf einheitliche Prüfungsanforderungen in den Kernfächern (EPAs) verständigt. In Eisenach soll eine weitere Vereinbarung verabschiedet werden. Die Präsidentin der KMK, Thüringens Wissenschaftsministerin Dagmar Schipanski (CDU), zeigte sich zu Beginn der Sitzung zuversichtlich, dass sich die Länder darüber verständigen werden.

Mehrere DGB-Gewerkschaften kritisierten anlässlich des Treffens die Lage in den Berufsschulen. Massenhafter Unterrichtsausfall sei an der Tagesordnung, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Erwin Vitt vor Journalisten. Die Ausstattung der Schulen entspreche oft nicht mehr dem Stand der Technik. Verglichen mit Ländern wie Frankreich oder den USA investiere Deutschland zu wenig in sein Bildungssystem.

Am Rande der Sitzung demonstrierten Jugendgruppen der Gewerkschaften. Einen ursprünglich größer geplanten Protestzug zum Tagungsort der Kultusminister auf der Wartburg hatte die KMK - Präsidentin unter Hinweis auf ein zeitgleich stattfindendes Treffen der Burschenschaften untersagt. Schipanski wollte am Abend mit einer Delegation der Jugendlichen reden.

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