Einheitliche Normen für Nachhaltigkeitsberichte
Kampf um Harmonie

Die Global Reporting Initiative strebt international anerkannte Normen für Nachhaltigkeitsberichte an. Sie räumt auf mit der unübersichtlichen Vielfalt hausgemachter Kriterienkataloge.

Woher weiß man, ob ein Unternehmen wirtschaftlichen Erfolg mit ökologischer Verantwortung und sozialer Gerechtigkeit verbindet? Ob es nachhaltiger wirtschaftet als Wettbewerber? Ob die Angaben glaubwürdig sind? Diesen Fragen von Anlegern, Kunden, Mitarbeitern und Interessengruppen müssen sich nicht nur multinationale Konzerne, sondern auch nationale und mittelständische Firmen zunehmend stellen. Je stärker deutlich wird, wie notwendig nachhaltiges Wirtschaften ist, desto mehr sind sie gefordert, auch darüber zu infomieren - und zwar regelmäßig, zuverlässig und vergleichbar.

Doch in der Praxis liegt genau da das Problem. Zwar nimmt die Zahl der Umwelt-, Sozial- und Nachhaltigkeitsberichte bei internationalen Unternehmen stark zu, wie eine KPMG-Studie über fast 2 000 Top-Konzerne aus 19 Ländern zeigt. "Nachhaltigkeitsberichte und deren externe Überprüfung wird ein mainstream business", resümiert Professor George Molenkamp. "Die Globalisierung wird deutsche Unternehmen ebenfalls vermehrt dazu zwingen."

Auch steigt die Qualität der Berichte: immer öfter geht es um harte Zahlen. Doch da es in keinem Land verbindliche Regeln gibt, schon gar nicht auf internationaler Ebene, kann von Vergleichbarkeit, Vollständigkeit und Transparenz keine Rede sein. Es hat sich eine unübersichtliche Vielzahl von Kriterienkatalogen entwickelt.

Meist haben Unternehmen eigene Regeln und ändern sie beliebig. Das macht Vergleiche unmöglich, auch innerhalb einer Branche: So gibt das niederländische Allfinanzinstitut ING den Trinkbecher-Verbrauch in Stück an, Wettbewerber ABN Amro arbeitet mit Kilogramm und Rabobank sagt dazu gar nichts. Jeder geht eigene Wege.

Dabei wäre es doch nahe liegend, ähnlich wie bei der Gewinn- und Verlustrechnung einheitliche Maßstäbe anzulegen. Der Ruf danach wird lauter unter Aktionären, Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) und Regierungen. Sinnvoll wäre ein Nachhaltigkeitsbericht in der Bilanzzeit, der ökonomische, ökologische und soziale Leistungen und Schwächen integriert.

Wie er aussehen kann, zeigen die Leitlinien, die die Global Reporting Initiative (GRI) ausarbeitet, eine Arbeitsgruppe aus mehreren hundert Unternehmen, Wirtschaftsprüfern, Investoren, Rating-Agenturen, Verbänden, Experten, Nicht-Regierungs-Organisationen und Gewerkschaften, die 1997 auf Anstoß der UNO entstand und seit April unabhängig arbeitet.

Die GRI versucht, einen einheitlichen Standard zu schaffen, indem sie nationale und internationale Maßstäbe und Praktiken harmonisiert. Das Ziel: Vollständigkeit, Vergleichbarkeit und Glaubwürdigkeit in den Berichten. "Wir wollen im offenen Dialog zu weltweit anerkannten Normen gelangen", erläutert Hanns Michael Hölz, GRI-Direktor und bei der Deutschen Bank für Nachhaltigkeit zuständig.

In der im Mai beendeten knapp zweijährigen Testphase orientierten sich mehr als 110 Unternehmen aus 17 Ländern an diesen Richtlinien. Die Mehrzahl von ihnen sind US- und britische Firmen. Nur vier deutsche Konzerne sind darunter - BASF, Heidelberg Druck, Henkel und Siemens. Die kleinen Niederlande dagegen bieten neun Unternehmen auf. Kein Wunder, dass die GRI ihr Hauptquartier im Herbst von Boston nach Amsterdam verlegt.

Noch picken sich die Unternehmen für Umwelt- und Sozialberichte nur einen Teil der von der GRI entwickelten Indikatoren heraus. Großkonzerne hätten oft eigene Systeme wie die ISO 14001, erklärt Hölz. "Das GRI sollte diese integrieren." Zudem sei es ein großer Aufwand, in allen Abteilungen die nötigen Daten zu ermitteln. Hunderte Fragen über ökologische, ökonomische und soziale Leistungen sind zu beantworten und zahlreiche absolute Zahlen und Verhältniswerte anzugeben. Manche Kriterien sind nicht für alle Branchen relevant.

Auf Basis der praktischen Erfahrun-gen legt das GRI im Juli eine vorläufige Version der Leitlinien vor. Sozialkriterien und branchenspezifische Kriterien müssen aber noch verfeinert werden, räumt Hölz ein. "Wir sollten zudem ein Drei-Stufen-Modell entwickeln, das es Einsteigern ermöglicht, sich schrittweise auf die Anforderungen einzustellen."

Der komplette Kriterienkatalog ist tatsächlich eher abschreckend, sowohl für Unternehmen, als auch für Leser. "Trotzdem ist GRI eine der besten Optionen", betont Molenkamp. Er hält es für am besten, wenn das Unternehmen sich in einem gedruckten Bericht auf die Hauptpunkte beschränkt und gleichzeitig im Internet tiefergehende Informationen bereitstellt.

Klar ist: vor der GRI liegt noch ein weiter Weg, bis sich die Normen durchsetzen. Aber auch die internationale Harmonisierung der Finanzberichterstattung geschah nicht über Nacht. Die Erfahrungen damit könnten helfen, die Harmonisierung der Nachhaltigkeitsberichte zu beschleunigen, hofft das GRI-Team. Der Druck von Anlegern und Öffentlichkeit wird dazu beitragen. Unilever und Shell lassen sich nicht umsonst jetzt schon stärker als Wettbewerber auf das GRI ein - und ernten Lob von niederländischen Anlegern.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%