Einheitliche Richtilinie angestrebt
Bischöfe beraten über sexuellen Missbrauch

Der Umgang mit sexuellen Übergriffen von Priestern hat am Montag in Würzburg den Ständigen Rat der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK) beschäftigt. Hinter den Toren von "Kloster Himmelspforten" zogen sich die Bischöfe zur Beratung des heiklen Themas zu mehrstündigen Beratungen zurück.

dpa WÜRZBURG. Über den Inhalt der Gespräche wollten die Kirchenvertreter zunächst keine Stellungnahme abgeben. Einem Sprecher zufolge war unter anderem über die Einführung von einheitlichen Richtlinien in allen deutschen Diözesen beim Umgang mit solchen Fällen beraten worden.

Fälle sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche sorgen derzeit weltweit für Aufsehen. Nach den jüngsten Missbrauchs- Skandalen im amerikanischen Klerus will sich Papst Johannes Paul II. an diesem Dienstag und Mittwoch mit US-Kardinälen zu Beratungen in Rom treffen. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Vatikan die Diözesen in aller Welt dazu verpflichtet, Missbrauchsfälle nach Rom zu melden.

Nachdem in den vergangenen Wochen in den USA, Polen und in Irland spektakuläre Fälle an die Öffentlichkeit gekommen waren, kam das Thema auch auf die Tagesordnung der Deutschen Bischofskonferenz. Auf der Tagung der deutschen Bischöfe sollte ein allgemeines Bilanzieren der Situation in Deutschland im Mittelpunkt stehen, hieß es von Seiten der DBK. Dazu sei ein Erfahrungsaustausch über die bisherige Verfahrensweise in den einzelnen Bistümern nötig.

Auch in Deutschland hat es in den vergangenen Jahren imme wieder Missbrauchsfälle gegeben. Vor zwei Wochen erstattete ein 40-jähriger Priesters aus dem unterfränkischen Sandberge Selbstanzeige, weil er sich an einem Kind vergangen habe. Ein vor zwei Jahren wegen sexuellen Missbrauchs von drei Kindern zu einer Bewährungsstrafe verurteilter Priester der Diözese Würzburg wurde in der vergangenen Woche mit sofortiger Wirkung in den Ruhestand versetzt. Er habe sich geweigert, Tätigkeiten anzunehmen, bei denen er nicht mehr mit Kindern in Berührung komme, teilte das Bistum Würzburg mit.

Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" mahnte bei den deutschen Bischöfen Ombuds-Stellen für Missbrauch-Opfer an. Die Beratungsstellen müssten unabhängig von den bischöflichen Ordinariaten sein, um eine wirklich vertrauenswürdige Hilfe gewährleisten zu können, hieß es in einer am Montag in Hannover verbreiteten Erklärung. Nach Ansicht der Kirchenreformbewegung kann die Gefahr von Missbräuchen nur gesenkt werden, wenn die katholische Kirche ihre Einstellung zur Sexualität überdenkt.

Die positive Bewertung der Sexualität und die Abschaffung des Zölibats gehören zu den fünf Forderungen des Kirchenvolksbegehrens, das 1995 allein in Österreich und Deutschland von mehr als 2,3 Millionen Menschen unterschrieben worden war. Bei der Sitzung in Rom sollten Richtlinien herausgegeben werden, "die Familien eine Atmosphäre von Sicherheit und Frieden sowie Vertrauen in die Geistlichkeit und die Gläubigen zurückgeben sollen", kündigte der Vatikan an.

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