Einheitliches Rücknahmesystem über den Handel gefordert
Handyberge im Wohnzimmerschrank

afp BERLIN. Sie werden von Jahr zu Jahr kompakter, schicker und leistungsfähiger. Fast 50 Millionen Handys gibt es mittlerweile in Deutschland - Tendenz steigend. Wie die Cebit gerade zeigte, entsprechen viele Mobiltelefone längst nicht mehr dem neuesten Stand der Technik. Sie werden in den kommenden Jahren ausrangiert. Doch ihre Entsorgung ist weitgehend ungeklärt.

Die Industrie wälzt Pläne, wie die Geräte über den Handel kostengünstig zurückgenommen und wiederverwertet werden können. Experten warnen angesichts der schleppenden Gespräche vor der "Endstation Mülltonne".

Die Wiederverwertung von Handys ist ein mühsames Geschäft, das überwiegend von Hand erledigt werden muss. Zwar sind die Kunststoffbestandteile neuerer Geräte heute häufig sortenrein gegossen, so dass eine Wiederverwertung relativ einfach ist; bei den technischen Komponenten sieht Mario Tobias vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) jedoch wenig Chancen auf einen Zweiteinsatz: "Man kann die LCD-Anzeige herauslösen. Bei der Geschwindigkeit, die der technische Wandel vorlegt, ist aber fraglich, ob einzelne Bauteile noch genutzt werden können."



Die Handy-Entsorgung in Deutschland hängt am Schicksal der EU-Elektroschrottrichtlinie, deren Verabschiedung vor Weihnachten an unterschiedlichen Meinungen der EU-Umweltminister über die Übergangsfrist bis zur Rücknahmepflicht der Hersteller für Altgeräte gescheitert war. Erneut mit dem Thema befassen wollen sich die EU-Umweltminister erst Anfang Juni.



Die Zeit drängt. Schon im Jahr 2003 wird es in Deutschland nach Schätzungen von Bitkom mehr Handys als Einwohner geben. Für die Industrie ist kaum zu kalkulieren, wann alte Geräte ausrangiert und zurückgegeben werden, wie Tobias betont. Auch Thomas Lenius vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) will keine Prognosen wagen: "Die wären wahrscheinlich genauso zuverlässig wie Vorhersagen über die künftige Lage der Weltwirtschaft."



Die Verbraucher sind für die Experten unberechenbar. Bitkom verweist auf Studien der Gerätebauer in Großbritannien und Schweden. Bei Befragungen von Handynutzern habe sich herausgestellt, "dass die Mehrzahl der Geräte nach dem Gebrauch noch einfach in den Schrank wandert", sagt Tobias. Oder Eltern verschenkten Altgeräte beim Kauf eines moderneren Modells an ihre Kinder. Fazit: "Bislang ist der Rücklauf denkbar gering."



Dem Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) zufolge kamen zuletzt pro Jahr zwei Millionen Tonnen Elektroschrott zusammen. Davon entfielen 140 000 Tonnen auf Kommunikationstechnik. Neben Festnetztelefonen und Faxgeräten machten Mobiltelefone bislang nur einen geringen Anteil aus, betont Verbandssprecher Achim Hallerbach. Hier liegt die Krux: Ohne hohe Stückzahlen lohnt sich der Aufbau von spezialisierten Recycling-Anlagen nicht. Die Verwerter sehen sich Hallerbach zufolge dabei als gebranntes Kind der Altautorichtlinie: "Da wurden riesige Anlagen aufgebaut, und dann blieben die Mengen aus."



Bitkom sieht die Gefahr, dass eine erste Welle von Altgeräten in den normalen Hausabfall wandert. "Handys sind etwas ganz anderes als Waschmaschinen oder Computer", sagt Tobias. Im Fachjargon würden die Westentaschenbimmler gerne als "mülltonnengängig" bezeichnet, weil sie "so klein sind, dass man sie einfach wegschmeißen kann".



BUND-Experte Lenius fordert ein einheitliches Rücknahmesystem über den Handel. In diese Richtung wollen offenbar auch Gerätebauer wie Motorola oder Nokia gehen. In seit dem Herbst laufenden Gesprächen wollen sie die Netzanbieter überzeugen, die schon jetzt teilweise mögliche kostenlose Rücknahme in ihren Telefonshops in Zukunft großflächig anzubieten. Überlegungen, ein Pfand auf neue Handys zu erheben, sind dagegen endgültig vom Tisch. "Dann müssten die Verbraucher ja bis zu zehn Jahre lang einen Pfandbon aufheben", sagt Tobias. "Das ist kaum praktikabel.

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